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Attentat auf Hisbollah-Führer Mugniyah in Syrien

Hisbollah und die bekannte Unbekannte

von Ramzy Baroud

25.02.2008 — ZNet

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Wir wissen, wer den Top-Kommandeur der Hisbollah, Imad Mugniyah, am 12. Februar in Damaskus getötet hat.

In den amerikanischen Medien werden nur Journalisten wie Seymour Hersh den Nerv haben, auf das Offensichtliche hinzuweisen. Die israelischen Medien jedoch scheuen sich nicht, zu belegen, dass der israelische Geheimdienst in dieses gut kalkulierte Attentat verwickelt ist.

In der großen israelischen Zeitung Maariv wurde eine Ansicht vertreten, die viele israelische Zeitungen teilen. Maariv schlussfolgert: "Offiziell leugnete Israel gestern, für die Tötung verantwortlich zu sein. Experten sagen jedoch, die brillante Ausführung des Angriffs sei charakteristisch für den Mossad".

Die Financial Times spricht von einer "triumphalen Stimmung" in der israelischen Presse. Diese preise "die Vernichtung eines der gefürchtetsten Gegners des Landes". Die Times zitiert eine israelische Zeitung mit den Worten: "Die Rechnung ist beglichen".

Die Financial Times zitiert zudem die äußerst erhellende Analyse eines israelischen Kommentators. "Das Attentat auf Mugniyah war vielleicht der härteste Schlag gegen die Hisbollah bislang", schreibt er, "nicht nur wegen seiner (Mugniyahs) operationalen Fähigkeiten, seiner engen Beziehungen zu Iranern und einer Reihe von erfolgreichen Terroranschlägen, die er durchgeführt hat, sondern auch, weil er ein Symbol, eine Legende, ein Mythos war".

Donald Rumsfeld ist aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt, doch seine schlauen Sprüche leben weiter. "Wir wissen, es gibt Dinge, die sind bekannt und doch unbekannt" ("we.. know there are known unknowns"), sagte er einmal zu einem perplexen Reporter. Eine solche 'bekannte unbekannte' Sache ist, dass der israelische Mossad Imad Mugniyah getötet hat. Der Mossad tötete ihn aus speziellen politischen Gründen, er tötete ihn zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, die aus Sicht der israelischen Regierung einfach perfekt waren.

Sehen wir uns zunächst das Timing an.

In einem Jahr geht die zweite Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Bush zu Ende. Bush ist ein Präsident, der die Politik Israels bedingungslos genehmigt hat. Ein Jahr ist zu kurz, um sich langfristige Ziele zu setzen, doch die Zeit wird reichen, um Chaos auszulösen.

"Wenn ihr Chaos wollt, werden wir das Chaos begrüßen. Wenn ihr Krieg wollt, werden wir den Krieg begrüßen. Waffen oder Raketen, um sie auf euch zu schießen, sind für uns kein Problem." Das sagte der libanesische Ministerpräsident Walid Dschumblatt von der regierenden Koalition (March 14 Coalition) wenige Tage vor dem dritten Jahrestag der Ermordung von Rafiq Hariri. Adressat seiner Worte war die Opposition unter Führung der Hisbollah. Angesichts der militärischen Stärke der Hisbollah im Libanon ist unschwer zu erkennen, woher die Raketen stammen werden, von denen Ministerpräsident Dschumblatt spricht.

Die offenen Feindseligkeiten und die innere Zerrissenheit des Libanon - dazu die politische Sackgasse in der Frage der künftigen Organisierung von Regierung und Parlament - all dies deutet darauf hin, dass der Libanon ins Chaos abgleitet. Israel und die Bush-Administration werden es gerne hören. Ein libanesischer Bürgerkrieg könnte ermöglichen, was mit dem gescheiterten, illegalen Krieg 2006 nicht erreicht werden konnte.

Der Libanonkrieg dauerte 34 Tage. Die Hisbollah feierte ihn als Sieg. Der Krieg war ein massiver Rückschlag für die israelischen Zielsetzungen in der Region. Israel wollte, dass die Hisbollah im Libanon keine politische Rolle mehr spielt. Doch der Krieg ging nach hinten los, erreicht wurde genau das Gegenteil: ein Triumph der Hisbollah. Es ist noch nicht lange her, dass selbst der eigene Ermittlungsbericht der Israelis zum Libanonkrieg die israelische Niederlage - wenn auch indirekt - eingestand.

