Ein großer Schritt für die Menschheit – Made in Haiti
Der Bwa Kay Iman Aufstand gegen die Sklaverei
von Jean Saint-Vil
16.08.2009 — http://www.godisnotwhite.com

Es war einmal, vor gar nicht langer Zeit, da Päpste, Könige und Königinnen sich bereicherten und riesige Reiche erbauten auf den Profiten, die sie mit dem Schweiß und Blut der entführten Männer, Frauen und Kinder gemacht hatten, die zusammengepfercht wie Sardinen und zur Sklavenarbeit auf den Plantagen für Kaffee, Zucker, Baumwolle, Kakao gezwungen wurden, überall in der Neuen Welt [1]. Vom Jahr 1444, den Angriffen der Portugiesen gegen die Westküste Afrikas, gefolgt von der päpstlichen Bulle von 1452, in der Papst Nicholas V. [2] die Christen dazu einlud, alle Nicht-Christen anzugreifen und zu versklaven, bis zum segensreichen Jahr 1791 wurden Millionen von Menschen entführt, in Schrecken gehalten, den Haien vorgeworfen inmitten des Atlantischen Ozeans.
Gleich nach der Ankunft auf den Inseln oder dem Festland wurden sie zu Tode gearbeitet, gefoltert, lebendig aufgefressen von Hunden, die speziell darauf abgerichtet waren, sich von afrikanischem Menschenfleisch zu ernähren, oder sie wurden in Stücke gerissen von entzündetem Schießpulver, das ihnen in die Geschlechtsteile gestopft wurde von britischen, spanischen, französischen und portugiesischen Kolonisten. Schätzungen zufolge hätte die Bevölkerung Afrikas in der Mitte des 19. Jahrhunderts bei 50 Millionen liegen müssen anstelle von 25 Millionen, wenn diese Katastrophe, bekannt als MAAFA, nicht stattgefunden hätte [3]. Es war inmitten dieser Atmosphäre von beispiellosem Terrorismus und menschlicher Dekadenz, dass eine bemerkenswerte Zusammenkunft von Männern und Frauen stattfand auf der kleinen Karibikinsel Haiti, am Abend des 14. auf den 15. August 1791. Bekannt als die Bwa Kay Iman Zeremonie [4], wird von diesem revolutionären Treffen gesagt, dass dort die Vertreter der Vertriebenen von 21 afrikanischen Staaten zusammen kamen, um sich zu verschwören zu einer Revolte gegen die Mächte, die gegen ihr Volk eine so unerbittliche Kampagne des Terrors entfesselt hatten — einen Völkermord, der fachmännisch konzipiert und umgesetzt war, staatlich gefördert und finanziert, gerechtfertigt durch zahlreiche literarische Werke und abgesegnet von den mächtigsten und einflussreichsten religiösen Institutionen jener Tage [5].
Die „Jesus von Lübeck“ — das Sklavenschiff, das von Königin Elisabeth I. für John Hawkins zur Verfügung gestellt wurde.
Der Bwa Kay Iman Aufstad von 1791 war nicht der erste große Aufstand gegen Rassen–Sklaverei in Amerika. Vielmehr war er der Höhepunkt von Jahren des organisierten Kampfes. Einzigartig nur in seinem erfolgreichen Abschluss zählte Bwa Kay Iman zu seinen wichtigsten Anführern eine Dame namens Cecile Fatiman [6] und einen Gentleman namens Boukman [7]. Von dieser Dame, die selbst eine ehemalige Sklavin und Vodou Priesterrin war, heißt es, sie sei geboren als Kind einer afrikanischen Mutter und eines europäischen Vaters (einem korsichen Prinzen). Von Boukman, ebenso ein Vodou Priester, heißt es, er sei auf der Insel Jamaika versklavt worden, bevor er auf eine Plantage in Haiti verkauft wurde. Das folgende Gebet wird Boukman im Amt der Bwa Kay Iman Zeremonie zugeschrieben:
"Der Gott, der die Erde erschaffen hat, der die Sonne erschaffen hat, die uns Licht gibt. Der Gott, der den Ozean aufrecht hält, der den Donner brüllen macht. Unser Gott, der Ohren hat um zu hören. Du, der Du Dich in den Wolken versteckst, der Du uns beobachtest, wo Du auch bist. Du siehst alles, was die Weißen uns haben erleiden lassen. Der Gott des weißen Mannes gebietet ihm, Verbrechen zu begehen. Aber der Gott in uns will Gutes tun. Unser Gott, der so gut ist, so gerecht, Er befiehlt uns, die Vergehen an uns zu rächen. Er ist es, der unsere Waffen leiten und uns den Sieg bringen wird. Er ist es, der uns beistehen wird. Wir alle sollten das Bild des Gottes der weißen Männer wegwerfen, der kein Erbarmen kennt. Hört auf die Stimme die Freiheit, die in unser aller Herzen spricht." [8]
In Würdigung ihres Versprechens von Bwa Kay Iman haben die Afrikaner von Haiti einen umfassenden Krieg gegen die Armeen von Frankreich, Großbritannien und Spanien begonnen, die sie am Ende besiegen konnten dank der militärischen Klugheit der Maronen und der fähigen Führung der Generäle Toussaint Louverture, Jean-Jacques Dessalines, Alexandre Pétion und Henry Christophe. Die aufständischen Afrikaner zählten in ihren Reihen auch furchterregende Kriegerinnen wie Sanite Belair, Marie–Jeanne Lamartiniere und die betagte Toya Mantou, die Tante von General Jean-Jacques Dessalines.
