Crazy Country
von Adam Keller
10.02.2010 — Gush Shalom
Gräber und Erbe (1) 27-2-10
Wir müssen die Christen in aller Welt darauf aufmerksam machen. Sie kennen die Bibel. Sie wissen, dass unsere Urväter und Urmütter wirklich in der Machpelahöhle in Hebron beerdigt wurden“, sagte Minister Gilad Arden, einer von Ministerpräsident Netanyahus engsten Mitarbeitern in einem Radio-Interview gestern.
Tatsächlich ist diese Geschichte aus Genesis jedem, der die Bibel liest, wohl bekannt. Der Tod von Sarah, der Frau des Patriarchen Abraham, und wie er ein Stück Land kaufte, um sie dort zu beerdigen – während die Einwohner Hebrons in seiner Zeit ihm mit großem Respekt und mit Höflichkeit begegneten ( im Gegensatz zum Verhalten der heutigen Siedler in Hebron, die täglich Abrahams Namen beschwören).
Ist diese Geschichte eine historische Tatsache? Und selbst wenn sie es wäre, liegt dann das Grab, dass Abraham für seine Frau grub, wirklich unter dem Bau, der die Höhle Machpela genannt wird, in der palästinensischen Stadt Hebron? Und ist Abrahams Sohn Isaak wirklich der, der daneben beerdigt wurde – der Vorfahre der Juden nach der jüdischen Tradition. Oder ist es Abrahams Sohn Ismael, der Vorfahre der Araber und Muslime – nach arabischer und muslimischer Tradition? Oder liegen da völlig andere Leute beerdigt – Hunderte oder Tausende von Jahren später?
Vielleicht werden eines Tages Historiker und Archäologen in der Lage sein, darauf eine zuverlässige und maßgebliche Antwort geben. Aber im Grunde ist das völlig unwichtig. Traditionen und Mythen, religiöse oder nationalistische, haben hier ihre eigene Macht und sind nur sehr lose mit den objektiven Fakten verknüpft.
Es besteht kein Zweifel, dass Jahrhunderte lang die Höhle von Machpela in Hebron wie auch Rachels Grab in Bethlehem ein Teil des echten jüdischen Erbes sind, die von einer Generation zur anderen weitergegeben wurde. Es war keine Kabinettssitzung nötig, um eine „Liste von jüdisch-nationalem Stätten als Erbe“ aufzustellen und auch keine Besatzungsarmee, um diese Stätten zu erobern, zu kontrollieren und zu befestigen. Es war vor langer Zeit.
Während der 42 Jahre langen Besatzung wurde die Machpelahöhle zum „Erbe“ der randalierenden Siedler, das Symbol für wilden Nationalismus und nationalen Wahnsinn. Am 25. Februar 1996 – genau vor 16 Jahren - machte Baruch Goldstein die Machpelahöhle zu einem Feld eines Gemetzels. (29 betende Muslime wurden von ihm erschossen) Viele der Siedler in Hebron betrachten Goldstein als Helden, dessen Tat Respekt und Bewunderung verdient – und Nacheiferung.
Während 42 Jahren Besatzung ist die Höhle von Machpela zu einem Ort geworden, den nur noch Siedler und ihre Freunde besuchen wollen. Gewöhnliche Israelis nehmen lieber ein Flugzeug, um innerhalb weniger Stunden an touristischen Orten in Thailand oder Südamerika zu sein.
Gräber und historisches Erbe – Rachels Grab (2)
Die Geschichte von Jakob und Rachel ist eine der ältesten Liebesgeschichten, die der menschlichen Kultur bekannt ist. Die Geschichte, wie sie 14 Jahre haben warten müssen, um ihre Liebe zu leben, und wie Rachel bei der Geburt starb und am Straßenrand beerdigt wurde, ist eine bewegende und traurige Geschichte – ganz gleich, ob sie wirklich so geschah, und ob Rachel tatsächlich unter dem Kuppelbau am Rande Bethlehems beerdigt liegt, der Rachels Grab genannt wird.
Als das Bild von Rachels Grab auf den Briefmarken erschien, die während der Zeit des britischen Mandats erschien, war keiner dagegen und keiner protestierte. Im Gegenteil, die Briten wählten extra dieses , um etwas zu haben, dass für alle Untertanen seiner Majestät in diesem Land akzeptierbar ist, für Juden und Araber. Rachels Grab war Jahrhunderte lang ein Symbol dieses Landes, ein Teil des historischen Erbes aller seiner Bewohner. Es gibt noch Leute, die sich an Zeiten erinnern, in denen jüdische und arabische Frauen gemeinsam zu Rachels Grab pilgerten und dort gemeinsam beteten.
Rachels Grab, dieser schöne und bescheidene Bau, der auf den Briefmarken erschien und auch auf mehreren naiven und romantischen Gemälden, den gibt es nicht mehr. Unter der Herrschaft des Staates Israel wurde er durch eine enorme Festung ersetzt, die Tag und Nacht von einer starken Militärtruppe bewacht wird. Es ist jetzt eine bedrohliche Enklave mitten im palästinensischen Bethlehem.
