Zum Tod von Betty Friedan, 1921-2006
von Gareth Porter
12.02.2006 — The Nation / ZNet
—
abgelegt unter:
Feminismus / Gender
Betty Friedan ist tot. Sie starb im Alter von 85 Jahren. Friedan war eine brillante und kämpferische Frau, eine, die ein großes Leben gelebt und ein großes Buch geschrieben hat. Ihr Buch hat dazu beigetragen, unsere Welt zum Besseren zu verändern - in jeder Hinsicht. Die extrem rechte Zeitschrift 'Human Events' wusste sehr wohl, was sie tat, als sie Friedans Buch 'The Feminine Mystique' (deutsch: 'Der Weiblichkeitswahn', 1963) auf die Liste der 'Zehn gefährlichsten Bücher des 19. und 20. Jahrhunderts' setzte.
Betty Friedans Buch ist vielleicht nicht so tiefsinnig wie 'Second Sex'* und nicht ganz so radikal wie manche der unzähligen Artikel und Kampfschriften, die einige Jahre später aus den Vervielfältigern des Women's Liberation Movement (Frauenrechtsbewegung) quollen. Aber für viele Frauen Amerikas verkörperte das Buch die Tiefe und Radikalität, die zu diesem Zeitpunkt nötig waren.
Wenn Sie noch Zweifel haben, wie mausetot die 50ger Jahre sind, versuchen Sie doch einmal, jungen Frauen etwas über Friedans Buch 'The Feminine Mystique' beizubringen. Ich selbst habe das vor sechs Jahren versucht. Genauso gut könnten Sie probieren, ihnen Jane Austen nahe zu bringen. Hilfsgeistliche, Familiengüter und Seebäder sind das eine, Frauen, die sich ausgehfein machen, nur, um auf den Markt zu gehen und Frauenmagazine, die besessen sind von Themen wie 'das fragile männliche Ego' oder 'Sollten Mädchen das College verlassen, um zu heiraten?' (Letztere wurden nachsichtig bewertet, schließlich brauchen Frauen ihre Ausbildung ja später nicht) das andere. In unserer großen amerikanischen Gedächtnislücke pflegt grundsätzlich alles in einer Art gotischem Nebel zu verschwinden, was vor letzten Dienstag passiert ist - so auch das System der Gesetzgebung, Kulturrezeption und gesellschaftlichen Praxis jener Zeit - das beschreibt Friedan in ihrem Buch.
Meine Studentinnen waren ziemlich wütend auf die Vorstadthausfrauen in Friedans Werk - mit ihren subdepressiven Verstimmungen, ihrer schwärenden Unzufriedenheit - auf Frauen, die ein "Problem hatten, das keinen Namen hat". Wenn diese Frauen tatsächlich ein Problem hatten, warum unternahmen sie nichts dagegen? Keine meiner Studentinnen hätte sich zum Beispiel vorstellen können, einen Tag mit Küchenfußboden bohnern zu verplempern, schon ihre Mütter nicht mehr. Und falls doch, wäre es "ihre Sache" gewesen, das magische Wort heißt: ihre Sache.
Vielleicht haben sie heute ja wirklich die Wahl. Was aber, wenn das, was nach 'Wahl' aussieht, in Wirklichkeit nur eine neue Variante des (Weiblichkeits-)'Wahns' ist: im flotten Stadt-Outfit auf einem Designer-Moped herumkurven. Vielleicht hat sich der 'Wahn' verflüchtigt, aber die strukturellen Hindernisse - früher vernebelt durch eben diesen 'Wahn' -, sind nach wie vor da: Diskriminierung am Arbeitsplatz, das Old-Boys-Netzwerk, die Arbeitskultur des Workaholismus, fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Ein Problem beim Namen zu nennen, bedeutet noch lange nicht, es zu lösen. 1970 half Betty Friedan, den 'Women's Strike for Equality' zu organisieren. Die Frauen forderten Kinderbetreuungszentren, die rund um die Uhr geöffnet haben, sie forderten Abtreibung 'on demand' und Chancengleichheit bei Ausbildung und am Arbeitsplatz. Die Forderungen sind mittlerweile 36 Jahre alt, keine davon wurde erfüllt.
