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Eine lange nächtliche Reise in einen neuen Tag: Aristide kehrt nach Haiti zurück

Exklusiv-Interview auf dem Rückflug mit Amy Goodman

von Jean-Bertrand Aristide

22.03.2011 — Democracy Now:


Der ehemalige Präsident Haitis, Jean-Bertrand Aristide und seine Familie sind in der vergangenen Woche nach Haiti zurückgekehrt. Es war ihre erste Reise nach Haiti seit sieben Jahren. 2004 wurde Aristide durch einen von den USA unterstützten Putsch gestürzt. Vor kurzem veröffentlichten die Whistleblower von WikiLeaks ein Telegramm des US-Außenministeriums aus dem Jahre 2005, aus dem hervorgeht, dass amerikanische und französische Diplomaten mehreren Karibikstaaten und Südafrika gedroht hatten, deren Sitze im UN-Sicherheitsrat zu blockieren, sollte Aristide nicht im südafrikanischen Exil gehalten weden. Jetzt telefonierte der amerikanische Präsident mit dem Präsidenten von Südafrika, Jacob Zuma, um ihm zu sagen, dass man nicht wolle, dass Aristide nach Haiti fliege. Doch Südafrika weigerte sich zu gehorchen. In unserer heutigen exklusiven Sondersendung bei Democracy Now! geht es um Aristides Rückkehr nach Haiti. Amy Goodman war mit an Bord. Als sich das Flugzeug Haiti näherte, führte sie dieses Interview.

Amy Goodman:
In der vergangenen Woche kehrte der ehemalige haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide mit seiner Familie nach Haiti zurück. Sieben Jahre hatten sie im Exil verbracht. Ich saß mit in dem Flugzeug, das von Südafrika über Dakar/Senegal nach Port-au-Prince/Haiti flog und führte für Democracy Now! ein Exklusiv-Interview. Aristide war 2004 aus dem Amt gezwungen worden, nachdem die USA einen Putsch gegen ihn unterstützt hatten. Das geschah am 29. Februar 2004. In den frühen Morgenstunden jenes Tages kam die Nummer Zwei der Amerikanischen Botschaft auf Haiti in das Haus von Präsident Aristide. Er wohnte damals in Tabarre/Haiti. Aristide und seine Frau wurden in aller Eile zu einem weißen Flugzeug mit amerikanischer Flagge und amerikanischem Militär- und Sicherheitspersonal gebracht und in die Zentralafrikanische Republik ausgeflogen. Nachdem die Familie Aristide mehrfach vergebens versucht hatte, in die westliche Hemisphäre zurückzukehren, ließ sie sich schließlich in Südafrika nieder. Die Regierung Bush hatte sie vor einer Rückkehr in die westliche Hemisphäre gewarnt. Der damalige US-Botschafter auf Haiti, Foley, sagte, sie dürften sich Haiti höchstens auf 150 Meilen nähern. Deshalb gingen sie nach Südafrika.

Nach der Abschiebung von Präsident Aristide taten die USA alles, um seine Rückkehr nach Haiti zu verhindern. Ein Telegramm des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2005, das kürzlich von WikiLeaks veröffentlicht wurde, enthüllt, wie amerikanische und französische Diplomaten mehreren Karibikstaaten und Südafrika gedroht hatten, deren Sitze im UN-Sicherheitsrat zu blockieren, sollte der damalige Präsident von Südafrika, Thabo Mbeki, Aristide nicht im südafrikanischen Exil halten. Die durchgesickerten Telegramme belegen außerdem, dass die Franzosen ein Komplott schmiedeten, um Aristides Flug von Südafrika nach Haiti zu verhindern.

Jetzt nahm US-Präsident Obama die Sache selbst in die Hand und rief vergangene Woche den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma an. Obama sagte, Zuma solle Aristide nicht zurück in die Heimat Haiti fliegen lassen. Doch der Südafrikaner wollte sich dem Druck nicht beugen.

Heute bringen wir den zweiten Teil unseres Exklusiv-Interviews, das weltweit gesendet wird. Mein Gesprächspartner ist der ehemalige Präsident von Haiti, Jean-Bertrand Aristide. Wir führten das Gespräch im Flugzeug über dem Atlantik, als wir uns seiner Heimat, Haiti, näherten.

