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Botschaft an Obama: Frauenfeindliches Gesetz ist das Ergebnis der US-Politik in Afghanistan

von Derrick O'Keefe und Malalai Dschoja

22.04.2009 — Rabble

— abgelegt unter:

Die Nachricht von einem neuen Gesetz, das auf die Unterdrückung von schiitischen Frauen in Afghanistan abzielt, hat internationale Aufmerksamkeit erregt und zu Protesten von afghanischen Frauen geführt.

Es scheint, die Medien und andere Leute haben gemerkt, dass die jahrelange Besatzung nicht zur Befreiung der afghanischen Frauen geführt hat. Als Malalai Joya 2003 während der verfassungsgebenden Versammlung der Nach-Taliban-Zeit, der Loya Jirga, öffentlich kritisierte, dass Kriegsherren und Fundamentalisten Machtpositionen inne hätten, machte sie damit weltweit Schlagzeilen. Zu dem Zeitpunkt war sie erst 25 Jahre alt. Seitdem hat sie mehrere Mordversuche überlebt, wurde ins Parlament gewählt – und dann wieder rausgeworfen – und tritt weiterhin für Frauenrechte und Selbstbestimmung für ihr Land ein.

Joya spricht hier über das jüngste frauenfeindliche Gesetz und den Protest, den es hervorgerufen hat.

Derrick O´Keefe: Was ist ihre Meinung zu den Protesten der letzten Woche in Kabul und zu den Angriffen gegen diese?

Malalai Joya: Trotz der Drohungen der fundamentalistischen Banden, die immer noch bewaffnet und an der Macht sind, ist es natürlich großartig und ermutigend, dass einige Frauen auf die Straße gehen und gegen solche Gesetze protestieren. Das zeigt, dass es afghanische Frauen nicht zulassen werden, dass mittelalterliche Gesetze gegen sie angewendet werden, und dass sie die Kraft haben, sich für ihre Rechte einzusetzen.

In den vergangenen Jahren haben sich die unglücklichen Frauen unseres Landes ihrem Leid durch hunderte von Selbstverbrennungen widersetzt. Ich hoffe, dass afghanische Frauen das Bewusstsein erreichen, sich nicht selbst zu verbrennen, sondern aufzustehen und für ihre Rechte zu kämpfen.

Was denken Sie über das neue Gesetz und was sagt es uns über die Regierung Karzai?

Dieses Gesetz ist zwangsläufig ein Ergebnis der Herrschaft der Fundamentalisten. Praktisch sind unserem Volk inoffiziell noch viel fürchterlichere Gesetze durch die von den USA unterstützten Kriegsherren und Drogenbarone quer durch Afghanistan aufgezwungen worden – sie haben unser Volk voll unter Kontrolle und können so ein „Gesetz des Dschungels“ durchsetzen.

Das ist bei weitem nicht das erste Mal, dass Karzai mit den Fundamentalisten einen Kompromiss geschlossen und von ihnen vorgeschlagenen Gesetzen zugestimmt hat. Er hat brutale und ignorante Extremisten auf Schlüsselpositionen gesetzt; sie wurden ermutigt und haben nun genug Macht, um Gesetze ihrer eigenen Machart zu verabschieden.

Als die USA und ihre Verbündeten 2001 die Taliban durch die Fundamentalisten der Nordallianz ersetzen, wussten alle in Afghanistan, dass sich diese Terroristenbanden in nichts von den Taliban unterscheiden. Heute können wir das ganz klar sehen, leider. Die Natur der vorgeblichen Demokratie, die Afghanistan von der US-Regierung „gespendet“ und was von den westlichen Mainstreammedien als eine Errungenschaft verkündet wurde, wird nun für die ganze Welt sichtbar.

Die Frauen Afghanistans sind während der acht Jahre Besatzung betrogen worden. Sie haben endgültig genug von der Propaganda der afghanischen Regierung und ihrer internationalen Unterstützer, die in Afghanistan im Namen der Befreiung der Frauen einmarschiert sind.

Dieses Gesetz gegen die schiitischen Frauen ist also keine Ausnahme, sondern entspricht eher der Norm?

In Afghanistan werden Frauen vergewaltigt, zur Ehe gezwungen, verkauft, von der häuslischen Gewalt unterdrückt und im Haus gehalten – die Extremisten sehen Frauen als Menschen zweiter Klasse. Trotz dieser schrecklichen Verbrechen und der Brutalität gegen unsere Frauen herrscht in Afghanistan Straffreiheit und die Verantwortlichen werden nicht juristisch verfolgt. In den seltenen Fällen, wenn jemand wegen Verbrechen gegen Frauen verhaftet wird, machen die mächtigen Kriegsherren ihren Einfluss geltend und die Verhafteten werden wieder frei gelassen.

Eine andere Politikerin, Sitara Achakzai, wurde vor kurzem in Kandahar ermordet. In den Medien wurde darüber gesprochen, dass die Regierung für die Sicherheit der weiblichen Parlamentsmitglieder sorgen muss. Aber ihr Sicherheitsfonds wurde vor langer Zeit gestrichen und es wurde sogar ein Vorwand gefunden, Sie aus dem Parlament zu werfen. Gab es diesbezüglich irgendwelche Fortschritte?