In ihrer geistreichen, viel diskutierten Polemik - erschienen in der Dezemberausgabe von 'American Prospect' - behauptet die pensionierte Rechtsprofessorin Linda Hirshman, es sei durchaus nicht nur ein Mythos der Medien, dass junge Frauen heute massenhaft an den Herd zurückkehren. Das stimme. Und es sei der Fehler der Feministinnen, weil sie anstatt von Gerechtigkeit von "die Wahl haben" redeten. Nach dem Motto: Triff deine Entscheidung, und wie immer du entscheidest, ist schon okay, sofern du es wirklich willst! Für Hirshman zählt allein der Job: Selbst Mütter, die nur ein paar Jahre zu Hause bleiben oder Teilzeit arbeiten, sind für sie Luschen. Arbeit - darunter versteht Hirshman eine gutbezahlte Jobkarriere, mit eigenem Büro in Aussicht. An Jobs zu Hungerlöhnen denkt sie nicht oder an idealistische Gutmenschen-Jobs für Frauen bzw. an Beamtinnen, die sich das Herz aus dem Leib malochen. Hirshman will, dass der Feminismus klaren Standpunkt bezieht: Mütter als Nurhausfrauen vergeuden ihrer Meinung nach nur ihr Talent und beugen das Haupt vor der häuslichen Unterordnung. Sie leisteten der Ungleichheit öffentlich Vorschub. Aber selbst wenn Linda Hirshman recht hätte - auf einer abstrakten, theoretischen Ebene - und selbst wenn da wirklich dieses feministisches Zentralkomitee wäre, das Fatwas verkünden kann: DAS wäre nun wirklich politischer Suizid, gäbe es ein besseres Rezept für politischen Selbstmord? Schließlich fühlen sich Amerikas Frauen schon jetzt attackiert durch die Karikatur-Feministin in ihrem Kopf!
'Salon' druckte einige gesammelte Nachrufe auf Betty Friedan, darunter den von Linda Hirshman. Sie behauptet, Friedan sei ihre Muse. Was mir an Friedans 'Weiblichkeitswahn' immer gefallen hat, ist, dass ihr Werk nicht zur Allzweckwaffen taugt. In ihrem späteren politischen Kampf ging Friedan hart und dogmatisch zur Sache. Sie bezeichnete junge Feministinnen als "Männerhasserinnen", Lesben als "die Lavendelgefahr". Ihr Buch 'The Second Stage' (deutsch: 'Der zweite Schritt') krankt an obsessiver Feindseligkeit gegenüber einer Bewegung, die sie doch selbst mit aus der Taufe hob. Ihr Erstlingswerk war von einer anderen Sprache geprägt: Es gibt wohl wenige Autorinnen oder Autoren, die es schaffen, ihre LeserInnen so zu packen - auf diese empathische und intime Weise. In ihrem Buch 'Der Weiblichkeitswahn' sagt Betty Friedan nicht: Wenn ihr glaubt, ihr solltet unbedingt daheim bei euren Kindern bleiben, dann beweist ihr damit nur, was für Versagerinnen ihr seid. Oder: Verräterin - indem du deinem Mann weiter die Hemden wäschst, verschaffst du der Unterdrückung der Frau eine Verlängerung. Vielmehr argumentierte sie: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen das Leben mehr zu bieten haben sollte, dann haben Sie recht. Nicht Sie sind das Problem, sondern die Gesellschaft.