Zwölf Jahre nach dem Aufstand von Bwa Kay Iman wird General Dessalines den französischen General Leclerc (Napoleon Bonapartes Schwager) und seinen besonders skrupellosen Nachfolger Donatien Rochambeau [9] überlisten. Dessalines wird schließlich am 18. November 1803 erfolgreich die letzten europäischen Sklavenhalter von der Insel jagen. Dieser überragende Sieg, der von empörten Afrikanern errungen wurde, wird Napoleon zwingen, seinen Traum vom Aufbau eines französischen Imperiums (angetrieben durch Rassen–Sklaverei) in Amerika aufzugeben. Es ist kein Zufall, dass in dem selben Jahr, in dem Haiti Napoleons Armee besiegte, die Vereinigten Staaten von Amerika Louisiana von den Franzosen erwerben konnten und damit ihr Gebiet zum Preis von lediglich 81 Millionen Francs verdoppelten. Drei Jahre später, aus Angst vor Sklavenaufständen in den amerikanischen Kolonien, werden die Briten ein Gesetz verabschieden, dass den Transport von weiteren entführten Afrikanern nach Amerika für illegal erklärt [10].
In einem Interview im Jahr 2003 mit dem Autor dieses Artikels, bemerkte der angesehene amerikanische Arzt und Autor Paul Farmer, dass er, gewiss mehr noch als die Mondlandung von 1969, die haitianische Revolution einschätzt als "riesigen Schritt für die Menschheit". Tatsächlich sind die schwerwiegenden Konsequenzen, die auf die abschließende Erklärung von Bwa Kay Iman folgen sollten, der Welt zu Anfang des 19. Jahrhunderts nicht verloren gegangen. Nur wenige Tage nach der Gründung der Republik Haiti veröffentlicht Jean-Jacques Dessalines ein Dekret, in dem er die Absicht verkündete, einen Teil des dürftigen nationalen Nachkriegs-Budgets zur Sicherung der Emanzipation jedes vormals versklavten Menschen einzusetzen. Viele amerikanische Kapitäne von Sklavenschiffen kassierten die Zahlung von 40 Dollar ein, die Dessalines für die Freilassung jeder ehemals versklavten Person vorgesehen hatte, die Fuß auf haitianische Boden setzen sollte [11]. Inzwischen, im Jahr 1805, schrieb der französische Außenminister Prinz Charles Talleyrand an US-Außenminister James Madison: "Die Existenz eines schwarzen Volkes unter Waffen, das ein Land besetzt hat und es beschmutzt durch zutiefst kriminelle Handlungen, ist ein schrecklicher Anblick für alle weißen Nationen." Die Vereinigten Staaten reagierten darauf mit einem Verbot des Handels mit Haiti im Jahr 1806. Dieses Embargo wurde 1807 und 1809 erneuert. Später, im Jahre 1825 und mit Hilfe anderer weißer Mächte jener Zeit, begann Frankreich damit, ein Lösegeld von der jungen Schwarzen Republik zu erpressen, das schließlich 90 Millionen Goldfranken betragen würde [12]. Zur Rechtfertigung des exorbitanten Lösegelds an Charles X folgten die Franzosen der gleichen "Logik", die auch die Briten später verwenden sollten, um die Entschädigungszahlungen an ehemalige weiße Sklavenhalter zu rechtfertigen, die "ihres menschlichen Eigentums" beraubt wurden durch die Emanzipations–Proklamation [13].

Die haitianische Revolution gab den Anstoß für afrikanische Aufstände in ganz Amerika. Gabriel Posser, Nataniel Turner, Denmark Vessey wurden alle durch das Beispiel Haitis dazu inspiriert, Revolutionäre zu werden, die den amerikanischenn Sklavenhaltern kalte Schauer über den Rücken jagten [14]. Doch für viele Jahren blieb Rassen–Sklaverei überall sonst in Amerika bestehen, abgesehen von Haiti. Als sie Schutz und Hilfe für Miranda (1806) und Bolivar (1815, 1816) gewährte, bestand die einzige Forderung Haitis darin, dass alle versklavten Afrikaner dort befreit werden sollten, wo immer die südamerikanischen Revolutionäre siegreich sein würden. Haitianer wurden oft beschuldigt, Rebellion gegen die Sklaverei in Amerika zu schüren. Routinemäßig entsandten die europäischen Mächte Kriegsschiffe, um sie einzuschüchtern und Lösegeld von ihnen zu erpressen, wegen des Verdachts einer haitianischen Mitschuld an den Aufständen, die in der Region auftraten [15]. Trotz der kollektiven Bestrafung durch wiederholte Akte der Erpressung (was als "Kanonenboot-Diplomatie" bezeichnet wird), die die verkrüppelte Schwarze Republik zu Händen ihrer historischen Feinde erleiden musste im späten 19. Jahrhundert, machte Haiti dennoch bemerkenswerte, wenngleich oft selbstmörderische, Beiträge zu Menschenwürde und Freiheit. Nur wenige Menschen wissen zum Beispiel, dass José Marti, der Gründer des kubanischen Staates, ein haitianischer Pass ausgestellt wurde, um seine revolutionären Reisen zu ermöglichen. Es wird angenommen, dass Marti in der Tat als haitianischer Staatsbürger starb [16].

Schließlich wurde es finanziell und politisch unrentabel für die Europäer, das System der Rassen–Sklaverei in Amerika beizubehalten. Bis 1833 hatten die Briten die Sklaverei in ihren Kolonien (darunter Kanada) abgeschafft. Dann folgten die Franzosen en-suite im Jahr 1848, die Vereinigten Staaten von Nordamerika 1862 und schließlich die Spanier und Portugiesen in den Jahren 1886 und 1888. Als an einem heißen Julitag, dem 20. Juli 1969, der US-Astronaut Alvin Aldrin Neil Armstrongs Mondlandung als einen "riesigen Schritt für die Menschheit" bezeichnete, wurde seine Begeisterung verstanden und weitgehend geteilt von all jenen, die Gelegenheit hatten, seine Worte zu hören. Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die zu diesem Zeitpunkt lebte, hatte keinen logischen Grund anzunehmen, dass sie oder ihre Nachkommen jemals die Gelegenheit haben würden, in Alvin Aldrins oder Neil Armstrongs Fußstapfen zu treten. Es war dennoch klar, dass das, was da gerade hervor getreten war, das Spektrum an Möglichkeiten für immer verändert hatte, das der Menschheit offen stand, vor allem in Bezug auf die weitere Erforschung des Universums.
