Der rechte Hoden der Hölle: Geschichte eines haitianischen Völkermords
Blackwater vor Trinkwasser
von Gregory Palast
17.01.2010 — The Huffington Post / Antikrieg.com
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Haiti
- Gepriesen sei der Präsident, der schon im nächsten Augenblick Rettungsteams in der Luft hatte. Das war Präsident Olafur Grimsson von Island. Am Mittwoch berichtete AP, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika versprochen hat: „Das erste Kontingent von 2.000 Marinesoldaten könnte innerhalb der nächsten paar Tage in das vom Erdbeben zerstörte Land entsendet werden.“ „In ein paar Tagen,“ Herr Obama?
- Es gibt keine „natürliche“ Katastrophe. 200.000 Haitianer wurden ermordet durch Slumsiedlungen und „Spar“-Pläne des IMF (Internationaler Währungsfonds).
- Eine Freundin von mir rief an. Ob ich einen Journalisten weiß, der ihrem Vater Medikamente bringen kann? Und weiter, ihre Stimme gerade noch unter Kontrolle: „Meine Schwester, sie liegt unter dem Schutt. Kommt jemand, der ihr helfen kann, irgend jemand?“ Sollte ich ihr sagen „Obama wird in ein paar Tagen Marinesoldaten hinschicken“?
- China schickte Rettungsteams mit Suchhunden innerhalb von 48 Stunden. China, Herr Präsident. China: 8.000 Meilen entfernt. Miami: 700 Meilen nahe. Militärbasen der Vereinigten Staaten von Amerika in Puerto Rico: direkt vor Ort.
- Obamas Verteidigungsminister Robert Gates sagte: „Ich wüsste nicht, wie diese Regierung schneller oder umfassender reagieren hätte können, als sie es getan hat.“ Wir wissen, dass Gates das nicht weiß.
- Aus meiner bisherigen Tätigkeit weiß ich, dass FEMA (Federal Emergency Management Agency – Bundes-Katastrophen-Management-Agentur) Zugang hat zu sofort verfügbarem Trinkwasser, Generatoren, mobilem medizinischen Gerät und mehr für den Einsatz bei Hurrikanen an der Golfküste. Lieutenant General Russel Honoré von der Armee, der die Rettungsaktivitäten nach Hurricane Katrina leitete, sagte dem Christian Science Monitor: „Ich dachte, wir hätten das von Katrina gelernt – nimm Nahrungsmittel und Wasser und fang an, Menschen zu evakuieren.“ Vielleicht haben wir das gelernt, aber offensichtlich waren Gates und das Verteidigungsministerium an diesem Tag nicht in der Schule.
- Schick die Marinesoldaten. Das ist Amerikas Antwort. Das ist es, was wir können. Der Flugzeugträger USS Carl Vinson ließ sich endlich nach drei Tagen blicken. Womit? Er war mit großem Getöse gesendet worden – ohne irgendwelche dringend benötigten Hilfsgüter. Er verfügt über Sidewinder-Raketen und 19 Helikopter.
- Immerhin brach das Internationale Such- und Rettungsteam, voll ausgestattet und ausgerüstet für bis zu sieben Tagen Einsatz ohne Nachschub, sofort auf, mit zehn Tonnen Gerät und Ausrüstung, drei Tonnen Wasser, Zelten, Kommunikationsausstattung und Möglichkeiten der Wasseraufbereitung. Sie kommen aus Island.
- Gates schickte weder Nahrung noch Wasser, da, wie er behauptete, es dort keine “Struktur gäbe … die Sicherheit gewährleistet.” Für Gates, der von Bush bestellt wurde und unter Obama herumlungern darf, gilt Sicherheit zuerst. Das war seine Lehre aus dem Hurrikan Katrina. Blackwater vor Trinkwasser.
- Frühere Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika haben viel schneller Truppen auf diese Insel gebracht. Haiti bildet die rechte Hälfte der Insel Hispaniola. Es wird behandelt wie der rechte Hoden der Hölle. Die Dominikanische Republik ist die linke. Als die Dominikaner 1965 die Rückkehr ihres gewählten Präsidenten Juan Bosch forderten, der von einer Junta abgesetzt worden war, reagierte Lyndon Johnson sofort auf diese Krise und ließ 45.000 Marinesoldaten der Vereinigten Staaten von Amerika landen, um die Rückkehr des gewählten Präsidenten zu verhindern.