DAS INTERVIEW

Amy Goodman:
Ihr Land, Haiti - hervorgegangen aus einem Sklavenaufstand - war weltweit die erste schwarze Republik. Jahrzehntelang war das Verhältnis Amerikas zu der neuen Republik schwierig. Man befürchtete, die amerikanischen Sklaven könnten sich von diesem Beispiel inspirieren lassen. Sie (die USA) wollten Haiti nicht anerkennen. Können Sie uns etwas über die Beziehungen zwischen den beiden Ländern und über die Geschichte Haitis sagen?

Jean-Bertrand Aristide:
Die USA warteten 58 Jahre lang ab, bevor sie unsere Unabhängigkeit anerkannten. Das ist eine lange Zeit. Allerdings ist mir klar, dass viele Amerikaner wussten, was vorging. Die Amerikaner, die das begriffen haben, sind gute Freunde Haitis. Sie sind vielleicht nicht mächtig genug, um das Böse abzuwenden oder wiedergutzumachen, doch zumindest sind sie mit dem Bösen nicht einverstanden.

Das Einzige, um was Haiti bittet, sind Beziehungen auf  der Basis wechselseitigen Respektes - ganz gleich, um wen es geht, um welches Land. Haiti ist ein Land, in dem die Menschen einander respektieren und selbst respektiert werden wollen. Wenn es uns gelingt, Beziehungen aufzubauen, die auf gegenseitigem Respekt basieren, wird sich vieles ändern. Das ist es, wonach wir streben, was wir schon immer gewollt haben. Wir wollen nicht, dass die anderen uns ohne Gegenleistung respektieren. Nein. Wir wollen sie wirklich respektieren. Und wir wollen, dass sie uns respektieren. Wechselseitiger Respekt - das reicht. Sobald die Beziehungen zwischen den USA und Haiti auf gegenseitigem Respekt beruhen, werden  sowohl die Amerikaner als auch die Haitianer profitieren. Auch künftige Generationen beider Länder werden von der Verbesserung der nachbarschaftlichen Beziehungen profitieren. Das ist alles.


Amy Goodman:
Haiti war die erste schwarze Republik der Welt. Und nun wurde in den USA zum ersten Mal ein Afroamerikaner zum Präsidenten gewählt: Barack Obama. Was möchten Sie ihm gerne sagen?

Jean-Bertrand Aristide:
Ich denke, was wir sagen können, wird die Zukunft ergeben. Im Moment sprechen wir über Themen, die meine Rückkehr betreffen.

Amy Goodman:
Haben Sie in den vergangenen 7 Jahren je damit gerechnet, dass dieser Tag einmal kommen könnte?

Jean-Bertrand Aristide:
Ich wusste immer, dass er kommt. Niemand kann den kollektiven Willen des haitianischen Volkes brechen. Man kann sie für eine gewisse Zeit unterdrücken - aber nicht ewig. Sehen Sie, was passiert. Sehen Sie, was vor sieben Jahren passiert ist. Doch das Volk von Haiti gibt nie auf. Friedlich fordern sie immer weiter, dass man ihnen ihre kollektive Würde wiedergibt. Demokratische Prinzipien müssen respektiert werden, so will es das Volk. Es gibt niemals auf. Sie haben keine Waffen und keine wirtschaftliche Macht, doch ihre Absichten sind gut, und sie haben einen festen Glauben, feste Überzeugungen und demokratische Prinzipien. Sie werden sich weiterhin für diesen Tag einsetzen. Es ist eine Hoffnung - eine kollektive Hoffnung, kollektive Würde.

Amy Goodman:
Die ganze Bewegung (Famni Lavalas) ist wirklich erstaunlich. Sie schwoll an wie eine Woge und hat sie ins Präsidentenamt gespült. Ich spreche hier von (der Bewegung) Lavalas. Über 90 Prozent der Wähler/innen gaben Ihnen damals ihre Stimme. Es war eindeutig eine Reaktion auf die Duvalier-Jahre, auf Papa Doc und Baby Doc Duvalier, auf Unterdrückung, Brutalität und Korruption. Er (Jean-Claude Duvalier) ist ja auch vor kurzem wieder nach Haiti zurückgekehrt. Und nun kehren Sie zurück. Es sind schon sehr ungewöhnliche Umstände - vorsichtig gesagt.