Wie bei der außergewöhnlichen Mondlandung 1969, wurde auch der Schritt im Jahr 1791 (hin zur Ausrottung der Rassen–Sklaverei), der in Haiti gemacht wurde, nicht von irgend welchen übermenschlichen Giganten unternommen, sondern von ganz gewöhnlichen Männer und Frauen. Tatsächlich wurden sie als "die Verdammten der Erde" betrachtet. Ein Volk, das, obwohl seit Jahrhunderten einer systematischen Folter unterworfen mit dem Ziel, den menschlichen Geist zu brechen, sich stoisch erhoben hat, um sich aus den Klauen des Völkermords zu befreien. Mit diesen Taten erhoben sie uns alle zu höheren spirituellen Ebenen und eröffneten dem Auge unserer Herzen nie zuvor wahrgenommene Möglichkeiten des Menschlichen. Neben dem schieren physischen Terror stehen die Religion und die Verfälschung der Geschichte ganz oben auf der Liste der mächtigen Werkzeuge, die verwendet wurden im Versuch, den menschlichen (afrikanischen) Geist auf den Sklaven–Plantagen zu vernichten. Der Schaden, der der afrikanischen Psyche angetan wurde durch die wiederkehrenden Predigten der Priester wie Pater Labbat und Vater Fauque de Cayenne, ist beschrieben worden in Jean Fouchard "Les Marrons de la liberté" [17]. Der tragische Fall des Scipio Africanus ist beispielhaft für die verheerenden Schäden, die christliche Gehirnwäsche versklavten Afrikanern tatsächlich zugefügt hat, von denen einige zur der Annahme kamen, dass die Sklaverei ihr gottgewolltes Schicksal sei, nur aufgrund der Tatsache ihres Afrikanisch-Seins [18]. Professor Ron Karenga beschreibt den kollektiven Verlust, den die Menschheit in Folge der MAAFA erlitten hat, wenn er feststellt, wie "die Vernichtung menschlicher Möglichkeiten eine Neudefinition afrikanischen Menschseins für die Welt einschloß, die die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Beziehungen mit anderen vergiftete, die uns nur noch durch diese Stereotypisierung hindurch kennen lernen, und so zur einer Beschädigung der wahrhaft menschlichen Beziehungen zwischen den Völkern führte".
Der Aufstand in Haiti von 1791 hat die Welt gezwungen, einen riesigen Schritt aufwärts zu machen. Innerhalb der Spanne dieser zwölf Jahre der Revolution, haben wir den Sprung aus den Gräben der Unmenschlichkeit geschafft, in denen wir seit dem 15. Jahrhundert verharrt sind, zu den — noch nicht erreichten, aber jetzt absehbaren — Möglichkeiten echter menschlicher Geschwisterlichkeit [19]. 218 Jahre später ist es offensichtlich, dass dieser riesige Sprung nach oben nicht ausreichte, uns dorthin zu katapultieren, wo wir eigentlich hin gehören als eine hochintelligente Spezies. Deshalb ist es wichtig, dass wir Bwa Kay Iman gedenken und uns inspirieren lassen, die bessere Welt – gemeinsam — aufzubauen, die wir alle anstreben. Also auf, wir sind noch nicht da!
Aber was haben wir mit den Möglichkeiten gemacht, die sich uns seit 1791 eröffnet haben? Es wäre kurzsichtig zu denken, diese Frage sollte nur von den Söhnen und Töchtern Boukmans erörtert werden. Wir alle brauchen die Inspiration von 1791, um Mut zu sammeln: den Mut, die Barbarei zu bekämpfen und über den Terrorismus zu triumphieren, den Mut, sich der Geschichte zu stellen, ihre harten Lektionen zu lernen, was den Preis der Freiheit und den Wert der Gerechtigkeit angeht. Wir brauchen den Mut, die Möglichkeiten für Änderungen zu erkennen und zu erfassen, wo Änderungen fällig sind, und realen, positiven Wandel in unserer Welt zu bewirken, heute.
In den ersten Tagen des Monats September 2001 wurden die Nationen der Welt nach Afrika einberufen und es bot sich ihnen eine einmalige Gelegenheit, einen weiteren großen Schritt für die Menschheit zu unternehmen. Leider gab es unter denen, die die Welt in der Zeit der Konferenz von Durban 2001 anführten, keinen Boukman, keine Cecile Fatiman, keinen John Brown, keinen Dessalines. Unser Tony Blair, Königin Elizabeth II., Georges Bush, Jacques Chirac, Jean Chrétien, Thabo Mbeki, Jean-Bertrand Aristide hätten gar nicht selbst zu Giganten werden müssen, um ihrer Verantwortung in Durban gerecht zu werden. Diese Verantwortung erforderte ganz gewöhnlichen menschlichen Mut, verbunden mit Weisheit - der Weisheit zu erkennen, dass die Zeit gekommen war, schon seit einer ganzen Weile, mit den lange überfälligen Reparationszahlungen an die einheimischen Völker Afrikas und Amerikas zu beginnen. Zu diesem strategisch günstigen Zeitpunkt, als die auf Sklaverei erbauten Imperien unserer Zeit Haushaltsüberschüsse verzeichneten, die es möglich gemacht hätten, den entscheidenden Schritt in Richtung Vergebung und wiederherstellender Gerechtigkeit zu machen, der so gespannt von der Konferenz von Durban vom September 2001 erwartet wurde, erlebte die Welt stattdessen eine verpasste Möglichkeit von gigantischen Ausmaßen. Nur wenige scheinen bemerkt zu haben, wie diese wichtige Gelegenheit sich schnell in Nichtigkeit auflöste über den lauten und verrauchten Schatten des 11. September 2001, dem Kollaps der Türme des World Trade Center in New York City [20].
