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Glanz und Elend der Linkspartei

von Sabine Grund

21.03.2008 — -

— abgelegt unter:

Wer Politik genauer beobachtet, der stößt früher oder später auf ein beunruhigendes Muster im Wählerverhalten. Manche Menschen wünschen sich bestimmte Dinge – und wählen dann die Partei, die sie verspricht. Dabei prüfen diese Wähler nicht, ob die Partei glaubwürdig ist und das Versprochene voraussichtlich liefern kann. Gewählt wird ganz einfach die eigene Wunschvorstellung – das schafft den (falschen) Glanz in der Politik.

So unkritisch, wie manche Leute Parteien vertrauen, würden sie kaum einem Verkäufer von Kühlschränken, Autos etc. trauen. Wer bei solch praktischen Produkten Wunder verspricht, wird schnell entlarvt und mit Klagen von Verbrauchern überzogen. Deshalb können sich weder Käufer noch Verkäufer langen Illusionen hingeben.

Leider fehlt manchen Wählern eine vergleichbar kritische Einstellung zur Politik, die sie als Käufer von Produkten haben. Nur so erklärt sich der plötzliche Aufstieg der Linkspartei. Versprochen werden von der Linken höhere Renten/Sozialhilfe, eine undefinierte 'soziale Gerechtigkeit' und was immer sonst viele Menschen sich verständlicherweise wünschen. Diese "Versprechen" finden sich teils im Programm dieser Partei, noch mehr aber in den Erwartungen der Wähler, die als Wunschdenken auf die Linke projiziert werden. Die Verantwortung der Linken liegt darin, diesen falschen Erwartungen nicht zu widersprechen oder sie gar zu schüren. Das ist ähnlich wie in der frühen Phase der Grünen: Die Partei sprach vom Schutz der Umwelt, viele Menschen teilten den Wunsch und wählten die Grünen, ohne deren Leistungsfähigkeit z.B. in der Auseinandersetzung mit Energiekonzernen kritisch abzuwägen. Aber die Ziele der Grünen hatten wenigstens ihre Berechtigung, während die Linke keine realistischen Ziele vertritt.

Hier beginnt das Elend mit der Linkspartei: Wer Geldgeschenke oder finanzielle Umverteilung verspricht, der muss

  • entweder neue Einkommensquellen für den Staatshaushalt entdeckt haben, aus denen das bezahlt werden kann,

  • oder er muss konfliktfähig sein und sich mit mächtigen Gruppen in der Gesellschaft erfolgreich auseinandersetzen können.

Beides ist bei der Linkspartei nicht gegeben. Wer sich die Vertreter in Berlin gelegentlich ansieht, ihre Parlamentsreden verfolgt, dem wird schnell deutlich, dass hier keine politischen Schwergewichte zu finden sind, die lange ungelöste Probleme in Deutschland ganz magisch lösen könnten. Statt dessen kann man neuerdings auch im Fernsehen beobachten, wie die Partei mit dem Ego ihres Wortführers Lafontaine zu kämpfen hat. Der Vordenker Andre Brie hat das kürzlich in vornehme Worte gekleidet.

Wer dann noch verfolgt, wie diese Linkspartei sich zu drängenden Problemen der Außenpolitik auch nur ausschweigt, die den regierenden Parteien diplomatisch zu heikel sind, der sieht jede Rechtfertigung für diese Partei schwinden. Eine kleine Außenseiter-Partei wie die Linke könnte ihre Rolle dazu nutzen, die aus diplomatischer Rücksicht unterdrückten Probleme in der Außen- und Bündnispolitik offen anzusprechen. Damit würde sie der politischen Kultur einen großen Dienst erweisen.