- Wie konnte Haiti in diesen Zustand geraten, wirtschaftlich geschwächt, mit einer Infrastruktur, von Krankenhäusern bis zur Wasserversorgung, die ruiniert oder nicht existent ist – es gibt zwei Feuerwehrstationen im gesamten Land – mit einer dermaßen brüchigen Infrastruktur, dass das Land nur mehr darauf wartete, von der „Natur“ fertig gemacht zu werden? Mutter Natur ist nicht Schuld an all diesem Sterben und all dieser Zerstörung. Diese Schande geht an Papa Doc und Baby Doc, die Diktatur der Duvaliers, die die Nation 28 Jahre lang ausplünderten. Papa und sein Baby steckten geschätzte 80% aller Entwicklungshilfe in ihre eigenen Taschen – in Komplizenschaft mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, die froh war, die Duvaliers und ihre Voodoo-Miliz Tonton Macoutes als Verbündete im Kalten Krieg auf ihrer Seite zu haben. (Der Krieg wurde leicht gewonnen: die Mordkommandos der Duvaliers töteten an die 60.000 Gegner des Regimes.)
- Was Papa und Baby nicht zugrunde gerichtet haben, machte der IMF mit seinen „Spar“-Plänen fertig. Ein Sparplan ist eine Form des Voodoo, betrieben von Wirtschaftswissenschaftern, die von dem Irrglauben zombifiziert sind, dass die Einschränkung der öffentlichen Dienste einem Land irgendwie helfen wird, sich gut zu entwickeln.
- 1991, fünf Jahre nach der Flucht des mörderischen Babys, wählten die Haitianer einen Priester, Jean-Bertrand Aristide, der sich gegen die Spardiktate des IMF stellte. Innerhalb von Monaten setzte ihn das Militär unter dem Applaus von Papa George H.W. Bush ab. Die Geschichte wiederholt sich, zuerst als Tragödie, dann als Farce. Die Farce war George W. Bush. Nachdem der Priester Aristide 2004 als Präsident wiedergewählt wurde, wurde er entführt und wieder außer Landes gebracht, unter dem Applaus von Baby Bush.
- Haiti war einst ein reiches Land, das reichste in der Hemisphäre, mehr wert, wie Voltaire im 18. Jahrhundert schrieb, als diese felsige kalte Kolonie namens Neu England. Haitis Schatz war schwarzes Gold: Sklaven. Aber dann rebellierten die Sklaven – und haben dafür bis heute bezahlt. Von 1825 bis 1947 zwang Frankreich Haiti, einen jährlichen Betrag als Entschädigung für die Profite zu bezahlen, die die französischen Sklavenhalter durch den erfolgreichen Aufstand ihrer Sklaven verloren hatten. Die Grande Nation Frankreich hielt es für einfacher, statt der einzelnen Menschen in Haiti das ganze Land zu versklaven.
- Minister Gates teilt uns mit: „Es gibt einige bestimmte Tatsachen im Leben, die bestimmen, wie schnell du einige dieser Dinge erledigen kannst.“ Das Spitalsschiff der Marine wird auch hinkommen, in einer Woche oder so. Bravo, gut gemacht!
- Eine Nachricht, die ich gerade von meiner Freundin bekommen habe. Ihre Schwester wurde gefunden – tot, und ihre andere Schwester musste sie begraben. Ihr Vater benötigt dringend seine Medikamente. Auch das ist eine Tatsache im Leben, Herr Präsident.
- * Gerade hereingekommen: Unserer Bitte, Medikamente an den Vater eines Freundes in Haiti zu senden, wurde vom Herausgeber von Democracy Now! Sharif Abdel-Kouddous entsprochen, der die Zustellung in Port-au-Prince übernehmen wird. Offensichtlich benötigt Democracy Now! Im Gegensatz zur Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika keine bewaffneten „Sicherheitskräfte“, um Leben zu retten.
Anmerkungen
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von antikrieg.com.
Orginalartikel:
Dieser Artikel ist NICHT bei www.zmag.org erschienen!
Übersetzt von:
Antikrieg.com
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Am 12., 13, und 14. Januar konnte man auf allen deutschen Fernsehkanälen beobachten wie die deutschen Hilfsorganisationen in sehr professioneller Art ihre Sendungen für Haiti auf den Weg brachten. Es war klar: hier wird schnell und effektiv geholfen werden.
Am 14. Januar wäre nun zu erwarten gewesen, dass man im Fernsehen hätte beobachten können wie alle 20 Minuten ein Flugzeug auf dem Airport in Port au Prince und auf den umliegenden Airports auf Hispaniola landet und seine Ladung absetzt. Wie requirierte LKW´s das übernehmen und vor Ort verteilen. Wie massenhaft Schiffe aus Cuba und Bolivien, Venezuela, usw. usw. mit Hilfskräften aller Art eintreffen.
