Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Artikel Das alternative globale Forum in Cancun/Mexiko
Artikelaktionen

Das alternative globale Forum in Cancun/Mexiko

Die Alternative zum UNO-Klimagipfel

von Amy Goodman

06.12.2010 — Democracy Now!

 

Die Verhandlungen auf dem UNO-Klimagipfel in Cancún/Mexiko finden abgesichert durch hohe Mauern in dem Nobelhotel Moon Palace Hotel statt. Dort verhandeln NGOs und Delegierte. Doch diejenigen, die nicht eingeladen wurden, haben ein eigenes Treffen organisiert. Die internationale Kleinbauern-Bewegung 'La Via Campesina' und andere Graswurzelbewegungen veranstalten parallel zum Gipfel ein alternatives globales Forum, dessen Themen 'Leben und Umwelt' und 'soziale Gerechtigkeit' sind. Teilnehmer/innen aus ganz Lateinamerika sind angereist.

 

Amy Goodman:

Während die Klima-Verhandlungsführer, die NGOs und Delegierten ihre Gespräche auf dem abgesicherten UNO-Gipfel führen, veranstaltet die internationale Kleinbauernbewegung 'La Via Campesina' und weitere Graswurzelorganisationen ein alternatives 'Globales Forum für das Leben und die Umwelt', bei dem es auch um 'soziale Gerechtigkeit' geht. In ganz Mexiko, beziehungsweise Lateinamerika, haben sie Campingwagen organisiert. Sie sind hier, in Cancún, vor wenigen Tagen eingetroffen, um ihr paralleles Forum zum Klimagipfel der UNO abzuhalten. Democracy Now! besuchte das globale Forum von 'La Via Campesina', um herauszufinden, was dort los ist.

 

(Eingeblendet)

Laura Carlsen:

Mein Name ist Laura Carlsen. Ich leite das Americas Program in Mexiko City. Im Moment befinden wir uns im Lager der Campesinos (Kleinbauern) beziehungsweise im Lager der Indigenen, hier, in Cancún. Es ist das Camp der sozialen Graswurzel-Organisationen, die nach Cancún gereist sind, um gegen die 'Konferenz über den Klimawandel' zu protestieren und ihre Forderungen zu stellen, damit sie die offiziellen Verhandlungsführer hören. Hier in Mexiko - und auf der ganzen Welt - hat sich ein Prozess vollzogen, der von großer Bedeutung ist, weil er die Bewegungen zusammenführt, so dass sie sich kennenlernen.

 

Zuerst stand eine zweitägige Tour mit Campingbusen auf dem Programm. Sie endete in Mexiko-City. Die Leute waren von verschiedenen Orten in Mexiko aufgebrochen. Auch internationale Delegierte waren dabei. Man besichtigten Orte, an denen die Umwelt auf schreckliche Weise geschädigt wurde und wird: Giftmüllhalden, große Erdaufschüttungen, hydro-elektrische Anlagen (Dämme), durch die - buchstäblich - Hunderte Dörfer weggespült worden sind. Man hörte sich an, was die Leute vor Ort, die gegen diese Projekte kämpfen, zu sagen hatten und wogegen sie sich wehren. Häufig kam man mit der Zeit zu der Erkenntnis, dass man (im eigenen Land) gegen dieselben Feinde (Projekte) zu kämpfen hat.

 

Ein Grund für die Aktion war, dass sich Mexiko bei den Gipfelgesprächen vor der Welt als GROßER Verteidiger des Umweltschutzes präsentiert. Mit dieser Aktion sollte der Welt klargemacht werden, dass das nicht stimmt. In Wirklichkeit ist die Situation in Mexiko verheerend.

Vor allem seit NAFTA (Nordamerikanisches Freihandelsabkommen) und seit Unternehmen ins Land kommen und Industriekorridore schlagen und Flüsse verschmutzen, sehen wir diese Situation. Ein Beispiel: Ein ein kleiner Junge fiel in den Jalisco-Fluss und starb an einer Arsenvergiftung, die er sich im Fluss geholt hatte. Wir finden zum Teil wirklich drastische Situationen vor, über die die Menschen (im Ausland) nichts wissen.

 

In den offiziellen Verhandlungen heißt es: "Nun, wir sind in Kopenhagen gescheitert. Vermutlich werden wir auch in Cancún scheitern. Dann machen wir eben in Südafrika weiter" Doch die Menschen hier wollen ihnen klar machen, dass Eile geboten ist.

 

Sharif Abdel Kouddous:

Können wir mit einigen der Organisatoren sprechen?

 

Laura Carlsen:

Ja, das wäre großartig.

 

Jesús Lara Chivarra (übersetzt):

Mein Name ist Jesús Lara Chivarra - aus der indigenen Gemeinde San Sebastián de Teponahuaxlán. In Huiricuta liegt eine unserer heiligen Stätten. Sie ist bedroht. Ich bin gekommen, um mich aus diesem Grund zu beschweren - denn dieser Ort ist für uns seit vielen Jahren ein heiliger Ort. Nun ist er in Gefahr, weil ein kanadisches Bergbauunternehmen uns ausbeuten will. Wir sind hier, um uns darüber zu beschweren.

 

Antonio Candelario (übersetzt):

Mein Name ist Antonio Candelario. Ich komme aus dem Norden, aus dem (mexikanischen) Bundesstaat Jalisco. Wir Indigenen von der Sierra schützen die Umwelt. Wir richten einen Appell an die Welt - und wir appellieren an sie im Namen allen menschlichen Lebens. Doch diese Leute, die so viel wissen und über die neueste Technologie verfügen, begreifen nicht, dass sie die Gebärmutter unserer Mutter Natur aufgeschlitzt haben - indem sie einen ausbeuterischen Bergbau betreiben, indem sie Öl fördern und Zement produzieren, indem sie Schnellstraßen bauen und Wälder abholzen.