Aber diese Linke pflegt nur eine verlogene Protestkultur: Sie ist "gegen den Krieg" im Fall von Irak, aber mit der unausgesprochenen (!) Botschaft, dass Saddam Hussein länger hätte an der Macht bleiben und die Iraker weiter unterdrücken sollen. Das große Verbrechen an den Irakern war ja nicht der Krieg, der sie von Saddams Gewaltherrschaft befreit hat. Es waren die Jahrzehnte, die westliche Politik diesen Gewaltherrscher an die Macht gebracht und dort gehalten hat. Damit hat sie die Entwicklung einer ganzen Gesellschaft und der benachbarten Region blockiert – ein Verbrechen gegen die Selbstbestimmung der Völker, das Recht auf politische und wirtschaftliche Entwicklung, Gesundheit, Bildung und Wohlstand eines ganzen Volkes. Aber das benennen die angeblichen Pazifisten der Linken nicht. Und zu den Millionen Toten, die von außen geschürte Konflikte und Völkermorde in Zentralafrika (Ruanda, Kongo und Umgebung) seit 1990 gekostet haben, schweigt sich die Linke ebenso aus, obwohl sie ihre Rolle zur Rettung vieler Menschenleben hätte nutzen können.

Natürlich gilt für alle Parteien, dass sie falschen Erwartungen der Wähler widersprechen müssen, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren. Im Vergleich ist die Linkspartei besonders unverantwortlich im Schüren und Aufrechterhalten falscher Erwartungen. Sie baut damit ihre Position im politischen System aus, ohne dass sie Lösungen zu den politischen Herausforderungen beitragen könnte. Darin ähnelt sie sonst nur Parteien vom rechten Rand, die derzeit zum Glück keine Rolle spielen.

Letztlich obliegt es aber den Wählern, sich ihre Selbsttäuschung über die Linkspartei deutlich zu machen und deren falschen Versprechen nicht länger eine politische Basis in Parlamenten zu geben.

16. März 2008

Orginalartikel: Dieser Artikel ist NICHT bei www.zmag.org erschienen!
Artikelaktionen
1
Anonymous sagt
18.08.2008 21:52

Ihre Artikel zum so genannten Genozid in Ruanda habe ich gelesen, um, wenn möglich, ergänzende Informationen zum Buch von Robin Philpot, "Ça ne s’est pas passé comme ça à Kigali", welches ich bereits vor Monaten unter der genannten URL http://www.taylor-report.com/Ruanda_1994/ gelesen hatte, zu finden. Ihre Fußnoten (eigentlich Literaturverzeichnis) betrachte ich dabei als hilfreiche Ergänzung.

Daraufhin wandte ich mich Ihrem Artikel "Glanz und Elend der Linkspartei" zu.
Über diesen Artikel war ich verwundert und enttäuscht. Ihre "Argumente" (die eher Vorurteile sind) und Ihre Haltung scheinen mir die eines Beobachters zu sein, der die Realität anhand einer Kristallkugel zu erkennen glaubt, ohne selbst darin involviert zu sein.

Es mag zutreffen, daß Wunschvorstellungen die Wahlen beeinflussen. Aber gerade Erwartungen und Hoffnungen auf eine gerechtere Welt treiben Menschen an, sich in politischen Parteien zu organisieren, was sicherlich sinnvoller ist, als auf Bürgerkriege oder Diktaturen zu warten.
Ihre Unterstellungen "so mancher Wähler bzgl. seiner fehlenden kritischen Einstellung zur Politik" ist eine weitere Verallgemeinerung, die den in einer Demokratie (wenn wir davon ausgehen, daß wir in einer solchen leben) voraussetzenden mündigen Bürger als Phantasieprodukt und Opfer der Medien deklassiert. Die von Ihnen angekreidete "undefinierte 'soziale Gerechtigkeit'" wird von der LINKEN sehr wohl konkret benannt. Dazu sollten Sie sich einfach die Zeit nehmen die Inhalte der Partei, z.B. unter www.die-linke.de, www.linksfraktion.de, etc. nachzulesen, oder googeln Sie doch einfach 'mal nach "Das 100-Punkte-Programm".
Den einfachsten Zugang zu diesen Informationen finden Sie allerdings durch aktive Beteiligung in politischen Parteien, insbesondere der Partei DIE LINKE, d.h. durch Kommunikation mit der Basis.
Auch, wenn ich kein Freund der militarisiert-bourgoisen GRÜNEN bin, so kann man ihre früheren Erfolge nicht kleinschreiben. Sie haben bspw. entscheidend dazu beigetragen ein Öko/Umweltbewußtsein als Allgemeinwissen zu etablieren, welches auch in Zukunft Folgen auf Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft haben wird. Nichtsdestotrotz ist es verfehlt alle Parteien in einem immer gleich ablaufenden Entwicklungs-Topf zu werfen (Sind irgendwelche Fatalisten unter uns?).
Die von Ihnen geforderte Konfliktfähigkeit und "Auseinandersetzung mit Energiekonzernen" erledigt kein Papa für Sie. Das müssen Sie als mündiger Bürger schon selber in die Hand nehmen, d.h. sich aktiv mit Gleichgesinnten am politischen Leben beteiligen und ihre Parteibonzen unter der Kontrolle der Basis stellen. Die Strukturen einer Partei sagen bereits viel über diese aus!
Das "Ego ihres Wortführers Lafontaine", wie Sie es nennen, ist ebenso eine gerne genutzte Meinungsmache der Mediendiktatoren, der Sie trefflichst auf den Leim gehen. Die Haltung der LINKEN zu Fragen des Bundeswehreinsatzes im Ausland, die eine wichtige Frage der Außenpolitik darstellt, ist kristallklar beantwortet!
Die Bezeichnung "kleine Außenseiter-Partei" stellt auch hier eher Ihre Angst vor einer neuen politischen Kraft bloß, als die Realität zu treffen. Selbst konservative Wahlometer gehen bei der Partei DIE LINKE von der drittstärksten Kraft in Deutschland aus.