Jean-Bertrand Aristide:
Folgendes ist mir bewusst geworden: Wenn du an das glaubst, was du tust, wenn dein Tun auf Überzeugungen beruht und wenn diese Überzeugungen auf Werten beruhen, auf menschlichen Werten, wie Freiheit - Freiheit für alle - und Gleichheit, bist du stark, stärker als die Leute glauben. So ist das haitianische Volk.

Machen wir uns klar, dass Haiti ein Land ist, das nicht genug Nahrungsmittel produziert, um seine 10 Millionen Einwohner zu ernähren. Die Landwirtschaft machte nur 27 Prozent unseres Bruttosozialproduktes aus. Bereits als ich geboren wurde, 1953 - also schon um das Jahr 1950 herum - hieß es, 8 Prozent der Haitianer leben in Großstädten. Heute leben 35 Prozent aller Haitianer in Großstädten. Anstatt das Land zu bebauen, wo die Menschen, die etwas anbauen, sich selbst ernähren können und sich ihre Würde bewahren, erleben wir das Gegenteil: Die Menschen leben in großen Städten, wo sie weder Arbeit noch Würde finden und das Elend immer schlimmer wird.

Was ich damit sagen will, ist, die ökonomische Katastrophe hat dem haitianischen Volk seine menschlichen Werte nicht nehmen können - auch nicht seine Träume. Ich spreche nicht von närrischen Träumen, sondern von dem Traum, dass alle Menschen frei sein werden und genug zu essen haben werden, von Gerechtigkeit, Bildung, Gesundheitsleistungen für alle. Diese Träume sind ein Modell. Sie treiben das haitianische Volk an weiterzumachen - trotz der Katastrophen, trotz der politischen Katastrophen. Glücklicherweise wissen die Menschen, was gut für sie ist. Ich habe Ihnen vorhin gesagt: Man muss sie (die Haitianer) nur einbeziehen - anstatt sie auszugrenzen. Das reicht schon. Sind die Menschen erst einmal in den kollektiven Prozess eingebunden, finden ihre Stimmen auch Gehör. Dramatische Veränderungen werden kommen, positive Veränderungen.

Amy Goodman:
Und nun kehren Sie also nach Haiti zurück - nicht als Präsident, sondern als Bürger...

Jean-Bertrand Aristide:
Genau.

Amy Goodman:
... von Haiti.

Jean Bertrand Aristide:
Als einfacher Bürger. Ich bin glücklich, ein einfacher Bürger zu sein, yeah.

Amy Goodman:
Andererseits waren sie zwei Jahrzehnte lang - mehr als 20 Jahre lang -, eine führende politische Figur im Land, eine führende Persönlichkeit. Was werden Sie den Menschen auf Haiti sagen, für die Sie das immer noch sind?

Jean-Bertrand Aristide:
Vor vielen, vielen Jahren, bevor ich Präsident wurde, diente ich den Menschen als Priester. Als ich Präsident wurde, sagte ich: Ich werde weiter dienen. Es besteht kein Widerspruch zwischen einem Priester, der dem Volk dient und einem Präsidenten, der dem Volk dient. Nun, als einfacher Bürger, werde ich wieder dienen und mich ihm (dem Volk) zur Verfügung stellen. Das habe ich immer gewollt, und nun wird es wahr. Daher freue ich mich, ich freue mich.

Amy Goodman:
Wer waren Ihre Mutter und Ihr Vater?

Jean-Bertrand Aristide:
Mein Vater starb, als ich 3 Monate alt war. Meine Mutter ist heute 89 Jahre alt. Auch sie ist bereit, nach Haiti zurückzukehren. Derzeit lebt sie bei ihrer Tochter - bei meiner Schwester - in Florida. Ich denke, sie ist schon aufgeregt, weil sie mich noch einmal sehen kann, bevor sie stirbt. Sie hat oft gesagt: "Ich möchte dich (noch einmal) sehen, bevor ich sterbe". Sie wird mich sehen. Aber sie sollte noch nicht sterben - nicht jetzt.

Amy Goodman:
Wie steht es um Ihre Sicherheit auf Haiti, und was ist mit der Sicherheit Ihrer Familie? Was müsste geschehen, damit Sie sich sicher fühlen?

