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Eine neue und enthüllende Studie über den Einfluss der Neo-Kons: Wie die US-Nahostpolitik zustande kommt

von Bill Christison und Kathleen Christison

21.09.2008 — Counterpunch

— abgelegt unter:

Stephen J. Sniegoski, The Transparent Cabal: The Neoconservative Agenda, War in the Middle East and the National Interest of Israel, Enigma Editions Norfolk, Virginia, 2008.

Nicht wenige ehrbare politische Analysten haben seit langem die engen Beziehungen zwischen der Israel –USA Partnerschaft und den verheerenden Abenteuern der  Bush-Regierung im ganzen Nahen Osten erkannt – dazu gehört auch die Unterstützung von Israels systematischer Unterdrückung der Palästinenser. Stephen Sniegoski  hatte die Ausdauer und Hartnäckigkeit gehabt,  Berge von unmöglich infrage zu stellender Beweise ausfindig zu machen, dass während der letzten 8 Jahre diese Israel-US-Verbindung die treibende Kraft hinter all den tatsächlichen Nahost-Entscheidungen  war und er den politischen Mut hatte, ein Buch darüber zu schreiben.

Sniegoskis neues Buch zeigt deutlich, wie die US- und Israel-Politik und die Aktionen  bezüglich des Irak, des Iran, Afghanistan, Syrien, des Libanon, Saudi Arabien, Kuwait und der anderen Golfstaaten und  - vor kurzem - selbst Georgien  alle mit einander in Beziehung stehen, mit einander verknüpft sind und das eine das andere beeinflusste. Der rechte Flügel der israelischen Politik, die Neokonservativen (NeoCon) in den USA, die Israel stark unterstützen, und die alternde Israel-Lobby in den USA haben alle zusammengearbeitet und tun es noch, um noch mehr Kriege und Regimewechsel und Instabilität  zu verursachen, besonders das Auseinanderbrechen der Nahoststaten, was  – keineswegs undenkbar - sogar Israel bedrohen könnte.

Ein Grund für solche Kriege und andere Veränderungen ist außerdem, die Entmutigung der Palästinenser zu intensivieren, da ihre potentiellen Verbündeten einer nach dem anderen  fertig gemacht wird. Das macht es für Israel leichter, nach und nach auch die  Palästinenser zu überwältigen. So die Theorie. Diejenigen, die glauben, es sei wichtig, die Menschenrechtssituation  und die politischen Aussichten der Palästinenser zu verbessern, müssen nicht nur dahin wirken, die gegenwärtige israelische Politik umzudrehen – es wäre wahrscheinlich  wichtiger, dass wir in den USA noch härter daran arbeiten, die US-Politik  zu verändern.

Es ist ein dickes, aber ganz  ausgezeichnetes Buch. Nach einem Vorwort von Paul Findley und einer Einführung von Prof. Paul Gottfried, PhD (Dozent für Geisteswissenschaften) behandelt   der Hauptteil  auf  382 Seiten die ganze Geschichte der NeoCons von 1960 –2008. Der Autor hat  unzählige Stunden damit verbracht, alle Schriftstücke zu lesen, die er nicht nur bei den paar Spitzen –NeoCons finden konnte, sondern auch bei unzähligen  anderen, die weniger bekannt, aber immer noch wichtige Personen in der Bewegung sind.

Die NeoCons sind übrigens im großen und ganzen nicht verschwörerisch. Sie schreiben gern ausführlich und handeln offen, was ihre Philosophie und Aktionen betreffen. Das Wort „transparent“ im Titel des Buches  betont genau diesen Punkt. Andrerseits sind die NeoCons auch sehr geschickte Propagandisten und sind mehr als bereit, „Tatsachen“ in vielen Situationen auf eine Weise zu verdrehen, die den Leser nicht mit einer  ehrlichen, ungeschminkten Version der „Wahrheit“ lässt.

Sniegoski stellt sein eigenes Hauptargument im folgenden dar:

„Dieses Buch behauptet, dass die Anfänge des amerikanischen Krieges gegen den Irak sich rund um die US-Adoption einer Kriegsagenda dreht, deren ursprüngliches Format aus Israel kam, um Israels Interessen voran zu bringen,  und  sie wurde leidenschaftlich von den pro-israelisch-amerikanischen Neokonservativen vorangetrieben, innerhalb und außerhalb der Bush-Regierung. Umfangreiche Beweise sind geordnet worden, um  diese Behauptungen zu untermauern. Vieles davon kam aus ausführlichen neokonservativen Unterlagen“ (S. 351).