Nach der Lektüre Ihres Ruanda-Artikels war es für mich um so erstaunlicher feststellen zu müssen, wie Sie in einem Artikel über die verantwortlichen westlichen Kapitalisten (Ruanda) herfallen und einen Artikel weiter DIE LINKE in einem Boot mit diesen werfen ("Das große Verbrechen an den Irakern war ja nicht ...").
Ihre Polemik, so z.B. daß "die Linke keine realistischen Ziele vertritt", zeugt meines Erachtens bestenfalls von Unkenntnis und Überheblichkeit und schlimmstenfalls von Meinungsmache. Falls Sie jemals gedacht hatten der Bildungsschicht oder den Intelektuellen in diesem Land anzugehören, dann sollten Sie sich langsam auch so verhalten und nicht vorgegebene Sprüche der Milliardärspresse nachbeten.

Tsstsstss

2
Anonymous sagt
25.08.2008 14:20

Lieber anonymer Kommentar-Schreiber,

die Linkspartei ist für mich gerade deswegen so enttäuschend, weil sie die Fakten zum Völkermord in Ruanda-Kongo seit vielen Jahren kennt - und seither nichts für die Opfer und gegen die Täter unternommen hat.

Auf meinen kritischen Artikel zum falschen Glanz und echten Elend der Linkspartei habe ich die erste Zustimmung von einem Gewerkschafter erhalten: "Ach, ist Ihnen auch aufgefallen, dass die nur reden und nichts tun?"
Damit fasste er es ganz gut zusammen.

Sabine Grund

3
Anonymous sagt
22.09.2008 20:07

"Die Wahrheit" über Ermordungen, Verstümmelungen und anderer menschenunwürdiger Handlungen in Ruanda ist im öffentlichen Bewußtsein de-facto nicht existent, was nicht der LINKEN, sondern den Medien zuzuschreiben ist. Daß sich die Linkspartei dazu bisher nicht in Ihrem Sinne geäußert hat, können Sie beklagen, es kann meinerseits aber nicht als Argument gegen diese Partei . Zudem kenne ich auch keine andere Partei, die Kenntnis über die Aussagen im Taylor-Report hätte und dazu entsprechend Stellung genommen hätte.

Wie ich in meiner ersten Reaktion zu veranschaulichen suchte, empfinde ich Ihren Artikel nicht als kritisch, ganz im Gegenteil. Nun versuchen Sie auch noch Ihre haltlosen Behauptungen in Ihrem Artikel, wie Sie es nennen, was eher an eine Kopie von Pamphleten aus der Boulevardpresse erinnert, mit der Zustimmung eines Gewerkschafters zu untermauern. Spätestens hier musste ich wirklich lachen.
Der letzte Gewerkschafter, mit dem ich sprach, wollte den Vertrag von Lissabon ohne Referendum dem dummen Volk aufgedrückt wissen und den Irakkrieg fand der auch sehr dolle. Was er sonst noch für Un-Sinn gelabert hat erspare ich hier jedoch allen. Es gibt natürlich auch liberale und linke Gewerkschafter, um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, alle Gewerkschafter wären politisch auf einer Linie. Und ich sach noch: die Gewerkschaft ist keine politische Partei! Alles klar?