Es heisst, die Welt habe sich für immer verändert am 11. September 2001. Terrorismus wurde zum "neuen Monster" erklärt. Es ist, als wenn in diesem Augenblick die Weltbevölkerung dazu aufgerufen wurde, an einer Übung kollektiver Amnesie teilzuhaben, von einer Art, die unvorstellbar war vor diesem tragischen Morgen. Globaler Terrorismus ist ein neues Phänomen, das die Menschheit bedroht, behaupteten sie? Millionen von Ureinwohnern der ganzen Welt konnten ihren Ohren nicht trauen! Was ist mit all den schrecklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, von denen wir eben noch in Durban gesprochen hatten, vor ein paar Tagen noch? Was ist mit der MAAFA? Wie konnte es passieren, dass unsere kühnen Pläne, wie man endlich den verursachten Schaden beheben könnte, auf ein mal verdampfen, eben so? Ja, einfach so, die modernen Verfechter der "Liberté, Egalité, Fraternité" stohlen sich davon vor der Gelegenheit, die sich in Durban angeboten hatte. Es gab keinen großen Schritt nach vorn im September 2001. Stattdessen, wieder ein mal zu oft, wurde den Ersten Nationen Afrikas und Amerikas von ihren europäischen Brüdern gesagt, sich müssten sich eben "damit abfinden" [21].
Nach 2001 kam 2004, der 200. Jahrestag der Gründung der abolitionistischen Republik Haiti. Anscheinend waren weder die Briten noch die Franzosen, weder die Spanier noch die Nachkommen der Eroberer in der Stimmung, Freiheit und Menschenwürde gemeinsam mit den Nachkommen von Boukman und Grann Iman zu feiern. Stattdessen wurde Haitis Staatschef, der ein paar Monate zuvor noch die Worte REPARATION und ENTSCHÄDIGUNG geäußert hatte, gewaltsam entfernt aus seiner Wohnung durch weiße ausländische Soldaten und ins erzwungene Exil nach Afrika geschickt, wo er sich bis zum heutigen Tag aufhält.
Gewisse Leute, die sich selbst als "seriös" beschreiben, sagen, es sei unanständig, das, was in dieser schmachvollen Nacht des 29. Februar 2004 zum Vorschein kam, einen "Staatsstreich" zu nennen – einen Vorgang also, der zweifelsfrei eine gewalttätige und kriminelle Verletzung der "Demokratischen Charta Amerikas" darstellt – seht her! [22]. Es muss genügen zu sagen, dass wir 2004 eine weitere Gelegenheit verpasst haben.
Dann kam das Jahr 2007, als ihre britische Majestät Königin Elizabeth II. und ihre geliebten Untertanen es als angemessen und richtig erachteten, der Bemühungen eines William Wilberforce zu gedenken, dessen Gesetzeserlass von 1807, so sagen sie, als ein weltbewegender Erfolg für die Sache der Abschaffung der Sklaverei zu gelten habe. Unglücklicherweise für die Royals gab es eine Menge Stimmen, die den harmonischen Chor störten, den sie von ihren loyalen Untertanen darauf hin erwartet hatten. Denn einige von ihnen standen auf und erinnerten die Welt daran, dass etwas über drei Jahre vorher Haitis General Jean-Jacques Dessalines bereits die Abschaffung der Rassen–Sklaverei verkündet hatte, die zu besiegen ihm eine aufrichtige Angelegenheit war, nachdem er zuvor unter anderem schon die britische Armee besiegt hatte. Innerhalb England selbst arbeitete eine Organisation namens „Operation Truth 2007“ unermüdlich daran, den schändlichen Versuchen des britischen Staates, die Geschichte zu fälschen, entgegen zu treten [23]. Eine Veröffentlichung nach der anderen wurde präsentiert, um angemessen zu dokumentieren, wie die sogenannten 2007 Gedenkfeiern gezielt dazu genutzt wurden, die Rolle, die Afrikaner in der Abschaffung der Rassen-Sklaverei gespielt hatten, herunter zu spielen, während zur selben Zeit die zweifelhaften Beiträge von Leuten wie Wilberforce in dieser Angelegenheit grandios übertrieben wurden. [24]
So wurde 2007 zu einer weiteren vergebenen Chance, uns mutig mit den bleibenden Narbenzu befassen, die die MAAFA auf der Menschheit hinterlassen hat. [25]
Doch dann kam 2008! Sicher doch, jeder muss die guten Nachrichten gehört haben. Der Tag ist endlich gekommen, und dieses Mal nennt es sich "Change We Can Believe!" [Wandel, an den wir glauben können - A.d.Ü.]. Das Gesicht des Wandels im Jahr 2008 ist groß, dunkel und "hübsch anzusehen", laut Berlusconi. Von gemischter europäischer und afrikanischer Herkunft, wie Haitis Grann Iman (Cécile Fatiman) in der Ruhmeshalle der Bwa Kay Iman — der neue Superstar-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Hussein Obama, ist an der Macht. Er ist der "Wandel", der alles richtig machen wird, einfach so. Oder so scheinen viele zu denken! Seit seinem bemerkenswerten und inspirierenden, kometenhaften Aufstieg an die Macht, hat Obama, der erst kürzlich von einer kleinen Rundreise durch das Vaterland Afrika zurückgekehrt ist, alles Mögliche getan um es zu vermeiden, das Wort REPARATION auszusprechen. Er würde deshalb sicher nicht einfach abgesetzt werden in einem Staatsstreich. Nach der Ankunft mit seiner schönen schwarzen Familie im Weißen Haus, sah er sich auch gezwungen, seinen Pastor, Rev. Jeremiah Wright, bloß zu stellen, der nachlässig ein paar unbequeme Wahrheiten zu viel und zur falschen Zeit ausgesprochen hatte über den unsichtbaren amerikanischen Elephanten – den schwelenden Rassismus der "White Supremacy" [weiße Vorherrschaft - A.d.Ü.], der die Gesellschaft durchdringt. Bis hierhin war es Obama also möglich, sich durch die Magie der Worte und neuerdings auch mit "Bier-Diplomatie", einen Weg aus der gefahrvollen Landschaft von Thomas Jeffersons und Sally Hemmings unvollkommener Verbindung zu manövrieren. Wir müssen anerkennen, dass Barack tatsächlich gut ist in dem, was er da macht! Es ist jedoch zu früh, festzustellen, ob Präsident Obama schon genug Baby-Schritte gemacht hat - wenn überhaupt irgend welche - in Richtung der restaurativen Gerechtigkeit, die unsere Welt so dringend und so bitter nötig hat.
