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Blut an ihren Händen: die Dämonisierung der Palästinenser

von Shmuel Amir

28.03.2009 — hagada.org.il

— abgelegt unter:

‘Blut an ihren Händen’ ist wahrscheinlich einer der erfolgreichsten Slogans, den Israels Propagandamaschine erfunden hat. Er macht einen starken und unmittelbaren Eindruck, visuell und emotional. Man vermutet einen brutalen Mörder, der für den Rest seines Lebens ins Gefängnis gehört.

Er schließt eine weitere gründlichere Untersuchung aus. Es ist nicht nötig, zu fragen, warum er solch eine barbarische Tat begangen hat oder ob sein Opfer ihm gegenüber etwas falsch gemacht hat. Es schließt auch jede Notwendigkeit von Verhandlungen mit ihm oder mit denen, in deren Namen er handelte aus (in diesem Fall die Hamas oder andere palästinensische Gruppen). Es ist offensichtlich, dass sie einfach kamen, um uns zu töten, weil wir Juden sind, und weil es in ihren Genen liegt, Leute umzubringen. Ihnen fehlen vollkommen die menschlichen Werte.

Uns war von Ehud Barak erzählt worden, einem Mann, dessen Hände nie von Blut befleckt waren, die Araber könnten nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden, weil sie nicht aus der jüdisch-christlichen Tradition kämen. Von einem anderen Ministerpräsidenten, von Menachim Begin wurde uns erzählt, die Palästinenser seien zweibeinige Tiere.

Die Folge davon ist, dass in allen Diskussionen der Medien, in denen es um den Gefangenenaustausch geht (so wurden die Verhandlungen über die Rückkehr des gekidnappten Soldaten Gilad Shalit genannt, obwohl die pal. Gefangenen nicht POW (Kriegsgefangene) genannt werden), die Worte ‚Blut an ihren Händen’ fast in jedem Satz wiederholt werden. In solch einer emotional aufgeladenen Atmosphäre ist wenig Platz für Logik. Trotzdem sollte darauf hingewiesen werden, dass es der Mehrheit der Israelis recht gewesen wäre, die 450 Gefangenen zu entlassen, um Shalit nach Hause zu bringen.

Die reine Verurteilung von Leuten als Kriminelle, die für ihre Unabhängigkeit kämpfen, war schon immer ein Teil kolonialer Strategie. POW in Kriminelle mit Blut an ihren Händen zu verwandeln, sagt uns mehr über den kolonialen Charakter Israels als über die inhaftieren Gefangenen.

Koloniale Völker, die für ihre Unabhängigkeit kämpfen, sind immer angeklagt worden, grausam und mörderisch zu sein und so als „Terroristen“ gebrandmarkt worden. Ihre kolonialen Herrscher können sie nicht als Soldaten anerkennen, denn wenn diese Leute Soldaten wären, die für ihre Freiheit kämpfen, was wären dann sie selbst. Wenn sie aber als Terroristen abgestempelt werden (und Terroristen haben keine Rechte), dann haben ‚zivilisierte europäische“ Soldaten die Erlaubnis, sie wie Tiere zu behandeln.

(Hier wird ein langes Beispiel über die „blutdürstigen Mau Mau“ in Kenia und ihren Aufstand gegen die weißen Siedler gebracht. Der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich wie in der isr. und internat. Presse die Brutalität der Kikuyu im Details beschrieben wurde . Aber keiner erwähnte die brutale Unterdrückung der Eingeborenen durch ihre britischen Herren …)

Auch Nelson Mandela war viele Jahre in Südafrika als Terrorist im Gefängnis -- er wurde erst viel später als ‚Freiheitskämpfer’ anerkannt

Wir in Israel müssen nun auf die Entlassung aus dem Gefängnis von Marwan Barghouti warten, den beliebtesten palästinensischen Führer von heute. Er wäre wohl die beste Wahl für einen zukünftigen Präsidenten eines freien Palästinas (Er ist zu drei mal lebenslang verurteilt).

Die blutdurstigen Sklaven in Virginia

Im August 1831, als die Sklaverei in den USA noch die Norm waren, führte der Sklave Nat Turner mit 70 Gleichgesinnten einen Sklavenaufstand in Virginia. Es begann mit dem Morden an den Weißen in der Stadt Southhampton und die Opfer waren nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder.

Die Rebellion misslang. Tausende Soldaten besiegten die kleine Rebellenarmee und Turner wurde gefangen genommen und gehenkt. Nach diesem führte die Armee ein Massaker durch und tötete jeden Sklaven, der nur unter dem Verdacht stand, die Rebellion unterstützt zu haben.

Im selben Jahr erschien die erste Nummer einer Zeitschrift ‚Der Befreier’, die sich dafür einsetzte, dass bestimmte Gesetze abgeschafft wurden. ‚Der Befreier“ wurde von William Lloyd Garrison veröffentlich. Er schrieb:

Über dieses Thema will ich nicht mit Mäßigung nachdenken, sprechen oder schreiben. Nein, Nein! Sage einem Mann, dessen Haus brennt, und gib ihm einen gemäßigten Alarm; sag ihm, er solle seine Frau mit Mäßigung aus den Händen von Schändern retten; sage einer Mutter, deren Kind ins Feuer gefallen ist, sie solle es nach und nach herausziehen. Dränge mich nicht zu Mäßigung in einem Fall wie dem gegenwärtigen, Mäßigung anzuwenden. Es ist mir sehr ernst damit – ich will nicht - ich will nicht ausweichen – ich will nicht entschuldigen – ich werde keinen Zoll zurückweichen – und ich werde gehört werden.

Der Haupttäter von ‚Blut an den Händen’ ist immer der Kolonialherr selbst. Es gibt viele Unterschiede unter den verschiedenen kolonialistischen-anti-kolonialistischen Kämpfen, aber allen gemeinsam ist die Dämonisierung des Opfers, des Volkes, das versucht, die Ketten zu brechen, die es fesselt. Sie werden immer als Mörder beschrieben, ihre Hände triefen von Blut. Sie werden immer als wilde Monster beschrieben, als Tiere, als Kreaturen, deren Schöpfung Gott später bedauert hat (der frühere Oberrabbiner Ovadia Yoseph). Außerdem sind sie – wie allseits bekannt – vollkommen irrational.

Kolonialisten auf der andern Seite sind nach ihrer eigenen Wertschätzung vernünftig und rücksichtsvoll, die zugunsten der einheimischen Bevölkerung arbeiten. Ihre Ziele sind edel und ihre Herrschaft hat den zurück gebliebenen Völkern der Welt nur Fortschritt und Zivilisation gebracht.

Während unseres Überfall auf den Gazastreifen vor kurzem war es für alle ersichtlich, dass kein einziger Tropfen Blut an unsern Händen klebt. Das Blut von 1330 (1436) Palästinensern, Männern, Frauen und Kindern konnte jedoch an den Flügeln der Bomber, an den Turmgeschützen unserer Panzer und an den Kanonenrohren festgestellt werden.

Übersetzt von: Ellen Rohlfs
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