Es ist diese Örtlichkeit, die mit der Machpelahöhle von der Regierung Israels als nationales historische Erbe proklamiert wurde, das mit beträchtlichen Mittel aus dem Staatshaushalt „wieder aufgebaut“ werden soll. Ministerpräsident Netanyahu kann absolut nicht verstehen, warum seine Entscheidung solch einen großen Sturm des Protestes auslöst: „Wir wollen nur die junge israelische Generation an ihre historischen Wurzeln in diesem Land binden“ sagte er. Die von den Palästinensern als Reaktion auf die Kabinettsentscheidung ausgeführte Kampagne sei eine scheinheilige Lüge. Der Staat Israels setzt sich für die Freiheit von Religionsausübung der Mitglieder aller religiösen Denominationen an allen heiligen Stätten ein.
Der MP hat anscheinend nicht gehört, dass Soldaten Rachels Grab bewachen und keinem Palästinenser den Zutritt genehmigen dürfen. Selbst ein Versuch, sich dem Eintritt zu nähern, der von hohen Mauer und Stacheldraht umgeben ist, würde für einen Bewohner von Bethlehem wirklich lebensgefährlich sein.
Gräber und historisches Erbe (3)
„In Galiläa war Trumpeldor in Tel Hai gefallen,
für unser Land, für unser Volk war Josef der Held gefallen“
„Überall und jederzeit sollt ihr an mich denken
denn ich bin gefallen um meines Landes willen.“
Heißt es in einem Lied.
Die ursprüngliche Absicht Netanyahus und seiner Minister – Tel Hai zu besuchen – war, auf einen Mythos aufmerksam zu machen, der nicht so weit zurückliegt, nur 90 Jahre, um genau zu sein.
In diesem Fall bestehen , was die historischen Fakten betreffen, keine Zweifel. Die Schlacht von Tel Hai zwischen zionistischen Pionieren, die von Josef Trumpeldor angeführt wurden, und den Bewohnern der umliegenden arabischen Dörfern fand tatsächlich statt. Im Vergleich zu den Schlachten und Kriegen, die später folgten, war dies eine ziemlich kleine Angelegenheit , aber es war die erste Schlacht in dem Konflikt, und sie ließ einen eindruckvollen Mythos zurück, der großen Einfluss auf die folgenden Generationen ausübte.
Während der 60er Jahre lernte ich in der Elementarschule in Tel Aviv das Heldenlied von Tel Hai auswendig und ich hörte eine Menge über Trumpeldor und seine berühmten letzten Worte: „Macht nichts, es ist gut für unser Land zu sterben“. Jahre später wurde bekannt, dass seine letzten Worte tatsächlich ein ziemlich scharfer Ausdruck auf Russisch in seiner Muttersprache, war. ( Tatsächlich lag Trumpeldor mehrere Stunden sterbend da und hatte Zeit, beides zu sagen.)
Neue Generationen wuchsen heran. Die jungen Leute aber dachten, statt zu sterben ( und zu töten) ist es doch sinnvoller, für das Vaterland zu leben und um seinetwillen und der Nachbarn willen Frieden zu erreichen. Der Trumpeldor-Mythos wurde zunehmend vergessen. Nethanyahu hat sich anscheinend entschieden, den Mythos aus seinem Glaskasten im Museum zu nehmen, den Staub wegzublasen und ihn mit allem Ruhm der jungen Generation von Israelis neu zu präsentieren.
Kann diese Arbeit, selbst mit einem beträchtlichen Regierungsbudget ihren Zweck erfüllen? Mythen dieser Art sind besonders stark und effektiv in einem unterdrückten Volk, die noch keinen unabhängigen Staat für sich haben, das von Freiheit und von Kampf dafür träumt. Solch ein Mythos ist weniger für die, die seit 60 Jahren einen Staat haben und die meiste Zeit davon Besatzer sind.
Etwas zu verstecken?
Die Regierung Syrines verkündete, dass sie den Inspektoren der Internationalen Energiebehörde nicht den Zutritt gewähren, um noch einmal die Gegend zu inspizieren, die vor drei Jahren von nicht identifizierten Flugzeugen bombardiert wurde, die aus der Richtung Israels kamen.
Dies ist sehr verdächtig. Was bauen die Syrer dort? Es scheint so, als hätten sie dort etwas zu verstecken?“ schrieen die Minister Uzi Landau und Yossi Peled und bekamen ein paar kostbar Minuten Radiozeit.
Warum bringen sich die Syrer selbst in Unannehmlichkeiten? Sie hätte es doch genau so machen können wie David Ben Gurion 1959, nachdem er den Dimona Nuklear-Haufen gebaut hatte und der Welt erklären, dass diese Installation im Norden Syriens nur eine Textilfabrik sei. Wer will schon eine Textilfabrik inspizieren?
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