Vor ein paar Tagen, inmitten eines bösartigen Staatsstreichs in Honduras, einem blutigen Terror-Feldzug in Afghanistan und gefälschten Wahlen im UN-besetzten Haiti, versuchte jemand, der sich ernsthafte Sorgen um meine geistige Gesundheit macht, mich mit einem Gute-Nachrichten Gerücht abzulenken: "Das US-Außenministerium, so wird behauptet, ist im Begriff, die Ernennung von Dr. Paul Farmer als Leiter von U.S.A.I.D. zu verkünden:" Ja, dieser weiße Kerl, der sagte, er fühle sich glücklich und privilegiert, sich den Haitianern bei ihrer Zweihundertjahrfeier ihrer jetzt verarmten Abolitionisten–Republik anschliessen zu dürfen! Der seltene Fall eines Amerikaners, der nicht afrikanischer Abstammung ist, und sich doch berechtigt fühlt, Bwa Kay Iman als "riesigen Schritt für die Menschheit" zu beschreiben; dieser unorthodoxe Harvard-diplomierte Doktor der Medizin, der über zwanzig Jahre damit verbracht hat, den am meisten gefährdeten Menschen in Haiti und Ruanda zu dienen, Paul Farmer von „Partners in Health“ und Autor von „The Uses of Haiti“ — genau dieser Kerl! Er sollte zum Steuermann der US-Agentur für Internationale Entwicklung ernannt werden (USAID). Das heißt: die gleiche USAID, die bis dahin konsequent den Umsturz progressiver Regierungen in Nord-und Südamerika finanziert hatte, unter dem Deckmantel der Hilfe für die "correction démocratique"? Nun, das ist, was ich einen großen Schritt nennen würde, zumindest für die Vereinigten Staaten von Amerika! Aber, so schnell wie wir verführt wurden, auf diese wilden Gerüchten ernsthafte Gedanken zu verschwenden, erhielten wir auch Hinweise darauf, dass es noch zu früh war davon zu träumen, dass das US-Außenministerium müde geworden war, in Hilfs-Sackgassen [im Original „dead-aid“: „Toten–Hilfe“ oder dead-end und life-aid] zu investieren und nun bereit wäre zu prüfen, ob Leben und Menschenwürde als wertvolle Ziele der Investitionen von USAID gelten sollten. [26]
Wie viele Gelegenheiten haben wir schon verpasst im Jahr 2009?
Was hat ein Mann, was hat eine Frau gewonnen, wenn sie die Welt erobert, aber die eigene Seele verloren haben?
Ich lade sie dazu ein, mit mir auf die inspirierenden Lebengeschichten von Grann Iman und Boukmaan zu blicken, um auf diese Fragen Antworten zu finden, während ich allen einen glückliche Bway Kay Iman Feiertage wünsche!
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Anmerkungen:
[1] ⇑ Zu John Hawkins schreibt der Historiker Walter Rodney: "Nach der Rückkehr nach England von seiner ersten Reise war sein Gewinn so ansehnlich, dass Königin Elisabeth I. interessiert daran war, sich unmittelbar an seiner nächsten Unternehmung zu beteiligen, und sie stellte ihm zu diesem Zweck ein Schiff mit dem Namen „Jesus“ zur Verfügung. Hawkins zog davon mit Jesus, um noch ein paar mehr Afrikaner zu stehlen, und kehrte nach England zurück mit solch hohen Dividenden, dass Queen Elizabeth ihn zum Ritter schlug. Hawkins wählte als sein Wappen die Darstellung eines Afrikaners in Ketten." How Europe Underdeveloped Africa, Walter Rodney, 1972 [Andere Werke von Rodney, siehe hier.]
[2] ⇑ Papst Nikolaus V veröffentlichte die päpstliche Bulle Dum Diversas am 18. Juni 1452, die wie folgt lautet: "Wir, die Voraussetzungen in allem wie im Einzelnen abwägend mit der gebotenen Meditation, stellen fest, wie wir früher bereits in anderen Briefen von uns dem vorgenannten König Alfonso unter anderem freies und ausreichendes Vermögen gewährt haben — alle Sarazenen und Heiden, welcher Art auch immer, und andere Feinde Christi, wo auch immer gelegen, zu erobern, zu durchsuchen, festzusetzen, zu besiegen und zu unterwerfen die Königreiche, Herzogtümer, Fürstentümer, Herrschaften, den Besitz und alle beweglichen und unbeweglichen Güter überhaupt, die sich in ihrem Bereich und Besitz befinden, und ihre Personen selbst in ewige Sklaverei herabzusetzen und dies alles zu verwenden und so sich anzueignen, für sich selbst und seine Nachfolger, die Königreiche, Herzogtümer, Grafschaften, Fürstentümer, Herrschaften, Besitz und Gütern, und diese zu seiner und ihrer Nutzen und Gewinn zu verwenden — indem solches Vermögen zugesichert ward, hat der König Alfonso, oder die von seiner Hoheit bestimmte Nachkommenschaft, gerecht und rechtmäßig erworben und in Besitz genommen diese Inseln, Länder, Häfen, und Meere, und sie bleiben von Rechts wegen im Besitz und gebunden an besagten König Alfonso und seine Nachfolger."
[3] ⇑ Das Wort '''Maafa''' (auch bekannt als der „Afrikanische Holocaust“) ist abgeleitet von einem (Kiswahili) Ausdruck, der eine Katastrophe, eine schreckliches Ereignis oder eine Tragödie bezeichnet. Der Begriff bezieht sich heute im allgemeinen auf die pan-afrikanischen Studien der 500 jährigen Geschichte des Leidens der Bevölkerung afrikanischer Herkungt durch Sklaverei, Imperialismus, Kolonialismus, Unterdrückung, Invasionen und Ausbeutung. [Siehe auch der Artikel in der englischen wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Maafa - ein deutscher Artikel existiert bislang nicht. - A.d.Ü.]