Ihr anonymer Kommentar-Schreiber

4
Pjotr56 sagt
12.09.2008 15:49

Sehr geehrte Frau Grund,
ihre Kritik an der Partei DIE LINKE ist viel zu pauschal, um ernstgenommen zu werden.
DIE LINKE macht ganz konkrete Vorschläge zur Finanzierung ihrer politischen Forderungen. Sie müssen sie nur zur Kenntnis nehmen!
Die neoliberale Politik, die spätestens mit der Agenda 2010 zu extremen Verwerfungen in unserer Gesellschaft geführt hat, muss beendet werden! Wer bitte - außer DIE LINKE - würde einen solchen Politikwechsel einläuten?
Einer der größten Fehler von Rot-Grün liegt in der (unveränderten) Rentenpolitik:
Das umlagefinanzierte System wurde gezielt geschwächt und den Menschen anschließend eingeredet, sie müssten kapitalgedeckte Riester-Rentenverträge abschließen, um im Alter abgesichert zu sein.
Ich bin auf diesen Schwindel, der letztlich nur zu Milliardengewinnen in der Versicherungswirtschaft führt, leider auch hereingefallen. Eine Politik im Interesse der Menschen hätte anders aussehen müssen, meinetwegen in der Form, dass die Gelder, die jetzt (mit allen Risiken) in die private Versicherungswirtschaft fließen dem gesetzlichen, umlagefinanzierten System zugute kommen. Ein wichtiges Stichwort hierzu lautet: Mackenroth-Theorem. Ich empfehle Ihnen abschließend täglich auf Nachdenkseiten.de nachzuschauen.
Mit freundlichem Gruß
Pjotr56

5
Anonymous sagt
13.09.2008 02:49

Ich mag an dem Artikel, wie er zu Anfang darstellt, wie sehr diese Partei ein Produkt ist. Ein Produkt, welches sich aus einer politischen Sichtweise heraus speist, die in anbetracht der Lage der Parteinlandschaft hoffentlich als überwunden gelten kann. Dieses ist das ewig bipolare Bild von Politik, welches meiner Meinung nach keine differenzierten und programmatischen Diskussionen und somit für mich auch zu keiner wirklich demokratischen Willensbildung führt. Nicht das dies vielleicht zu Zeiten deutscher Reiche eine solche Sichtweise vielleict nötig war, um überhaupt die Gegensätze artikulieren zu können. Jedoch glaube ich, kann man nach dem letzten Jahrhundert in all seinen Fascetten froh sein, wenn man zu einer differenzierteren Politik finden konnte.

Nun hat sich die Partei wieder einmal ein neues Label gegeben. Dies war nötig gewordenen, weil sich eine Alt-Pateibonzenpartei mit Avantgardistischer Führung und Jugend sich mit einer etwas frustierten Linkentruppe aussem Westen zusammenraufte. Leider habe ich damit jede Hoffnung verloren, das sich die damals gerade zur Ostpartei stilisierende PDS nun wahrscheinlich niemals selbst mit ihrer Vergangenheit auseinadersetzen wird und somit sich nie von ihren bürokratisch durchgeführten Unmenschlichkeiten distanzieren wird, die sich eigentlich in ihrer Art und Weise nicht allzusehr von denen Unterschieden, was Eltern ein, zwei Generation früher taten und man im westlichen Flügel zur selben Zeit gerade meinte sich erfolgreich von diesen abgenabelt, oft abgewendet zu haben.