Nichts der gleichen!!! Schweigen im Walde. Dafür Bilder wie US-Streitkräfte französische und chinesische Hilfsflugzeuge behindern (das aber nicht im deutschen Fernsehen) und wie ein US-Flugzeugträger die ganze Region militärisch kontrolliert. Keine Maus kommt mehr rein oder raus, die nicht von unseren US-Freunden gecheckt wird. Hat es einen bestimmten Grund warum man dem vor Auslaufen nicht ein paar Hundert Tonnen Hilfsgüter an Deck gestellt hat? Hätten die nicht von seinen Helicoptern wunderbar den Hilfsbedürftigen vor die Füße gestellt werden können?
Was ist passiert? Alles lief doch so professionell bei uns in Deutschland an? Auch in anderen Ländern. Wo sind all die Hilfsgüter geblieben? Warum zeigt uns das deutsche Fernsehen nicht ununterbrochen wie die Menschen versorgt werden?
Statt dessen beobachtet man im deutschen Fernsehen Reporter die sich fast vor Schmerzen winden wenn sie erklären sollen warum die Menschen einfach verrecken, weil sie sich nicht trauen die Wahrheit zu sagen.
Für mich ist ziemlich klar was hier passiert ist. Der US-Botschafter hat Angie bescheidgesagt, dass sie mit ihren Hilfslieferungen im US-Protektorat Haiti überhaupt nichts zu suchen hat, wenn sie aus Washington nicht angefordert wurde. Und die wilde Life-Fernsehberichterstattung aus dem Protektorat habe auch sofort zu unterbleiben!
Deutsche und andere Hilfsgüter vor Ort, während die USA nur Soldaten schicken, so was gibt es nicht.
In einem solchen Falle wissen Angie und die deutschen Fernseh-Intendanten genau was sie zu tun haben. Am 16. und 17. senden sie also Talkshows in denen den USA überschwänglich für ihr schnelles (militärisches?) Eingreifen gedankt wird. Selbst der „altersweise“ Herr Scholl-Latour wird noch mal in Stellung gebracht und zeigt sich hoch befriedigt von den amerikanischen Aktivitäten. Na also, so geht das doch auch.
Wo die ganzen deutschen Hilfslieferungen geblieben sind, die Suchhunde und all die andere nützliche Ausrüstung, auch aus anderen Ländern, fragt kein Schwein mehr.
Wie es kommt, dass unter US-Aufsicht wieder einmal die selbe Sauerei abläuft wie in New Orleans, scheint auch niemand zu interessieren.
Kein Schwein interessiert, dass da eine ähnliche Sauerei mit Haiti abläuft wie beim Tzunami in Indonesien vor einigen Jahre, als die USA zunächst nur (notgedrungen) 20 Millionen Dollar zusagten und einen Flugzeugträger schickten. Es wäre dort ja auch Schwachsinn gewesen den Menschen beim Überleben zu helfen, wenn man gerade Indonesien dabei unterstützte die dortige Bevölkerung zu ermorden weil die frech geworden war. Genau so ein „Lumpenpack“ wie auf Haiti. Logisch.
Werden wir auf Haiti gerade Zeuge, wie hier im Schlagschatten der Katastrophe ein System von Grund auf errichtet wird, in dem später IWF und der Weltbank das Kommando übernehmen und die Chicago-Boys eine Auferstehung erwarten können?
Welch furchtbare Rolle spielt die UNO mal wieder, die ja offiziell die Verantwortung im Lande trägt?
Mr. Man Ki Moon, das war ihr Auftritt!
Wird der jetzige UN-Befehlshaber vor Ort sich auch die Kugel geben, wie einer seiner Vorgänger es getan hat, als er erkannte an welch furchtbaren Verbrechen er auf Haiti beteiligt war, unter US- Protektorat?
Erleben wir hier gerade wie Naomi Kleins Erkenntnis über „Die Schock Strategie“ brutalstmöglich in der Praxis vorgeführt wird?
Ich habe gehört, dass Frau Klein schon vor Ort ist!!!!
Der neue Friedensnobelpreisträger in voller Aktion? Ein würdevoller Nachfolger seiner beiden Koordinatoren für Haiti – Mr. Clinton (Ruanda) Mr. Bush jun. (New Orleans, Irak, Afghanistan usw. usw.)?
Die schlimmen Befürchtungen über Mr. Obama werden zur Gewissheit!
C.Pichlo