[4] ⇑ Bwa Kay Iman ist die Stätte der Vodou Zeremonie unter dem Vorsitz von Boukman und Cecile Fatiman am 14. August 1791. Es wird allgemein als der Ausgangspunkt für die haitianische Revolution angenommen. Es ist in der nördlichen Region von Morne Rouge auf Haiti gelegen, südwestlich des Cap Haïtien. Es gibt auch Vorschläge, dass der Name dieser Stätte vom französischen "Bois Caiman" (Holz des Alligators) stammt. Andere schlagen stattdessen vor, dass der Name vom kreolischen "Bwa Kay Iman" oder "Wald beim Haus des Iman" abgeleitet ist.
[5] ⇑ Es gab die Annahme einer göttlichen Legitimation des physischen Systems der Unterwerfung und Unterdrückung, ein System, das motiviert war und erhalten wurde allein durch Gier und Unwissenheit und durch das Christentum entschuldigt wurde, manchmal sogar verbunden mit der Vorstellung, zum einem gewissen Teil der Christianisierung "heidnischer" Menschen zu dienen. Einige Verfechter der Sklaverei in den Südstaaten Vereinigten Staaten in der Zeit vor dem Krieg argumentierten zum Beispiel, dass Schwarze in den USA „erhöht werden, von der erniedrigenden Sklaverei des barbarischen Heidentums zur Teilhabe an Zivilisation und Christentum". (Conser, Walter H.: „God and the Natural World: Religion and Science in Antebellum America", 1993, Seite 120. Zitiert nach http://en.wikipedia.org/wiki/Maafa.)
[6] ⇑ "Cecile Fatiman, die Frau von Louis Michel Pierrot, der ein schwarzes Bataillon bei Vertieres anführte und später Präsident von Haiti wurde, nahm an der Zeremonie Bois Caiman teil: Sie war eine Mambo [Vodou Priesterin]. Die Tochter einer afrikanischen Frau und eines korsischen Prinzen, Cecile Fatiman, war eine Mulattin mit grünen Augen und langem schwarzen seidigem Haar, die mit ihrer Mutter in Saint Domingue in die Sklaverei verkauft wurde. Ihre Mutter hatte auch zwei Söhne, die auf der Auktion spurlos verschwanden. Cecile Fatiman lebte am Kap bis zum Alter von 112, im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte.“ Quelle: Etienne Charlier's "Apercu historique sur la Formation de la Nation haitienne" (1954).
[7] ⇑ Boukman (auch Boukmann, Dutty Boukman oder Zamba Boukman) war ein Anführer der Rebellion in den ersten Anfängen. Er war nach Haiti über Jamaika gekommen, um dort zu einem Marron in den Wäldern von Morne Rouge zu werden. Gigantisch, kraftvoll, wild und furchterregend, war er ein inspirierender Anführer.
[8] ⇑ Vorgeschlagene englische Übersetzung Boukman's Prayer auf theLouvertureProject.org: "The god who created the earth; who created the sun that gives us light. The god who holds up the ocean; who makes the thunder roar. Our God who has ears to hear. You who are hidden in the clouds; who watch us from where you are. You see all that the white has made us suffer. The white man's god asks him to commit crimes. But the god within us wants to do good. Our god, who is so good, so just, He orders us to revenge our wrongs. It's He who will direct our arms and bring us the victory. It's He who will assist us. We all should throw away the image of the white men's god who is so pitiless. Listen to the voice for liberty that speaks in all our hearts."
[9] ⇑ Der französische General Donatien Rochambeau war berüchtigt für seine Verwendung von auf menschliches (afrikanisches) Futterfleisch trainierten Hunden auf Kuba. Die Tiere wurden auf die Insel verbracht ohne Lebensmittelrationen unter der ausdrücklichen Anweisung von Napoleon, dass sie ausschließlich mit Menschenfleisch gefüttert werden sollten. Siehe „La férocité blanche: Génocides occultés de 1492 à nos jours“, Amelia Pumelle-Uribe [hier].
[10] ⇑ William Wilberforce, der den britischen Gesetzeserlass von 1807 inspirierte, schrieb in genau dem selben Jahr ein Pamphlet, in dem er erklärt:. "Es wäre falsch (die versklavten Afrikaner) zu emanzipieren, ihnen Freiheit zu gewähren wäre gleichbedeutend nicht nur mit dem Ruin ihrer Herren, sondern ebenso ihrem eigenen. Sie müssen (zunächst) geschult und ausgebildet werden für die Freiheit.“ Um die Wahrheit zu sagen, es gab dringende militärische und wirtschaftliche Sachzwänge, die Großbritannien dazu veranlassten, den Akt von 1807 zu erlassen, der lediglich den sogenannten "Handel" illegal machte, aber nicht die Rassen-Sklaverei im britischen Hoheitsgebiet abschaffte. Über eine Million gefangene Afrikaner wurden noch immer von der britischen Regierung rechtlich als menschliches Eigentum betrachtet und gewaltsam gefangen gehalten, für weitere zwei Jahrzehnte. Dem Akt von 1807 folgend, führte die britische Marine eine Geldbuße von 100 Pfund für die Kapitäne von Sklavenschiffen ein, pro versklavter Person, die an Bord gefunden wurde. Dies bedeutete auch, daß Tausende und Abertausende von Afrikanern den Haien zum Fraß vorgeworfen wurden von Sklavenhändlern, die versuchten diese Strafen zu umgehen. Wie sehr hat die britische Regierung wohl von diesen Geldbußen profitiert?
[11] ⇑ Es ist das bemerkenswert, dass ein offensichtlich nicht freundlich gesonnener weißer Missionar in seiner "Brief History of Dessalines from 1825 Missionary Journal" [hier] die kaum bekannte Tatsache einbrachte, dass Dessalines einen Aufruf veröffentlicht hat, in dem er den Kapitänen der amerikanischer Schiffe die Summe von vierzig Dollar anbot für jeden einzelnen eingeborenen schwarzen Mann jeglicher Hautfarbe, sollten sie wieder auf den Weg nach Haiti zurück gebracht werden. Die eigentliche Proklamation vom 14. Januar 1804, lautet wie folgt: „Freiheit oder Tod! Regierung von Haiti, Hauptquartier, 14. Januar 1804, dem ersten Jahr der Unabhängigkeit Haitis. Der Generalgouverneur, bedenkend, dass viele schwarze und farbige Männer in den Vereinigten Staaten alle Arten von Schwierigkeiten, erdulden müssen, weil sie nicht die Mittel haben, nach Haiti zurückkehren, erlässt für die Kapitäne amerikanischer Schiffe die Summe von vierzig Dollar für jede Person, die sie ins Land bringen. Dieses Dekret wird gedruckt, veröffentlicht, sofort versendet, und eine Kopie wird sofort an den Kongress der Vereinigten Staaten geschickt. Der General-Gouverneur, Dessalines.“
[12] ⇑ Das Charles X Schutzgeld [Charles X Ransom], vorläufig auf 150 Millionen Franken festgelegt durch die Franzosen, wurde von Haiti mit Waffengewalt zwischen 1825 und 1947 erpresst.