Weswegen können wir diese Dinge nicht endlich differnziert betrachten. Weswegen müssen wir im Osten uns immer noch mit Parteibonzen umherschlagen die ihre Verantwortung für Geschehenes nicht einsehen wollen, weswegen müssen wir Diskussionen in idiologischen Ansichten ersticken, wenn es für diese in dieser Spitzen Formulierung überhaupt keine Grundlage gibt. Weswegen können wir einen demokratischen Staat nicht als diesen Nutzen und uns vor drohenden Problemen in Lagerkämpfe stürzen und verstecken

Weswegen stellt man sich nicht dem einfachen gesellschaftelichen Diskurs von Mensch zu Mensch in Akzeptanz von vielleicht idiologischen, vielleicht individuellen, oder wer was Einstellung ein; Sieht die Entwicklung eines Staates in unserer Grosselterlichen, oder Elterlichen Generation und nutzt dieses Wissen über Republiken, Diktaturen und Kaiserreiche für unsere schärfung gegenüber dem politischen, und weswegen verachten wir eine Stabilität und Sicherheit der uns dieser natürlich nicht immer richtige Staat gibt, aber kreiden diese an ohne um uns um diesen zu kümmern.

Dieses komisch fehlende Verantwortungsgefühl, in vermeintlicher Verantwortung gegenüber dem "Volk", macht diese Partei zu einem Produkt, welches sich relativ einfach Ankreuzen lässt. Weil man weiss was drinsteckt - oder auch nicht.

6
Anonymous sagt
13.09.2008 02:51

Annonym - HeiRei

7
Leonardo Torres sagt
09.07.2010 05:12

Journalistisches Schreiben hat oft zu wenig Abstand zu konkreten Ereignissen oder Ärgernissen.
Aus längerer Beobachtung sehen manche Einschätzungen dann voreilig aus und sind zu korrigieren.
Das verpflichtet mich auch zu der zurecht von Kommentaren eingeforderten Korrektur meines Artikels über die Linkspartei vom März 2008.

Die Täuschung und Selbsttäuschung der Wähler gilt für alle Parteien, keineswegs nur für die Linke; das hatte ich mit dem Beispiel der Grünen angedeutet, dem weitere Beispiele hätten folgen sollen. Den Herausforderungen unseres komplexen Wirtschaftssystems werden ALLE Parteien nicht ausreichend gerecht, wie wir durch die internationale Finanzkrise erleben, die sich über viele Jahre entwickelt hat. Erschreckend ist für mich, wie viele Leute hätten klar sehen müssen (und gesehen haben), dass wir uns auf die Krise zubewegen - und kaum jemand hat das öffentlich benannt. Es wurden über lange Jahre zentrale Regeln unseres Wirtschaftssystems verletzt, z.B. der Umgang mit Hypothekenkrediten war in den Banken bekannt. Auch das Versagen des Wirtschaftsjournalismus und der Wirtschaftswissenschaft ist hier beschämend.

Sehr interessant ist der Hinweis zur Rentenformel: Die Umlagefinanzierung war nach 1945 die naheliegende Möglichkeit, auf den Trümmern einer Volkswirtschaft überhaupt ein Rentensystem aufzubauen. Angesichts veränderter Demographie mit weniger Kindern nach den 1960er Jahren war die Umstellung auf Kapitalfinanzierung angeraten. Allerdings hat man dem Finanzsektor hier leichtfertig Bereicherungsmöglichkeiten eröffnet, statt eine strikte Kontrolle der zur Rentensicherung dienenden Kapitalanlagen zu gewährleisten. Verbraucherschutz lebt allerdings auch von einer kritischen Öffentlichkeit, die sich aktiv um ihre Anliegen kümmert, wie ja schon vom Kommentator angedeutet.

Zu Ruanda/Kongo muss ich eingestehen, dass ich die Linke hier zu einseitig angegriffen habe, ich hätte das an alle Parteien richten müssen. Meine zeitweiligen Hoffnungen, dass andere endlich das Schweigen brechen, haben sich immer wieder zerschlagen. Unterbewusst war mein Angriff auf die Linke auch als Herausforderung gedacht, dass die dort Kundigen sich endlich öffentlich äußern mögen.

Bis heute ist das Schweigen zum millionenfachen Völkermord in Afrika beschämend für die ganze 'westliche' Politik. Und das Andauern des Schweigens kostet weiter jeden Tag Menschenleben, bis heute. Das Schweigekartell in unserer Politik deutet darauf hin, wie stark die Fraktion der Unterstützer für diese menschenverachtende Politik in allen Parteien ist. Es gibt viele Leute, die das beobachten und hierzu Namenslisten liefern können.