Der Autor weist darauf hin, dass

„.. was nach dem Standpunkt der „Realisten“ in den USA ein unnötiger, schädlicher Krieg war, viele israelische Interessen voranbrachte, da sich die israelische Rechte genau diese Interessen  vorgestellt hat. Amerika näherte sich der Position Israels gegenüber den Palästinensern, da es begann, den Widerstand gegen die israelische Besatzung  mit „Terrorismus“ gleich zu setzen .. Israel machte sich die neue amerikanische „anti-terroristische“ Position zu nutze. Die von Sharon gebaute  ‚Sicherheitsmauer’ auf palästinensischem Land isoliert die Palästinenser und macht ihr Leben auf der Westbank noch unerträglicher. Zum ersten Mal hat ein amerikanischer Präsident schriftlich festgelegt, dass er Israels spätere Annexion von Teilen der Westbank unterstützen würde. Offensichtlich nützte Israel allein der Umstand, dass die USA der kriegsführende Feind von Israels Feinden geworden waren. Als solcher schwächte Amerika ernsthaft Israels Feinde, ohne dass dieses etwas dafür zahlen musste. Der Krieg und die Besatzung eliminierte den Irak als potentielle Macht. Doch statt eine vereinigte demokratische Regierung zu haben, wie die Bushregierung vorausgesagt hatte, war der Irak in sich bekämpfende sektiererische Gruppen zerfallen – so wie sich das der Likud gewünscht hat ( S. 356-357).

Und noch ein Zitat:

„Wenn man sich schon mit einen so sensiblen Thema befasst, sollte wiederholt werden, dass der Verweis auf Israel und die Neokonservativen nicht darauf schließen lässt, dass alle oder gar die meisten amerikanischen Juden den Krieg im Irak  und die gesamte NeoCon-Agenda unterstützen … Eine Gallup-Umfrage, die im Februar 2007 durchgeführt wurde, fand heraus, dass 77% der amerikanischen Juden glaubte,  der Krieg im Irak  sei ein Fehler gewesen, während nur 21 %  eine andere Meinung hatten. Dies steht im Gegensatz zur gesamtamerikanischen Bevölkerung, bei der der Krieg von 52% als Fehler angesehen wurde …Trotzdem ist der Beweis für die neokonservative und israelische Verbindung zu dem amerikanischen Krieg überwältigend und allgemein bekannt. Es gab keine dunkle, verborgene „Mittäterschaft“ , einen Terminus voller Hohn, der oft von Kritikern des Gedankens benützt wurde, es gäbe eine Verbindung der NeoCons zu dem Krieg. Man kann nur hoffen, dass die Amerikaner sich nicht vor einer ehrlichen Diskussion über den Hintergrund und die Motivation zu diesem Krieg im Irak und die gesamte US-Politik im Nahen Osten fürchten. Nur wenn die Wahrheit verstanden wird, können die US eine echte Korrektur im Nahen Osten vornehmen – ohne dieses Verständnis braut sich eine Katastrophe zusammen.“

Der Leser wird bemerken, dass alle oben erwähnten Auszüge fast vom Ende von Sniegoskis Buch stammen. Bevor man an diese Stelle im Buch kommt, erfährt man in informativen und gut geschriebenen  Artikeln  über die Anfänge der neokonservativen Bewegung,  über die israelischen Ursprünge der US-Nahost-Kriegsagenda und die NeoCon-Pläne gegen den Iran. Es gibt auch Kapitel die überschrieben sind mit „Weltkrieg IV“, (ein besonders wichtiges Kapitel) und „ Demokratie für den Nahen Osten“. Ein besonders wichtiges Kapitel über „Öl und andere Argumente für den Krieg“  behauptet, dass  das Öl gar kein so wichtiger Grund für die 2003-Invasion der US in den Irak gewesen sei, wie es Israel selbst war.

Das Buch ist wie eine Bibel über die NeoCons – noch dazu eine erschreckende. Jeder, der dachte, dass das Denken und diese Politik mit dem Weggang von Leuten  wie Paul Wolfowitz, Richard Perle und Douglas Feith der Vergangenheit angehört, wird  beunruhigt sein, wenn er feststellt, dass diese Individuen  nur die Spitze des Eisbergs sind und dass bei allen Problemen, die mit Israel zu tun haben, das Denken der NeoCons  bei Konferenzen zu Grundsatzentscheidungen weitergeht und der nächsten Regierung weitergereicht wird, egal ob sie Demokratisch oder Republikanisch ist.

Übersetzt von: Ellen Rohlfs
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