Jean-Bertrand Aristide:
Manche werden mich wohl nicht verstehen, wenn ich sage, dass ich mich mies fühle, wenn ich an meine eigene Sicherheit denke, ohne über die Sicherheit des haitianischen Volkes zu sprechen. Doch jene, die die Lebensbedingungen auf Haiti kennen, werden begreifen, was ich meine. Ja, ich mache mir Sorgen um meine Sicherheit. Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit meiner Kinder. Wir müssen vorsichtig sein. Wir dürfen uns nicht unnötig (Gefahren) aussetzen und kein Risiko eingehen, wenn es um den Schutz unserer Kinder geht. Schließlich sind es Kinder. Doch wenn ich absolut sicher leben würde, wenn ich es mir gut gehen ließe und komfortabel leben würde, während andere nichts zu essen haben, könnte ich nicht zufrieden sein - und das ist gut so. Schließlich lebt die Mehrheit der Haitianer von einem... von weniger als einem Dollar am Tag. Das heißt, die Menschen erleben Tag für Tag was es heißt, ohne jede Sicherheit zu sein. Von weniger als einem Dollar am Tag zu leben, ist - schrecklich.

Manche Leute hören hin und wieder, was es heißt, Hunger zu haben. Sie wissen nicht, was es bedeutet, weil sie immer etwas zu essen hatten. Du begreifst es erst, wenn du als Familienvater oder als Mutter kein Brot für deine Kinder hast, das du auf den Tisch bringen kannst. Du rennst aus dem Haus, und wenn du ohne ein Stück Brot zurückkommst, ist es eine Tragödie. Es ist eine Tragödie, die sich nicht weit von uns abspielt. Sie spielt sich Tag für Tag ab - mitten unter uns, unter Millionen von Menschen. Sicherheit ist für mich sehr wichtig, das weiß ich, aber gleichzeitig denke ich an die Sicherheit des haitianischen Volkes und verbinde beides.

Amy Goodman:
Seien Sie mir nicht böse, wenn ich immer wieder von den Vereinigten Staaten anfange, aber als amerikanische Reporterin richte ich den Blick auf unsere Beziehungen zu Haiti, und ich glaube auch, dass es wichtig ist, die (eine) haitische Sicht auf die USA kennenzulernen. 1991 wurden Sie gestürzt. Der Putsch wurde von den USA unterstützt. 2004 passierte das Gleiche noch einmal. Beidesmal sind Sie zurückgekehrt - beim ersten Mal nach drei Jahren. Damals kehrten Sie in Ihr Amt als Präsident zurück. Dieses Mal waren Sie sieben Jahre lang weg. Dennoch kämpfen die USA verbissen dagegen an. Ein ehemaliger Sprecher des US-Außenministeriums schrieb in einem Internet-Kommentar: "Haiti muss nach vorne schauen und nicht zurückblicken". Er will einfach nicht, dass Sie zurückkehren. Und Präsident Obama rief Präsident Zuma an, damit Zuma Sie nicht nach Haiti fliegen lässt. Doch Sie haben immer durchgehalten.

Jean-Bertrand Aristide:
Ich habe weder meine erste noch meine zweite Rückkehr als Sieg bewertet - als Sieg von irgendjemandem. Allerdings glaube ich, dass die Wahrheit immer gegen die Lüge kämpfen wird und das Licht gegen die Dunkelheit. Wenn du die Wahrheit liebst und die Lüge meidest, dann bist du auf dem richtigen Weg. Du bist glücklich, weil du aufseiten des Guten stehst, aufseiten der Wahrheit und des Lichts. Wir haben keine Probleme damit, wenn eine Person die Wahrheit und das Licht im Moment nicht sieht. Das Problem beginnt, wenn du dich für die Dunkelheit und die Lüge entscheidest. Das ist ein großer Unterschied. Wenn das geschieht, bedeutet das Dunkelheit und Lüge.

Ich kehre zurück. Das bedeutet doppelte Wahrheit und doppeltes Licht. Jene, denen immer klar war, dass es nicht sein kann, dass ein Volk einen Präsidenten wählt und dann unterdrückt wird und seiner Rechte beraubt, jene, die für (meine) Rückkehr gekämpft haben, weil es ihnen um das demokratische Prinzip ging, sind auch fähig, denen zu helfen, die sich der Lüge und der Dunkelheit verschrieben haben. Sie sagen nicht: "Wir sind gut, und ihr seid böse". Nein, sie sagen: "Ihr konntet das Licht nicht sehen, doch jetzt seht ihr es. Das ist gut. Wenden wir uns dem Licht zu. Wenden wir uns der Wahrheit zu. Sagen wir gemeinsam: Wir tun es, wir verwandeln die Welt in einen besseren Ort." Wenn in der Welt erst einmal Wahrheit und Licht herrschen, werden Millionen von Menschen positive Erfahrungen in ihrem Leben machen. Zu viele Menschen lügen noch, zu viele Menschen wenden sich der Dunkelheit zu.