 

Eine Frau aus Cacahuatepec (übersetzt):

Ich komme aus der Gemeinde Cacahuatepec, in Guerrero. Vor acht Jahren haben sie den Bau des hydro-elektrischen (Staudammes) Parota angekündigt. Als uns klar wurde, was der Parota für uns bedeuten würde, wehrten wir uns gegen ihn. Wir rebellierten - mit Prügeln und Macheten. Sie wollten uns den Damm aufzwingen - mit Hilfe von Versammlungen, die abgehalten wurden. Sie fragten nicht nach unserer Erlaubnis. Sie wollten uns noch nicht einmal finanziell für unser Land entschädigen. Sie wollten den Parota-Damm mit aller Gewalt bauen. Daher müssen wir kämpfen. Wir müssen uns massiv dagegen wehren, damit sie mit diesem Projekt nicht weitermachen. Und wir werden siegen.

 

Jorge Castillo (übersetzt):

Mein Name ist Jorge Castillo. Ich bin hier, weil es historisch richtig ist, hier zu sein. Das fühle ich genau. Ich komme aus Mexiko City. Ich hoffe auf Begegnungen mit vielen Menschen. Es ist großartig, dass so viele Menschen aus so vielen verschiedenen Orten hier sind. Dass die indigenen Völker gekommen sind, ist von großer Bedeutung für den Widerstand hier. Ich möchte lernen und Erfahrungen sammeln, wie wir stark werden können und voranschreiten, um dem Krieg gegen den Kapitalismus weiterzuführen.

 

Kelda Miller:

Mein Name ist Kelda Miller. Ich komme aus Summer im Staate Washington. Summer liegt vor Seattle. Ich bin hier, weil ich will, dass hier auch eine amerikanische Stimme gehört wird - eine, die für die Amerikaner und die USA spricht. Denken wir zurück an Chochabamba. Denken wir an das Abkommen von Cochabamba. Vele von uns wollen es wirklich. Sie wollen Rechte für die Indigenen, Rechte für Mutter Erde. Was wir wollen, sind echte Lösungen. Dadrinnen (auf dem offiziellen Klimagipfel) scheint es keine echten Lösungen zu geben.

 

Paul Nicholson:

Ich heiße Paul Nicholson. Ich bin ein Bauer aus dem Baskenland und Mitglied von 'Via Campesina'. Wir besuchen hier das 'Peoples Forum for social and environmental Justice' (Forum der Völker für soziale und ökologische Gerechtigkeit). Gemeinden aus ganz Mexiko... Zeugen des Klimawandels (sind hier). Sie fordern Alternativen; sie fordern, dass sich die Regierungen mit dem Klimawandel und dessen Folgen befassen - anstatt nur Geschäfte damit machen zu wollen. Wenn man das offizielle Forum besucht, findet man dort extremen Luxus vor. Alles, worüber diese Typen reden, sind Geschäfte: "Wie können wir Geld mit dem Klimawandel machen". Unserer Ansicht nach wäre es das Beste, wenn in dieser Woche kein Abkommen zustande käme, da die Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, zu einem äußerst miesen Abkommen führen würden - selbst die Privatisierung allen Lebens würde legitimiert. Unserer Ansicht nach wäre kein Abkommen eine Chance für uns, in Zukunft ein wirklich verbindliches Abkommen zu erreichen.

 

Aldo Gonzalez Rojas (übersetzt):

Mein Name ist Aldo Gonzalez Rojas. Ich bin Teil einer Gruppe, die sich 'Union der Organizationen der Sierra Juarez' nennt. Die Sierra Juarez liegt in Oaxaca. Ich bin hier, weil wir einer landesweiten Vereinigung von Umweltbetroffenen angehören. Wir sind Teil des Kampfes gegen genveränderten Mais - für echten Mais -, und wir sind hier, weil wir unser Land verteidigen wollen, damit wir frei entscheiden können, was wir tun wollen. Wir sind nicht daran interessiert, Geld mit Umwelt-Dienstleistungen und -programmen zu verdienen. Was wir wollen, ist Selbstbestimmung.

 

Sharif Abdel Kouddous:

Letzte Frage: Haben Sie irgendeine Botschaft für die Menschen, die unser Programm sehen oder hören (oder lesen)?

 

Aldo Gonzalez (übersetzt):

Ich meine, Amerika gehört doch zu den Ländern, die die meisten Treibhausgase produzieren. Der Lebensstil, die Konsumhaltung, in Amerika hat viel damit zu tun, dass dort so viel Treibhausgas-Emissionen in die Umwelt gelangen. Ich denke, diejenigen, die am meisten konsumieren, sollten uns kein Vorbild für unsere Entwicklung sein. In unserer Gemeinde gibt es ein Sprichwort: Derjenige, der weniger braucht, besitzt mehr, als der, der mehr hat. Der Gegensatz zwischen unserem Lebensstil und und dem amerikanischen Lebensstil zeigt uns, dass die größten Konsumenten nicht immer die "reichsten" Menschen sein müssen. (Ende)

 

Amy Goodman:

Dies war ein Bericht von 'Democracy Now''. Das Interview führten Sharif Abdel Kouddous und Elizabeth Press.

 

 

 

Übersetzt von: Andrea Noll
Artikelaktionen