Der Bericht der sogenannten 'Winograd-Kommission' gab der Armee die Schuld und entlastete Premierminister Ehud Olmert. Er beschreibt das Scheitern des Krieges als "ernsthafte, verpasste Chance".
Der Krieg an sich wird im Bericht keineswegs verurteilt, vielmehr wird dessen schlechte Ausführung und mangelnde Effektivität beklagt.

Wie kann Olmert die Fehler des Krieges korrigieren, ohne einen neuen Krieg zu führen?

Im Libanon bekriegen sich zur Zeit die Hisbollah und ihre Rivalen. Könnte es einen besseren Zeitpunkt für einen Krieg geben?

Die Ermordung einer so hochrangigen Persönlichkeit wie Mugniyah bot nicht nur Gelegenheit, eine klassische Operation des Mossad vorzuführen, das Attentat ist als maßgebliches Element in einem größeren Schema zu sehen - dessen Ergebnis ein Krieg mit dem Libanon und Syrien sein könnte (in der Hoffnung, auch Iran mit hineinzuziehen).

Israel verbarg seine Enttäuschung nicht, als vor kurzem ein Einschätzungsbericht der US-Geheimdienste (NIE-Report) zu dem Schluss kam, der Iran unternehme nichts mehr zur Produktion von Nuklearwaffen. Der Bericht bedeutete nichts anderes, als dass die USA den Iran derzeit nicht angreifen werden. "Keine Beweise" heißt für Israel jedoch noch lange nicht, dass "es einen Nachweis der Nichtexistenz von Beweisen gibt" ("absence of evidence is not the evidence of absence", so ein weiteres Rumsfeld-Zitat). Israel befürchtet, der Iran könnte die Region kontrollieren, falls man ihn nicht in die Schranken weist. Israel bekam von Bush grünes Licht und ist bereit für eine Eskalation.

Israels Offizielle und deren Pundits (Freunde in der US-Regierung und in den Medien) bereiten die Grundlage für eine Konfrontation mit dem Iran vor. Auf seiner kürzlichen Deutschlandreise sagte Ehud Olmert nach Gesprächen mit Kanzlerin Merkel in Berlin, er sei sich "sicher", dass der Iran Atomwaffen entwickle. "Die Iraner treiben ihre Pläne, eine Kapazität von nichtkonventionellen Waffen zu entwickeln, voran", so Olmert gegenüber Reportern.

Israel ist andererseits weder in der Lage noch gewillt, einen konventionellen Krieg mit dem Iran zu führen.

Das Erfolgsschema sähe für Israel folgendermaßen aus: Der innere Konflikt im Libanon muss eskalieren. Es darf zu keiner internen Einigung kommen. Diese Aufgabe fällt den "mysteriösen" Autobomben zu, die ja ausschließlich Syrien und dessen libanesischen Verbündeten angelastet werden.

Die israelischen Kommentatoren haben das große Spiel ihrer Regierung vielleicht etwas aus den Augen verloren, als sie das Attentat auf Mugniyah priesen - aber sie haben nicht viel darüber veröffentlicht. Die Antwort der Hisbollah erfolgte durch Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah. Es leistete den Schwur eines "offenen" Krieges. Die Hisbollah wird Grenzzusammenstöße höchstwahrscheinlich vermeiden. Sie wird den Krieg gegen Israel in die internationale Arena verlegen - wie dies Israel getan hat. Die Hisbollah wird offiziell Stillschweigen bewahren über das Sponsering irgendwelcher Aktionen, die sie durchführt, aber sie wird vielleicht damit angeben - wie Israel.

Es ist nun vorhersehbarer, in welche Richtung die Ereignisse sich entwickeln werden. Ob diese Zug-um-Zug-Strategie sich für Israel rentieren wird, wird sich noch erweisen, es ist die "bekannte unbekannte" Größe - vielleicht hatte Rumsfeld doch recht.

Ramzy Baroud (www.ramzybaroud.net) ist Autor und Herausgeber von PalestineChronicle.com Seine Artikel erscheinen in vielen Zeitungen und Journalen weltweit. Sein neues Buch heißt: 'The Second Palestinian Intifada: A Chronicle of a People's Struggle' (Pluto Press, London).

Übersetzt von: Andrea Noll
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