Die Kritik der westlichen Irak-Politik wartet auf umfassende Aufarbeitung, meine Kritik an 'der Linken' ist auch hier weiterreichend gemeint gewesen - und nicht angemessen formuliert. Und zu ihrer Kritik am Afghanistan-Einsatz darf sich die Linke inzwischen bestätigt sehen. Hier hat gerade sie die Empfindungen in der Bevölkerung richtig wiedergegeben und politisch zugespitzt.

Aus der Beobachtung von Politik ziehe ich immer wieder die Lehre, dass es auf Personen ankommt, in allen Organisationen und Parteien. Es mag ironisch sein oder auch nicht, aber diesen Rat auf Personen zu achten erhielt ich 1985 bei einem Besuch im damaligen Ost-Berlin, inmitten des angeblich so strukturfixierten Sozialismus. Zu der Zeit war mir im Studium der Politikwissenschaft an westlichen Universitäten ständig die Bedeutung von Strukturen nahegelegt worden.

Dort, wo Strukturen über das Gewissen des Einzelnen zuviel Macht
zugeschrieben wird, wird es gefährlich für den Einzelnen und die
Demokratie, aber genau das wurde in der westlichen Sozialwissenschaft keineswegs hinreichend deutlich gemacht. Wie sehr hinter noch so totalitär wirkenden Strukturen immer Personen stehen, ist mir auch aus der Geschichte des Zusammenbruchs des Nationalsozialismus deutlich geworden.

Sabine Grund, 1. Juli 2010

8
Lars Lonte sagt
20.12.2011 16:45

Euro-Crash: Die Druckmaschinen stehen bereit
Udo Ulfkotte

Mit ihrer Bogenberger Erklärung zeigen sich Experten um den Präsidenten des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, tief besorgt über die Lage der Europäischen Währungsunion. Derweilen verflüchtigt sich auch die letzte Hoffnung auf eine Errettung der Eurozone aus der Krise. Die Druckmaschinen der Notenbanken stehen für den Crash bereit.
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http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/euro-crash-die-druckmaschinen-stehen-bereit.html

Brüssel: Weihnachtsgipfel für Bankster
John Lanta

Am Ende war’s dann doch nur Großbritannien, das nicht mitmachen wollte. Natürlich sagen jetzt manche, unsere britischen Freunde seien ja ohnedies nie überzeugte Europäer gewesen, eine Art amerikanisches U-Boot im europäischen Einigungsprozess, ewiger Quertreiber und so weiter. Schon spekulieren andere Europäer, wie und ob es ganz ohne die Briten ginge – hoffen die zahlreichen und hoch aktiven britischen EU-Gegner auf den baldigen Austritt. 71 Prozent befürworteten in einer nicht-repräsentativen Internet-Umfrage unter Spiegellesern den EU-Austritt des Vereinigten Königreiches.
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http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/john-lanta/euro-und-finanzkrise-bruessel-und-wie-weiter-.html

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/euro-crash-die-druckmaschinen-stehen-bereit.html


Ciao Euro: Ken Jebsen über die globale Finanzkatastrophe
Redaktion

Eurokrise – Schuldenkrise – USA-Krise: Die Welt steckt in Riesenproblemen. Aber wer ist eigentlich schuld an der ganzen Misere? Der Berliner Journalist Ken Jebsen ist überzeugt: Eine internationale Finanzoligarchie hat den Globus fest im Griff. Die Wurzeln des Elends wuchern in den USA.
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http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/redaktion/ciao-euro-ken-jebsen-ueber-die-globale-finanzkatastrophe.html


