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Die Wächter der Macht

von John Pilger

29.11.2007 — New Statesman

— abgelegt unter:

Was hat sich geändert daran, wie wir die Welt sehen? So lange ich zurückdenken kann, wurde die Beziehung von Journalisten zur Macht hinter einer Scheinobjektivität und dem Eindruck einer „apathischen Öffentlichkeit“ versteckt, die den wie ein Mantra wiederholten Satz „gib der Öffentlichkeit, was sie hören will“, rechtfertigt. Was sich geändert hat, ist die Wahrnehmung und Informiertheit der Öffentlichkeit. Die Menschen in westlichen Demokratien vertrauen nicht mehr auf das, was sie lesen, sehen und hören und hinterfragen wie niemals zuvor, besonders über das Internet. Warum, so fragen sie, entstammt die große Mehrzahl der Nachrichten dem Establishment und seinen eigennützigen Interessen? Weshalb sind viele Journalisten die Agenten der Macht, nicht der Menschen?

Viel dieser erfrischenden neuen Art zu denken läßt sich auf eine bemerkenswerte Webseite aus Großbritannien zurückführen, www.medialens.org. Die Köpfe hinter MediaLens, David Edwards und David Cromwell, mit Unterstützung ihres Webmasters, Olly Maw, haben seit Erscheinen ihrer Webseite 2001 einen so außergewöhnlichen Einfluß ausgeübt, dass die ganze Tragweite der Debakel um Irak und Afghanistan ohne ihre spitzfindingen und humanen Analysen unter Umständen den ersten Entwürfen schlechter Geschichtsschreibung durch einen schlechten Journalismus überlassen worden wäre. Peter Wilby hat es gut formuliert in seiner Besprechung von „Guardians of Power“: der Mythos der liberalen Medien, eine Zusammenführung von Media Lens Essays, herausgegeben von der Pluto Press, die er als „zum Glück frei von akademischem oder politischem Jargon und ehrfurchtgebietend gut recherchiert“ beschrieb. Und:“Alle Journalisten sollten das lesen, denn die Davids werfen Fragen auf, die Antwort verlangen“.

Das erschien im „New Statesman“. Keine einzige der großen Zeitungen besprach das wichtigste Buch über den Journalismus, das mir in Erinnerung ist. Da wäre zum Beispiel der letzte Media Lens Essay, „Invasion – ein Vergleich sowjetischer und westlicher Medienauftritte“. Geschrieben mit Nikolai Lanine, der während der sowjetischen Besatzung Afghanistans 1979 -89 in der Armee gedient hat, verwendet er Zeitungsarchive der Sowjetära und vergleicht die Propaganda jener Zeit mit der gegenwärtigen westlichen Mediendeckung. Dabei stellt sich heraus, dass sie fast identisch sind.

Genau wie Berichte über den „Erfolg“ der US-Vorstöße im Irak, erlaubte das sowjetische Gegenstück „arme Landarbeiter, die das Land friedlich bestellen“. Wie die Amerikaner und Briten im Irak und Afghanistan waren sowjetische Truppen Befreier, die zu Bewahrern des Friedens wurden und stets aus „Selbstverteidigung“ agierten. Die Nachricht von Mark Urban bei der BBC eines „ersten echten Beweises, dass Präsident Bush großer Plan, einen Diktator zu stürzen und eine Demokratie im Herzen des mittleren Ostens zu erzwingen funktionieren könnte“ (Newsnight, 12. April 2005) ist fast wortgetreu diejenige von sowjetischen Kommentatoren, die für Moskaus Aktionen in Afghanistan wohlwollende und großmütige Absichten beteuern. Paul Wood von der BBC, in Knechtschaft der 101. Luftdivision berichtete, dass die Amerikaner „hier gewinnen müssen, wenn sie Irak verlassen wollen…es gibt immer noch viel zu tun.“ Das war genau so auch die sowjetische Linie.

Der Ton, in dem Media Lens ihre Fragen an Journalisten stellt, ist so respektvoll, dass persönliche Ehrlichkeit nie in Frage steht. Vielleicht erklärt das eine Reaktion, die sowohl empörend als komisch sein kann. Der BBC Nachrichtenmediator Gavin Esler, Verfechter von Prinzessin Diana und Ronald Reagan, ereiferte sich über Media Lens Emailers als „faschistisch“ und „unverzeihbar“. Roger Alton, Herausgeber des Londoner Observers und Verfechter der Invasion im Irak, erwiderte einem ultrahöflichen Mitglied der Öffentlichkeit:

„Haben Ihnen diese Fotzen von Media Lens aufgetragen, diesen Beitrag zu schreiben?“ Als sie über ihre Berichterstattung zu Umweltbelangen befragt wurde, erwiderte Fiona Harvey von der Financial Times:“Sie sind jämmerlich…Wer sind Sie?“

Das heißt soviel wie: Wie können Sie es wagen, uns in einer Weise herauszufordern, die uns bloßstellen könnte? Wie können Sie es wagen, den Job des wahren Journalismus zu leisten und die Fakten geradezustellen? Peter Barron, der Herausgeber von BBC Newsnight, ging die Sache anders an. „Ich mag sie eigentlich. David Edwards und David Cromwell sind stets höflich, sie argumentieren gut und manchmal haben sie ganz klar recht.“

David Edwards glaubt, dass „Vernunft und Ehrlichkeit durch Mitgefühl verstärkt und durch Gier und Hass beschädigt werden. Ein Journalist, dessen aufrichtige Motivation die Sorge um das Leid anderer ist, neigt eher dazu, ehrlich zu berichten…“. Manche mögen dies eine ausgefallene Ansicht nennen. Ich gehöre nicht zu ihnen. Noch tut es die Ghandi Foundation, die der Media Lens am 2. Dezember die geachtete Gandhi International Peace Award (Internationalen Ghandi Friedenspreis)überreichen wird. Respekt!

Übersetzt von: Gesine Stone
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Anonymous sagt
29.08.2008 01:59

Das Internet wird wohl oder übel in Zukunft verstärkt zensiert werden oder ganz abgeschafft. Wollen wir wetten? Die macht-und geldgeilen "Eliten" wollen auf keinen Fall die Kontrolle über die Auswahl der Nachrichten verlieren. Denn das wäre der Beginn ihrer entgültigen Niederlage. Ganz ehrlich: Diesen Leuten traue ich ALLES zu. Die würden auch notfalls das Leben von Milliarden Menschen beenden - Hauptsache sie erlangen die völlige Kontrolle der Welt. Normale bewußte Menschen verstehen leider nicht, wie krank diese Leute wirklich sind. Ich glaube, daß der 3. Weltkrieg bereits angefangen hat (Hat Bush übrigens auch gesagt). Ist es nicht unglaublich, wie z.B. die Medien in Deutschland verzerrt und einseitig über den Kaukasus-Konflikt berichten? Mir hat man zumindest nicht in den Kopf geschissen und ich weiß, daß die Amerikaner dahinter stecken. Wenn sie bis 2011 ihren Abwehrschirm komplett haben, werden sie Russland in einem Erstschlag versuchen zu vernichten! Die paar Raketen die dann noch aus Russland aufsteigen, können von ihrem Schirm größtenteils abgefangen werden.
Utopia? Wir werden ja sehen.
Mikael