'The Feminine Mystique' ist kein Buch, das mein Leben verändert hat. Ich war 13, als es erschien. Aber schon damals sah ich mich nicht als die künftige Amerikanische Hausfrau. Mein Lieblingsbuch war Kate Milletts 'Sexual Politics', in dem es um Literatur ging. Nichtsdestotrotz: Jedes Mal, wenn ich wieder in Friedans Manifest blättere, bin ich hin und weg von dieser Direktheit, diesem moralischen Ernst, dieser Pointiertheit und dem an Emerson** gemahnenden Ruf: Frauen, nutzt eure besten Energien und bleibt euch treu! Das ist das exakte Gegenteil eines Cartoon-Feminismus bzw. des Bildes von Feminismus, das die Medien bis heute entwerfen: Feministinnen als kinderhassende Femi-Nazis in Geschäftsanzügen. Für dieses Bild steht übrigens auch der Feminismus einer Linda Hirshman nicht. Betty Friedan hatte weder etwas gegen Liebe noch gegen Mutterschaft (nach dem Geschmack der Frauenrechtlerinnen hing sie zu sehr an konventionellen häuslichen Arrangements). Von der Anrichte zurück an den Schreibtisch - in einem Ruck - darauf hätte sie nie bestanden. Sie vertrat auch nicht - so wie Hirshman - die Ansicht, es sei lächerlich, Englisch oder Kunstgeschichte als Hauptfach zu wählen, eine Fahrkarte ins Nichts. Und noch etwas wäre Betty Friedan nicht in den Sinn gekommen: Frauen zu raten, ihre dumme Vorliebe für sinnvolle Sozialberufe aufzugeben und sich stattdessen lieber auf das saftige Gehalt eines Konzernjobs zu stürzen. Ihre wichtigste Erfahrung mit Vollzeitzeitarbeit war als Herausgeberin der linken Gewerkschaftszeitung 'United Electrical Workers'. Ich glaube nicht, dass Betty Friedan Linda Hirshman zugestimmt hätte, dass Häuslichkeit immer "uninteressant" sein muss - selbst, wenn es ihr vielleicht in den Sinn gekommen wäre. Vielmehr hätte Friedan gesagt, es reicht einfach nicht, um ein ganzes Leben auszufüllen. Wir sind nicht nur auf der Welt, um zu putzen, zu kochen und den Einkauf zu erledigen.
Die Vision von Betty Friedans 'The Feminine Mystique' ist größer, geht tiefer. Friedan vertrat die Ansicht, dass wir Menschen - egal ob Männer oder Frauen - eine Pflicht sich selbst (und ihren Talenten und ihrem Geist) gegenüber haben. Lebenserfüllung - das sei nicht über den Umweg Kinder, Ehepartner zu erreichen. Als Gleichwertige könne eine Frau nicht glücklich sein im Leben, solange sie eine untergeordnete Stellung hat. Eine Erwachsene könne nicht aufblühen in einer Kultur, die sie infantilisiere. Rousseau hätte Friedan applaudiert - das heißt, wäre er nicht so ein geisteskranker Frauenhasser gewesen.
Anmerkung d. Übersetzerin
*Deutscher Titel: 'Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frauen' von Simone de Beauvoir (1949)
** Nach dem amerikanischen Essayisten, Lyriker und Volksphilosophen Ralph Waldo Emerson (1803-1882)
Wenn Sie noch Zweifel haben, wie mausetot die 50ger Jahre sind, versuchen Sie doch einmal, jungen Frauen etwas über Friedans Buch 'The Feminine Mystique' beizubringen. Ich selbst habe das vor sechs Jahren versucht. Genauso gut könnten Sie probieren, ihnen Jane Austen nahe zu bringen. Hilfsgeistliche, Familiengüter und Seebäder sind das eine, Frauen, die sich ausgehfein machen, nur, um auf den Markt zu gehen und Frauenmagazine, die besessen sind von Themen wie 'das fragile männliche Ego' oder 'Sollten Mädchen das College verlassen, um zu heiraten?' (Letztere wurden nachsichtig bewertet, schließlich brauchen Frauen ihre Ausbildung ja später nicht) das andere. In unserer großen amerikanischen Gedächtnislücke pflegt grundsätzlich alles in einer Art gotischem Nebel zu verschwinden, was vor letzten Dienstag passiert ist - so auch das System der Gesetzgebung, Kulturrezeption und gesellschaftlichen Praxis jener Zeit - das beschreibt Friedan in ihrem Buch.
Meine Studentinnen waren ziemlich wütend auf die Vorstadthausfrauen in Friedans Werk - mit ihren subdepressiven Verstimmungen, ihrer schwärenden Unzufriedenheit - auf Frauen, die ein "Problem hatten, das keinen Namen hat". Wenn diese Frauen tatsächlich ein Problem hatten, warum unternahmen sie nichts dagegen? Keine meiner Studentinnen hätte sich zum Beispiel vorstellen können, einen Tag mit Küchenfußboden bohnern zu verplempern, schon ihre Mütter nicht mehr. Und falls doch, wäre es "ihre Sache" gewesen, das magische Wort heißt: ihre Sache.