Politikerinnen werden keineswegs von der Regierung geschützt. Was sie in den Medien äußert, ist wie auf ein Stück Eis geschriebene Worte, das man in die pralle Sonne legt! Die afghanische Regierung und ihre amerikanischen Bewacher machen nur schöne Worte über die „Befreiung“ der afghanischen Frauen, tatsächlich werden aber nur ein paar kosmetische Veränderungen angebracht, um alle Welt zu täuschen.

Die Regierung Karzai hat die finanzielle Unterstützung für meine Sicherheit nicht wiederaufgenommen, ich zahle sie immer noch selbst über individuelle Spenden von meinen UnterstützerInnen überall auf der Welt, für die ich sehr dankbar bin.

US-Präsident Obama hat das Gesetz gegen schiitische Frauen stark kritisiert. Was halten Sie davon?

Obama hat das neue Gesetz „abscheulich“ genannt, aber meiner Meinung nach muss man zuerst einmal die Tatsache „abscheulich“ nennen, dass die US-Regierung die fundamentalistischen Kriegsherren unterstützt und dem afghanischen Volk aufgezwungen hat.

Meiner Meinung nach wird die neue Politik Obamas unser Volk und die ganze Region in eine noch gefährlichere Lage bringen als zuvor. Sie zeigt ganz klar, das die US-Regierung nicht an Stabilität und Frieden in der Region interessiert ist, sondern nur an einer ständigen Militärbasis in der Region, als Abschreckung für China, Iran, Russland und andere asiatische Mächte.

Übersetzt von: Eva-Maria Bach
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flora sagt
27.04.2009 11:50

Frau Dschoja bringt es auf den Punkt, und wir alle wissen das.
Trotzdem werden die USA bei diesem Völkerrechtsverbrechen in Afghanistan von uns Deutschen genauso unterstützt wie bei ihren ungeheueren Verbrechen in Nahost!
Schon als die USA in Dashdi Leili, zu Anfang ihres Überfalls auf das Land durch ihre Mörderhorden der Nordallianz (Dostum), ein furchtbares Blutbad unter Kriegsgefangenen anrichteten( ca. 3000 Afghanen wurden damals auf das Grausamste massakriert), nach meiner Meinung ein reiner Racheakt der USA für die 3000 Toten der Twin- Towers an 9.11.,
schon damals war klar, dass hier ein erneutes Völkerrechtsverbrechen seinen Anfang nahm.
Dieses Verbrechen nimmt kein Ende und wird durch Mr. Obama höchstens noch negativ beeinflusst.
Ich kann auch da Frau Dschoja nur voll zustimmen, man muss sich ja nur das Elend im Lande ansehen, das wir verursachen. Folter, Mord und Terror sind an der Tagesordnung seit wir dort brutalstmöglich für "Ordnung" sorgen.
Der Abschaum des afghanischen Volkes sind unsere Verbündeten, wie auch sonst überall auf der Welt arbeiten wir mit den schlimmsten Mördern auch in Afghanistan zusammen und lassen die die "Drecksarbeit" für uns machen.
Afghanistan, ein Land unter der furchtbaren Knute des Westens, das seinen Widerstand gegen die westlichen Mörder nicht aufgibt, das sich nicht unterwerfen wird und seine Souveränität nicht aufgeben wird. Alles was negativ an dieser Gesellschaft ist, wird von uns gefördert, (siehe die neue Gesetzgebung für Frauen)alles was auch nur im Entferntesten als demokratische Bemühungen oder gar Selbstbestimmung angesehen werden könnte, wird von uns erbittert bekämpft (ermordet oder aus dem Parlament geschmissen).Wie gesagt, der Abschaum des Landes unterstützt uns dabei.
Das schlimme Los der Afghanen haben sie einzig uns zu verdanken, wir sind der Ursprung allen Übels, nicht nur in Afghanistan.
Und damit niemand glaubt mit diesem Terror gegen die Afghanen wären wir voll ausgelastet, nehmen wir uns nun auch noch zusätzlich Pakistan vor.
Mr. Obama werden wir noch gründlich kennenlernen, vor allem aber Frau Dschoja und ihre geschundenen Landsleute, bin ich mir fast sicher!
Das Argument, dass wir über Afghanistan herfallen mussten weil wir Osama bin Laden fangen wollten, ist eine Lüge, denn wir haben ihn komischerweise bis heute nicht. Die Taliban-Regierung hatte seine Auslieferung (zwar unter Druck) angeboten, das haben wir wohl vergessen.
Und außerdem, wenn man Länder überfallen darf, sie versklaven darf, um diejenigen einzufangen, die man schwerster Verbrechen beschuldigt, dann müssten die USA und ihre Helfershelfer ja ständig von anderen Ländern besetzt sein und in ständiger Unmündigkeit leben.
Nein, in Afghanistan wüten entfesselte Imperialisten und Neokolonialisten, die sich im Moment noch nicht gegenseitig neutralisieren können.(Wie im Kalten Krieg).
Die Chinesen sind noch nicht ganz soweit und die Russen kommen vieleicht nie wieder dahin.
Aber selbst während des Kalten Krieges hatten solche Länder wie Afghanistan bekanntlich auch nur eine ganz kleine Chance, mithilfe einer "Schaukelpolitik", das Schlimmste zu vermeiden.
Trostlos, mein Gott Afghanistan!
C.Pichlo