Brüsseler Tauziehen im Nebel: CIA unterwandert den Spiegel
John Lanta

Europa ist gespalten. Hauptsächlich Großbritannien und Ungarn wollten nicht mitziehen, als es gestern Abend darum ging, minimale Stabilitätsklauseln in die EU-Verträge einzufügen. Schweden und die Tschechische Republik müssen ihre Parlamente befragen. Die 17 Euro-Länder und sechs weitere EU-Staaten wollen nun einen gesonderten Vertrag schließen, eine juristische Gratwanderung. Noch zwei wichtige Ergebnisse: Die ESM-Machtergreifung kommt mit einer Übergangsphase schon ab Juli – und die so genannten »privaten Gläubiger«, also unsere Bankster, müssen keine Schuldenschnitte mehr befürchten. Das Presseecho ist geteilt, grundsätzlich eher positiv – das war zu erwarten.
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http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/john-lanta/bruesseler-tauziehen-im-nebel-cia-unterwandert-den-spiegel.html

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/redaktion/ciao-euro-ken-jebsen-ueber-die-globale-finanzkatastrophe.html

Und wieder Nachrichten, die Sie verpasst haben
Udo Ulfkotte

In Deutschland wurden zehntausende Tonnen gefälschter Biolebensmittel verkauft, die aus Italien stammen. Ein Zehntel der italienischen Produktion von Biolebensmitteln war bislang gefälscht. In Spanien wird Toilettenpapier rationiert. In Großbritannien spart eine Schule Treibhausgase, indem man einfach die Heizung ausschaltet. Und in den USA gibt es ein heißes Jobangebot: gesucht wird eine Art Crocodile Dundee.
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http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/und-wieder-nachrichten-die-sie-verpasst-haben.html


2011
Euro-Crash: Die Druckmaschinen stehen bereit
Udo Ulfkotte

Mit ihrer Bogenberger Erklärung zeigen sich Experten um den Präsidenten des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, tief besorgt über die Lage der Europäischen Währungsunion. Derweilen verflüchtigt sich auch die letzte Hoffnung auf eine Errettung der Eurozone aus der Krise. Die Druckmaschinen der Notenbanken stehen für den Crash bereit.



http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/euro-crash-die-druckmaschinen-stehen-bereit.html

9
Lars Lonte sagt
02.01.2012 21:22

Europa der Vaterländer, Wirtschaftskollaps, Trennbankensystem
Prominente französische Ökonomen verlangen "koordinierte Abwicklung des Euro"

http://www.bueso.de/node/5292
2. Januar 2012 • 12:57 Uhr

Während sich Kanzlerin und Finanzminister zum Jahreswechsel in lächerlichen öffentlichen Beteuerungen darüber ergingen, wie stabil und sicher der Euro sei, sieht die Diskussion in Frankreich völlig anders aus. Am 23. Dezember veröffentlichten 12 prominente französische Ökonomen aus dem gesamten politischen Spektrum in der Zeitung Le Monde einen gemeinsamen Aufruf für die "koordinierte Abwicklung des Euro". Zu den Unterzeichnern gehören Gabriel Colletis, Alain Cotta, Jean-Pierre Gerard, Jean-Luc Greau, Roland Hureaux, Gerard Lafay, Philippe Murer, Laurent Pinsolle, Claude Rochet, Jacques Sapir, Philippe Villin, Jean-Claude Werrebrouck. Den vollständigen französischen Text findet man auf dieser Internetseite von LeMonde.fr.

Der Beitrag spiegelt in vielen Aspekten deutlich den Einfluss der Präsidentschaftskampagne von Jacques Cheminade (Solidarite et Progres) wider. Die Ökonomen fordern nach dem Beispiel von Franklin D. Roosevelt in den 1930er Jahren "Bankferien" und machen die Abschaffung seines "Glass-Steagall"-Trennbankengesetzes [1999] als einen der Hauptgründe für die gegenwärtige Desintegration des Finanzsystems aus. Nach einer Analyse der großen Unterschiede zwischen den verschiedenen nationalen Volkswirtschaften der Eurozone heißt es: "Unter diesen Bedingungen führt jedes weitere Beharren der Regierungen, den Marsch in die Euro-Sackgasse zu beschleunigen, lediglich zur allgemeinen Verschlimmerung der wirtschaftlichen Situation Europas. ... Deshalb schlagen die Unterzeichner dieses Textes eine europäische Koordination zur notwendigen Abwicklung des Euro vor, die mit den folgenden sechs Schritten möglich ist."