Vielleicht haben sie heute ja wirklich die Wahl. Was aber, wenn das, was nach 'Wahl' aussieht, in Wirklichkeit nur eine neue Variante des (Weiblichkeits-)'Wahns' ist: im flotten Stadt-Outfit auf einem Designer-Moped herumkurven. Vielleicht hat sich der 'Wahn' verflüchtigt, aber die strukturellen Hindernisse - früher vernebelt durch eben diesen 'Wahn' -, sind nach wie vor da: Diskriminierung am Arbeitsplatz, das Old-Boys-Netzwerk, die Arbeitskultur des Workaholismus, fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Ein Problem beim Namen zu nennen, bedeutet noch lange nicht, es zu lösen. 1970 half Betty Friedan, den 'Women's Strike for Equality' zu organisieren. Die Frauen forderten Kinderbetreuungszentren, die rund um die Uhr geöffnet haben, sie forderten Abtreibung 'on demand' und Chancengleichheit bei Ausbildung und am Arbeitsplatz. Die Forderungen sind mittlerweile 36 Jahre alt, keine davon wurde erfüllt.
In ihrer geistreichen, viel diskutierten Polemik - erschienen in der Dezemberausgabe von 'American Prospect' - behauptet die pensionierte Rechtsprofessorin Linda Hirshman, es sei durchaus nicht nur ein Mythos der Medien, dass junge Frauen heute massenhaft an den Herd zurückkehren. Das stimme. Und es sei der Fehler der Feministinnen, weil sie anstatt von Gerechtigkeit von "die Wahl haben" redeten. Nach dem Motto: Triff deine Entscheidung, und wie immer du entscheidest, ist schon okay, sofern du es wirklich willst! Für Hirshman zählt allein der Job: Selbst Mütter, die nur ein paar Jahre zu Hause bleiben oder Teilzeit arbeiten, sind für sie Luschen. Arbeit - darunter versteht Hirshman eine gutbezahlte Jobkarriere, mit eigenem Büro in Aussicht. An Jobs zu Hungerlöhnen denkt sie nicht oder an idealistische Gutmenschen-Jobs für Frauen bzw. an Beamtinnen, die sich das Herz aus dem Leib malochen. Hirshman will, dass der Feminismus klaren Standpunkt bezieht: Mütter als Nurhausfrauen vergeuden ihrer Meinung nach nur ihr Talent und beugen das Haupt vor der häuslichen Unterordnung. Sie leisteten der Ungleichheit öffentlich Vorschub. Aber selbst wenn Linda Hirshman recht hätte - auf einer abstrakten, theoretischen Ebene - und selbst wenn da wirklich dieses feministisches Zentralkomitee wäre, das Fatwas verkünden kann: DAS wäre nun wirklich politischer Suizid, gäbe es ein besseres Rezept für politischen Selbstmord? Schließlich fühlen sich Amerikas Frauen schon jetzt attackiert durch die Karikatur-Feministin in ihrem Kopf!
'Salon' druckte einige gesammelte Nachrufe auf Betty Friedan, darunter den von Linda Hirshman. Sie behauptet, Friedan sei ihre Muse. Was mir an Friedans 'Weiblichkeitswahn' immer gefallen hat, ist, dass ihr Werk nicht zur Allzweckwaffen taugt. In ihrem späteren politischen Kampf ging Friedan hart und dogmatisch zur Sache. Sie bezeichnete junge Feministinnen als "Männerhasserinnen", Lesben als "die Lavendelgefahr". Ihr Buch 'The Second Stage' (deutsch: 'Der zweite Schritt') krankt an obsessiver Feindseligkeit gegenüber einer Bewegung, die sie doch selbst mit aus der Taufe hob. Ihr Erstlingswerk war von einer anderen Sprache geprägt: Es gibt wohl wenige Autorinnen oder Autoren, die es schaffen, ihre LeserInnen so zu packen - auf diese empathische und intime Weise. In ihrem Buch 'Der Weiblichkeitswahn' sagt Betty Friedan nicht: Wenn ihr glaubt, ihr solltet unbedingt daheim bei euren Kindern bleiben, dann beweist ihr damit nur, was für Versagerinnen ihr seid. Oder: Verräterin - indem du deinem Mann weiter die Hemden wäschst, verschaffst du der Unterdrückung der Frau eine Verlängerung. Vielmehr argumentierte sie: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen das Leben mehr zu bieten haben sollte, dann haben Sie recht. Nicht Sie sind das Problem, sondern die Gesellschaft.
