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Ein offener Brief an Amazon

Der Medienriese hat WikiLeaks von seiner Webseite verbannt

von Daniel Ellsberg

05.12.2010 — ZCommunications

— abgelegt unter:

Offener Brief an Amazon.com

An Jeff Bezos und Amazons 'Customer Service' ZCommunications vom 5. Dezember 2010

Die Feigheit und der vorauseilende Gehorsam mit dem Amazon die Webseite von WikiLeaks gekündigt hat - angesichts der Drohungen des US-Senators Joe Lieberman und anderer rechter Kongressabgeordneter - widern mich an. Ich möchte nichts mehr mit einem Unternehmen zu tun haben, das Parlamentarier und Regierungsangehörige dazu ermutigt, sich China zum Vorbild zu nehmen, wenn es um den Umgang mit Informationen bzw. Whistleblowern geht.

In den vergangenen Jahren habe ich bei Amazon pro Monat - neue und gebrauchte - Bücher im Wert von mehr als $100 bezogen. Das gehört der Vergangenheit an. Ich habe mich mit dem Kundenservice (Customer Service) von Amazon in Verbindung gesetzt und meine Geschäftsbeziehungen (Amazon Prime, Amazon-Kreditkarte, Amazon-Konto) beendet und sie gebeten, sämtliche Daten von mir (Kreditinformationen und Kontaktdaten) zu löschen und sich nicht mehr bei mir zu melden.

Ich könnte es verstehen, wenn auch andere Kundinnen und Kunden so empfinden und handeln würden. Gut. Je mehr Menschen sich - möglichst bald - an dem Boykott beteiligen, desto besser. Ich hoffe, dass diese Personen die Leute auf ihrer Kontaktliste über ihre Entscheidung informieren und diese Kontaktpersonen ermutigen werden, das Gleiche zu tun und Amazon.com ausführlich zu erläutern, warum sie diese Entscheidung getroffen haben. Ich habe meine Freunde heute gefragt, ob sie mir Alternativen empfehlen können. Ich habe sämtliche Links zu Amazon von meiner Webseite entfernt. Ich werde Powell's Books testen, IndieBound, Biblio und andere virtuelle Buchläden.

Bislang hat sich Amazon die zusätzliche Blamage eines öffentlichen Erklärungsversuchs erspart. Für Amazon-Insider, die Bescheid wissen und die vielleicht dokumentieren könnten, in welcher Weise politischer Druck ausgeübt wurde (und Details der hastigen, überstürzten Entscheidung ihrer Bosse kennen), wäre dies vielleicht der richtige Zeitpunkt, um Informationen durchsickern zu lassen. Sie könnten diese Informationen an WikiLeaks senden (dessen neuer Server außerhalb der USA liegt) oder an professionelle Journalisten oder an Blogger - oder an die Webseite von antiwar.com (diese Webseite hat konsequenterweise beschlossen, keine Bücher mehr von Amazon zu beziehen und zu einem Boykott aufzurufen).

Falls Ihr Leute von Amazon noch mehr über Eure Feigheit lesen wollt, empfehle ich Euch den exzellenten Artikel von Glenn Greenwald*.

*'Glenn Greenwald on Joe LIeberman's Thuggish, Authoritarian Attack on WikiLeaks' (alternet.org)

Orginalartikel: Open Letter to Amazon.com
Übersetzt von: Andrea Noll
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