[13] ⇑ MICHAELLE JEAN CALLED TO MAKE A REAL DIFFERENCE IN THE WORLD: (British Crown to Pay Long Overdue Reparations) by Jafrikayiti, April 7, 2007
[14] ⇑ Im Jahr 1822 verwandelte sich das Geflüster von Freiheit und Gleichheit, das unter der schwarzen Bevölkerung von Charleston zirkulierte, in Taten, als Vesey den Plan für einen Sklavenaufstand skizzierte. Mehr als 9.000 Sklaven und freie Schwarze wurden angezogen von Veseys Komplott, die Stadt Charleston zu "befreien". Denmark Vesey und seine Mitverschwörer standen in Kontakt zum damaligen Präsidenten Haitis, Boyer. Tatsächlich hatte einer der Leutnants von Vesey, Montag Gell, zwei Briefe an den Präsidenten von Haiti geschrieben, in denen er um Unterstützung für den geplanten Aufstand bat.
[15] ⇑ Juli 1861: Spanische Kanonenboot Aggression gegen Haiti. Streitpunkt: haitianische Unterstützung der dominikanischen Generäle Cabral und Sanchez, im Widerstand gegen die versuchte spanische Annexion der Dominikanischen Republik. Der spanische Admiral Rubalcava erhält 200.000$ Lösegeld und 21-Salutschüsse vom haitianischen Präsidenten Nicholas Fabre Geffers.
1861–1865: Spanien annektiert die benachbarte Dominikanische Republik auf Gesuchen der weißen und mulattischen Minderheit. Aus Angst vor einer Rückkehr der Sklaverei auf der Insel, hilft Haiti anti-spanischen Truppen in der Dominikanische Republik die Unabhängigkeit wiederzuerlangen.
1872: Deutsche Kanonenboot Aggression gegen Haiti. Kommodore Karl Ferdinand Batsch kassiert 3000 Pfund Sterling von der haitianischen Regierung und entehrt die haitianische Flagge mit deutschen Exkrementen. [A.d.Ü.: Diese Bemerkung ist durchaus wörtlich zu verstehen und bezieht sich auf einen glaubhaft verbürgten, historischen Vorfall, der hier dargestellt ist: http://www.iacenter.org/haiti/impact.htm]
1877, März: Französische Kanonenboot Aggression gegen Haiti. Streitpunkt: Wiederaufnahme der Zahlungen der Lösegelder von 1825 – die Restsumme wurde dann neu auf 20 Millionen Goldfranken geschätzt.
Dezember: Wiederholung der spanischen Kanonenboot Aggression gegen Haiti. Streitpunkt: Mutmaßliche haitianische Hilfe für Rebelle, die für die Aufhebung der Sklaverei auf Kuba kämpfen.
August 1883: Mitten in den Bevölkerungs-Unruhen in der Hauptstadt Port-au-Prince hinein, unterzeichnen diplomatische Vertreter Frankreichs, Großbritanniens, Deutschland, Belgien, Spanien, Holland, Norwegen und Schweden ein Ultimatum, in dem sie dem haitianischen Präsidenten Lysius Féllicité Salomon androhen, Haitis National Palast zu bombardieren. Siehe: Jean Saint-Vil: „Time to Stop Resisting Haiti’s Resistance“, November 2002.
[16] ⇑ Ein haitianischer Freund informierte den Autor darüber, dass, während eines Besuchs im August 2009 in Kuba, seine Gastgeber, darunter auch Beamte der kubanischen Regierung, stolz auf die wenig bekannte Tatsache hinwiesen, dass Haiti durch einen Paß dem Gründervater ihrer Nation den Kampf für die Unabhängigkeit von Spanien erleichtert hat.
[17] ⇑ "Vergesst nicht, meine lieben Kinder, sagte ich ihnen, was ihr seid: versklavt, aber dabei doch Christen wie eure Herren auch, daß … diejenigen, die nicht christlich sind, nach ihrem Tod in die Hölle herabsinken. … Welches Unglück für euch, wenn ihr, nachdem ihr Sklaven der Männer dieser Welt und dieser Zeit gewesen seid, ihr zu Sklaven des Teufels in alle Ewigkeit werden solltet. Dies Unglück wird jedoch unweigerlich passieren, wenn ihr nicht eurer Pflicht nachkommt, weil ihr euch in einem gewohnheitsmäßigen Zustand der Verdammnis befindet, da, nicht zu reden von dem Schaden, den ihr euren Herren zufügt, indem ihr sie eurer Arbeitskraft beraubt… ihr nie auch nie in die Nähe der heiligen Sakramente gelangen könnt… Kommt also zu mir, meine lieben Freunde." Pè Fauque de Cayenne ki ap preche, Les marrons de la liberté, p.504 Jean Fouchard, Editions de l’école, 1972. (Im Original: "Souvenez-vous, mes chers enfants, leur disais-je, que quoi que vous soyez esclaves, vous êtes cependant chrétiens comme vos maîtres; que … ceux qui ne vivent pas chrétiennement tombent après leur mort dans les enfers. …Quel malheur pour vous si, après avoir été les esclaves des hommes en ce monde et dans le temps vous deveniez esclaves du démon pendant toute l'éternité. Ce malheur pourtant vous arrivera infailliblement si vous ne vous rangez pas à votre devoir puisque vous êtes dans un état habituel de damnation: car, sans parler du tort que vous faites à vos maîtres en les privant de votre travail… vous n'approchez point des sacrements….Venez à moi mes chers amis.")
