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Aufstand in Honduras

Widerstandsfront: "Wir werden nicht ruhen bis zum Sieg"

von Federico Fuentes

30.09.2009 — Green Left Weekly / ZNet

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"Die ganze Welt weiß, dass wir hier in Honduras ein Putschregime haben", sagt Armando Licona, einer der Führer der 'Front der Revolutionären Universitätsstudenten'. Er ist Green Left Weekly aus der Hauptstadt Tegucilgalpa per Telefon zugeschaltet. Seine Studentenorganisation ist Teil der Nationalen Widerstandsfront (FNRG) gegen den Putsch.

Heute (25. September) griff das Militär die Brasilianische Botschaft in der honduranischen Haptstadt mit chemischen Waffen an. Präsident Manuel Zelaya hält sich dort verschanzt, seit er am 21. September heimlich nach Honduras zurückgekehrt ist.

Die Armen des Landes führen eine Kampagne des permanenten Widerstandes gegen das Putschregime. Sie verlangen die Wiedereinsetzung Zelayas. Und sie fordern eine verfassungsgebende Versammlung, die eine neue Verfassung, von der das Volk profitiert, erarbeiten soll. Honduras ist eines der ärmsten Länder der Hemisphäre.

Seit Zelayas Rückkehr hat die Repression durch die Diktatur aber auch der Widerstand des Volkes deutlich zugenommen. Eine unbekannte Zahl friedlicher Demonstranten wurde getötet, Personen sind verschwunden. Täglich treibt das Regime Demonstranten zusammen. Doch die Straßenproteste gehen weiter.

Licona sagt: "Unsere Würde erlaubt es uns nicht aufzugeben" - trotz Repression. "Wir sind ein Volk, das kämpft, um sicherzustellen, dass die großen Veränderungen, die wir eingeleitet haben, Früchte tragen können. Wir werden nicht ruhen, bis Präsident Zelaya wieder an der Macht ist und die nationale verfassungsgebende Versammlung einberufen wurde. Sie soll die großen Veränderungen, von denen wir träumen, Wirklichkeit werden lassen und ein Land (schaffen), dessen Grundlage soziale Gerechtigkeit ist und das nicht in den Händen von 8 oder 10 Familien ist, die tun können, was sie wollen, ohne bestraft zu werden".

Chemische Kriegsführung

Licona: "Heute ist der 91. Tag des Widerstandes. Wir haben in Tegucigalpa einen großen Marsch abgehalten. Doch das schwerwiegendste Ereignis war der Angriff auf Zelaya (in der Brasilianischen Botschaft)... sie setzen chemische Waffen (gegen die Botschaft) ein, sodass viele in der Botschaft Blut spuckten."

Dirian Pereira, von der internationalen Kommission der FNRG, sagt gegenüber Green Left Weekly, Zelaya habe den Angriff mit chemischen Waffen verurteilt. Dennoch seien weder das Internationale Rote Kreuz, noch das Menschenrechtskomitee von Honduras noch Zelayas Ärzte in das Gebäude hineingelassen worden. Das Militär verweigerte den Zutritt. Die Soldaten "hatten Befehl, niemanden passieren zu lassen". "Dies ist chemische Kriegsführung... es scheint klar, dass die Order lautet, Zelaya rausholen - entweder tot oder lebendig, aber möglichst tot".

Mittlerweile hat das Regime in weiten Teilen Honduras erneut eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Widerstandsaktivisten gehen davon aus, dass diese mit brutaler Repression durchgesetzt wird, dass sie aber auch auf trotzigen Widerstand stoßen wird.

Licona: "Das Putschregime will ein Blutbad. Doch der Widerstand hält fest an seiner Strategie der friedlichen Mobilisierung - selbst angesichts von Versuchen, unsere Märsche (mit Provokateuren) zu infiltrieren, die Akte des Vandalismus ausführen und Gewehre bei sich tragen. (Das Regime) ist aufgerüstet. Das macht es so hart. Was wir erleben, ist ein Widerstand und ein stolzes Volk, das mit (bloßen) Händen gegen Kugeln, Schlagstöcke und Tränengas kämpft".

Der Trick mit dem "Dialog"

Der Angriff auf die Brasilianische Botschaft ereignete sich weniger als 24 Stunden nach der Ankündigung des Putschregimes, es sei bereit, mit Zelaya in einen Dialog zu treten. Zelaya hatte stets Gesprächsbereitschaft betont.

Wie Licona der GLW mitteilte, war der angebliche Dialogversuch "ein Vorschlag des Putschkonspirateurs Micheletti (der durch den Putsch zum "Präsidenten" wurde). Was sie wollen, ist ein Vorwand, um behaupten zu können, dass alle Möglichkeiten für einen Dialog  ausgeschöpft worden seien".

Pereira stimmt zu: "Wir glauben, dass die Ankunft der vier Musketiere der Rechten - der vier Präsidentschaftskandidaten der rechten Parteien -, die mit Mel (populäre Bezeichnung für Manuel Zelaya) in der Botschaft sprachen, den Zweck hatte, ein Foto mit ihm zu machen und dieses sogleich in Medienumlauf zu bringen, nach dem Motto: "Seht her, diese Leute umarmen sich". Vor der Zusammenkunft hatten sich die (Vier) mit Micheletti getroffen. Sie trafen sich mit Mel, sprachen mit ihm und sagten, er solle sich stellen. Er sagte ihnen schlicht, der einziger Weg nach draußen sei seine Wiedereinsetzung (als Präsident)".

"Wir glauben, sie haben diese Show inszeniert, um jede mögliche Intervention (von UNO-)Blauhelmen zu stoppen - denn der UN-Sicherheitsrat war zusammengetreten. Sie wollten alle möglichen Verhandlungen in diese Richtung stoppen. Ich denke, bis zu einem gewissen Punkt ist ihnen das auch gelungen, denn in der Resolution des UN-Sicherheitsrates wird ihr Verhalten gegenüber der (Brasilianischen) Botschaft lediglich verurteilt".

Pereira erklärt die Haltung der FNRG: "Wir haben vier gut definierte Positionen: Erstens, die Wiedereinsetzung von Präsident Mel Zelaya. Zweitens, die Wiedereinsetzung der verfassungsmäßigen Ordnung. Drittens, der Rückzug des Militärs in ihre Kasernen. Viertens, die Einführung einer Verfassungsgebenden Versammlung. Wir werden diese Ziele nicht aufgeben".

Pereira sagt, der Widerstand und die Straßenproteste würden auch am 26. September weitergehen. "Es wird eine Demonstration geben, die um 8 Uhr beginnt. Wir werden erneut versuchen, möglichst viele Leute zusammenzubringen. Am Nachmittag wird es eine Fahrzeugkolonne durch die Barrios und Colonias (Armenviertel) geben".

Anmerkung d. Übersetzerin

*Im englischen Text findet sich ein Video (circa 2 Minuten), das das Vorgehen der Polizei im Barrio Hato de Enmedio in Tegucigalpa am 22. September zeigt (Einsatz von (peruanischen) Tränengasbomben in bewohntem Gebiet) sowie die Gegenwehr der Demonstranten.

Übersetzt von: Andrea Noll
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