Amy Goodman:
Einige Zeitungen in den USA haben geschrieben: Zwei Despoten kehren zurück - Jean-Claude Duvalier und Jean-Bertrand Aristide.

Jean-Bertrand Aristide:
Das ist Lüge und Dunkelheit. Genau das wollte ich damit sagen. Hinzu kommt, dass es Leute gibt, die fürs Lügen bezahlt werden. Man kann sie nicht davon abhalten zu lügen. Sie wollen lügen, weil sie dafür bezahlt werden. Es ist traurig. Aber es gibt auch viele andere, die die Wahrheit lieben. Sie kennen den Unterschied zwischen Licht und Dunkelheit.

Amy Goodman:
Als Sie das erste Mal Präsident wurden, forderten Sie eine Erhöhung des Mindestlohnes.

Jean-Bertrand Aristide:
Ja.

Amy Goodman:
Viele fragen sich, ob das mit ein Grund war, weshalb sie drei Jahre lang verbannt wurden durch...

Jean-Bertrand Aristide:
Es hing damit zusammen. Es hatte damit zu tun, wenn Sie mir erlauben, das zu sagen. Es hing damit zusammen, ja.

Amy Goodman:
Aber warum?

Jean Bertrand Aristide:
Weil es Leute gibt, die den Neokolonialismus durchsetzen wollen. Neokolonialismus heißt, die Haitianer sollen umsonst beziehungsweise für Centbeträge arbeiten. Wenn ein Volk einen Präsidenten und eine Regierung gewählt hat, die es auf seinem demokratischen Weg begleiten wollen, um das Leben der Menschen zu verändern, dann sind die (Neokolonialisten) eben dagegen. Nicht nur auf Haiti gibt es Leute, die den Arbeitern ihre Rechte streitig machen. Ich glaube immer noch, dass das, was wir getan haben, richtig war. Moderne Sklaverei, das sollte es nicht geben. Man wollte, dass wir Demokratie durch Neokolonialismus ersetzen. Daher bin ich froh, dass wir getan haben, was die Menschen von uns erwartet haben - basierend auf demokratischen Prinzipien.

Amy Goodman:
Präsident Clinton hat sich bei Haiti entschuldigt. Er sagte, die USA waren auf dem falschen Weg, als sie zum Beispiel (haitianischen) Reis auf die Müllkippe warfen, die Bauern auf Haiti kaputtmachten und dem Land amerikanischen Reis aufzwangen.

Jean-Bertrand Aristide:
Nun, es war die falsche Politik. Wenn es wirklich eine Entschuldigung sein soll, müssten wir  ja das Gegenteil von dem erleben, was damals geschehen ist.

Amy Goodman:
Können Sie es schon irgendwo erkennen - das Gegenteil?

Jean-Bertrand Aristide:
Ich werde sehr genau hinschauen und dann meine Einschätzung treffen.

Amy Goodman:
Noch eine Schlussbemerkung, bitte. Ich sehe, wir nähern uns Port-au-Prince. Wir kommen Ihrer Heimat immer näher: Haiti.

Jean-Bertrand Aristide:
Liebe für die Menschen, Liebe für Haiti. Liebe ist der Ausweg.

Amy Goodman:
Vielen Dank, Herr Präsident.

Jean-Bertrand Aristide:
Danke. Danke für beide Interviews. (Ende des INTERVIEWS)

Amy Goodman:
Das war der ehemalige haitianische Präsident, Jean-Bertrand Aristide. Er sprach mit mir an Bord des Flugzeuges, das ihn und seine Familie, nach sieben Jahren, aus Südafrika nach Haiti zurückbrachte. Für weitere Informationen und um das gesamte Interview (auf English) zu lesen, gehen Sie bitte auf die Webseite von democracynow.org
Nach einer Pause wenden wir uns der ehemaligen First Lady von Haiti, Mildred Aristide, zu.




Übersetzt von: Andrea Noll
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