[18] ⇑ Das Grab des Scipio Africanus. Scipio Africanus (1702 — 21. Dezember 1720) war ein Sklave, der geboren wurde als Kind unbekannter Eltern aus Westafrika. Er ist in Erinnerung geblieben wegen dem aufwendigen Grab, bestehend aus bemaltem Grabstein und Bodenplatte, auf dem Kirchhof von St. Mary's in Henbury, einem denkmalgeschützten Gebäude [1]. Beide Steine enthalten schwarze Cherub-Engel und die Grabplatte trägt den ungewöhnlichen Epitaph:
„Ich, geboren als Heide als Sklave
Nun schlafe süß ein Christ in mein Grabe
Das trotz meiner dunklen Farbe durch meines Erretters Anblick
Die Finsternis in strahlendes Licht verwandeln wird
Solche Gnade mir mein Herr auf Erden gegeben
Mich zu meinem Herrn im Himmel zu empfehlen
Dessen glorreiche Wiederkunft ich hier erwarte
Mit Heiligen und Engeln ihn zu feiern.“
Im Original:
I who was Born a PAGAN and a SLAVE
Now sweetly sleep a CHRISTIAN in my Grave
What tho' my hue was dark my SAVIOR'S sight
Shall Change this darkness into radiant Light
Such grace to me my Lord on earth has given
To recommend me to my Lord in heaven
Whose glorious second coming here I wait With saints and Angels him to celebrate
Es wird vermutet, dass 10.000 schwarze Sklaven und Diener sich in Großbritannien im frühen 18. Jahrhundert aufhielten, aber dies ist eines der sehr wenigen Denkmäler für sie (Oxford Dictionary of National Biography).
[19] ⇑ Nicht nur war es Sklaven nicht erlaubt, vor dem Gesetz zu heiraten, wie ihnen überhaupt jedes religiöse und amerikanische zivilrechtliche Verfahren untersagt war, ebenso aber waren ihre Stammes-Zeremonien verboten, die gemeinsamen Kinder durften nicht bei ihren Eltern aufwachsen, die auch selbst nie offiziell vereinigt sein konnten. Ihre Kinder wurden oft weiter verkauft. (Black Families in Therapy, Second Edition: Understanding the African American Experience. 2006, Seite 7–8)
[20] ⇑ The World Conference against racism, racial discrimination, xenophobia and related intolerance, Durban South-Africa – 31. August 2001 bis 7. September 2001.
[21] ⇑ Herkömmliche westliche Erzählweisen der Geschichte werden häufig als anti-afrikanisch oder eurozentrisch kritisiert, zum Beispiel in Bezug auf die Jahrhunderte der Verfolgung und Entrechtung, die als bloße Nebenwirkung kommerzieller Unternehmungen gesehen wird. Vorurteilsbeladene Berichte über afrikanische Gesellschaften, Kulturen, Sprachen und Völker von westlichen Gelehrte gibt es im Überfluss, hingegen bleiben die Stimmen von Afrikanern und Afrikanern in der Diaspora oft stumm oder werden an den Rand gedrängt. Bis in die 1960er Jahre litten Afro-Amerikaner unter dem Phänomen, das ein Historiker als "historische Unsichtbarkeit" bezeichnet hat. Fredrickson, George M.: The Arrogance of Race: Historical Perspectives on Slavery, Racism, and Social Inequality. 1988, Seite 112.
[22] ⇑ Während kanadische Soldaten den Toussaint Louverture International Airport in Port-au-Prince bewachten, wurden der Präsident von Haiti, Jean-Bertrand Aristide und seine Frau Mildred Trouillot Aristide im Morgengrauen des 29. Februar 2004 von US-Beamten in ein Flugzeug gesetzt.. Dem weltweit bekannten afroamerikanischen Autor und Aktivisten Randall Robinson zufolge, der mehrere Augenzeugen dieses Vorgangs interviewt hat, gehörte dieses Flugzeug zu keiner kommerziellen Fluglinie. Kein Mitglied der Aristide–Regierung und keinerlei Medienvertreter befanden sich auf dem Flughafen, als Mr. und Mrs. Aristide effektiv entführt und nach einem Tankstopp in der Karibik-Insel Antigua gegen ihren Willen in die Zentralafrikanische Republik gebracht wurden. Siehe: WHAT IS CANADA REALLY DOING IN HAITI?, Jean Saint-Vil, April 2009.
[23] ⇑ Operation TRUTH 2007 ist eine pan-afrikanische, von Afrikanern angeführte Kampagne, die Einwände gegen alle Arten von Aktivitäten hervorzuheben, die zum Ziel haben, das Jahr 1807 als im positiven Sinn bedeutend für Menschen afrikanischer Abstammung darzustellen.
[24] ⇑ Nach den historischen Aufzeichnungen, hat "Wilberforce es nicht nur abgelehnt, versklavte Afrikaner sofort in die Freiheit zu entlassen, er war ebenso aktiv darum bemüht, die haitianische Revolution, die zur Freiheit der versklavten Afrikaner führte, zu untergraben." Siehe die Online-Debatte im Jahr 2008 mit dem Titel: War William Wilberforce ein Freiheitskämpfer (hier: Was William Wilberforce a freedom fighter)?
[25] ⇑ „Mein Protest war aus der Wut geboren, nicht aus Wahnsinn“ erklärt Toyin Agbetu im Guardian, Dienstag, 3. April 2007.
[26] ⇑ „Paul Farmer für USAID? — Mehrere Experten der Außenpolitik von Kapitol und in Washington berichten, aus dem Weißen Haus sei zu hören, dass Paul Farmer als Kandidat für USAID genannt wurde, eine Entscheidung, die direkt im Weißen Haus getroffen worden sei. Es wurde dabei nicht klar, was der Grund dafür war, und ein Vertreter von Farmers Gruppe „Partners in Health“, konnte dazu noch nicht erreicht werden.“ Quelle: "Paul Farmer out for USAID?"




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