'The Feminine Mystique' ist kein Buch, das mein Leben verändert hat. Ich war 13, als es erschien. Aber schon damals sah ich mich nicht als die künftige Amerikanische Hausfrau. Mein Lieblingsbuch war Kate Milletts 'Sexual Politics', in dem es um Literatur ging. Nichtsdestotrotz: Jedes Mal, wenn ich wieder in Friedans Manifest blättere, bin ich hin und weg von dieser Direktheit, diesem moralischen Ernst, dieser Pointiertheit und dem an Emerson** gemahnenden Ruf: Frauen, nutzt eure besten Energien und bleibt euch treu! Das ist das exakte Gegenteil eines Cartoon-Feminismus bzw. des Bildes von Feminismus, das die Medien bis heute entwerfen: Feministinnen als kinderhassende Femi-Nazis in Geschäftsanzügen. Für dieses Bild steht übrigens auch der Feminismus einer Linda Hirshman nicht. Betty Friedan hatte weder etwas gegen Liebe noch gegen Mutterschaft (nach dem Geschmack der Frauenrechtlerinnen hing sie zu sehr an konventionellen häuslichen Arrangements). Von der Anrichte zurück an den Schreibtisch - in einem Ruck - darauf hätte sie nie bestanden. Sie vertrat auch nicht - so wie Hirshman - die Ansicht, es sei lächerlich, Englisch oder Kunstgeschichte als Hauptfach zu wählen, eine Fahrkarte ins Nichts. Und noch etwas wäre Betty Friedan nicht in den Sinn gekommen: Frauen zu raten, ihre dumme Vorliebe für sinnvolle Sozialberufe aufzugeben und sich stattdessen lieber auf das saftige Gehalt eines Konzernjobs zu stürzen. Ihre wichtigste Erfahrung mit Vollzeitzeitarbeit war als Herausgeberin der linken Gewerkschaftszeitung 'United Electrical Workers'. Ich glaube nicht, dass Betty Friedan Linda Hirshman zugestimmt hätte, dass Häuslichkeit immer "uninteressant" sein muss - selbst, wenn es ihr vielleicht in den Sinn gekommen wäre. Vielmehr hätte Friedan gesagt, es reicht einfach nicht, um ein ganzes Leben auszufüllen. Wir sind nicht nur auf der Welt, um zu putzen, zu kochen und den Einkauf zu erledigen.
Die Vision von Betty Friedans 'The Feminine Mystique' ist größer, geht tiefer. Friedan vertrat die Ansicht, dass wir Menschen - egal ob Männer oder Frauen - eine Pflicht sich selbst (und ihren Talenten und ihrem Geist) gegenüber haben. Lebenserfüllung - das sei nicht über den Umweg Kinder, Ehepartner zu erreichen. Als Gleichwertige könne eine Frau nicht glücklich sein im Leben, solange sie eine untergeordnete Stellung hat. Eine Erwachsene könne nicht aufblühen in einer Kultur, die sie infantilisiere. Rousseau hätte Friedan applaudiert - das heißt, wäre er nicht so ein geisteskranker Frauenhasser gewesen.
Anmerkung d. Übersetzerin
*Deutscher Titel: 'Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frauen' von Simone de Beauvoir (1949)
** Nach dem amerikanischen Essayisten, Lyriker und Volksphilosophen Ralph Waldo Emerson (1803-1882)
Orginalartikel:
Betty Friedan, 1921-2006
Übersetzt von:
Andrea Noll
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