"Erstens werden in jedem Land der Eurozone die nationalen Währungen wieder hergestellt, indem jeder existierende Euro in eine Einheit dieser neuen Währung umgetauscht wird. Für das Papiergeld brauchen wir eine kurze Übergangsperiode, in der die alten Euronoten - die von der jeweiligen Zentralbank herausgegeben wurden und ein besonderes Zeichen je nach Land tragen (U für Frankreich) - gestempelt werden, bis genügend neue Banknoten gedruckt sind, um sie auszutauschen. Bei Münzen kann der Übergang sehr schnell geschehen, da sie bereits nationale Prägungen tragen. Technisch ist eine solche Operation sehr viel einfacher als diejenige, mit der der Euro 2002 eingeführt wurde."

"Zweitens werden die Wechselkursraten der neuen nationalen Währungen zueinander - ab dem Tag, an dem der Euro wegfällt -, durch eine gemeinsame Entschließung definiert werden, um wieder normale Handelsbedingungen herzustellen. Nur so kann man das prinzipielle Problem der Netto-Auslandsschulden lösen. Man muss dabei den Preisanstieg in jedem Land seit der Einführung des Euro sowie die Situation des Aussenhandels in Betracht ziehen. Notwendige Ab- oder Aufwertungen werden entsprechend einer europäischen Verrechnungseinheit festgelegt, deren internationaler Wert außerhalb der Eurozone durch einen gewichteten Durchschnitt der Wechselkurse nationaler Währungen berechnet wird, so wie beim früheren ECU [der Europäischen Verrechnungseinheit vor Einführung des Euro]."

"Drittens werden die Preise für Güter und Dienstleistungen zum Zeitpunkt der Abschaffung des Euro in jedem Land unverändert bleiben, ebenso wie der Wert von Anlagen und Bankkonten. Mit dem Verschwinden des Euro wird die öffentliche Schuld jedes Landes in seine jeweilige nationale Währung umgewandelt, unabhängig davon, wer die Gläubiger sind," während ausländische Schulden privater Händler in ECU umgewandelt werden.

Viertens: "Ohne zur Verhängung von Währungskontrollen greifen zu müssen, werden alle Regierungen für eine begrenzte Zeit, eine Woche oder mehr, falls nötig, Bankferien erklären. So wie Franklin Roosevelt, Präsident der Vereingiten Staaten es 1933 getan hat, werden sie vorübergehend die Banken schließen, um zu entscheiden, welche Banken überlebensfähig sind und welche die Hilfe der Zentralbanken brauchen. Ihre Börsennotierung wird während dieser Zeit ausgesetzt." Als allgemeines Prinzip könnte in allen Ländern entschieden werden, daß die Zentralbanken auf der Greundlage dieser Untersuchung eine Garantie abgeben. Und: "Der Staat wird die Einleger schützen, indem er, falls notwendig, einen Teil des Bankensystems übernimmt." Die Zentralbanken gäben ihre Autonomie auf und kehrten zum Zustand vor den 1970er Jahren zurück.

Fünftens : "Der nominale Wechselkurs nationaler Währungen wird während diese Zeitraums fest bleiben, entlang den gemeinsam beschlossenen Paritäten. Später können sie in geplanter Weise mit einer 10%igen Fluktuationspanne an den Märkten gehandelt werden. Die Suche nach einem idealen Europäischen Währungssystem ist Inhalt weiterer Verhandlungen. Ein neues Europäisches Währungssystem könnte erarbeitet werden, bei dem die realen Wechselkurse stabilisiert werden, abhängig von den unterschiedlichen Inflationsraten."

In Punkt 6 schliesslich heisst es: "Diese Operation wird einfacher werden, wenn vor der Auflösung des Euro der Wechselkurs des Euro gegenüber anderen Währungen stark abgewertet wäre. " Auch wenn die europäischen Partner Frankreichs oder die EZB dem nicht zustimmen würden, könne Frankreich den Prozeß voranbringen, indem es ein 1973 von Giscard d'Estaing eingeführtes Gesetz wieder abschaffe. Dabei handelt es sich um das Verbot der Finanzierung von Staatskredit durch die Zentralbank, was durch das Maastrichtabkommen und dann erneut durch den Lissaboner Vertrag bestätigt worden war. (Auch Jacques Cheminade fordert die Abschaffung dieses Verbots in seinem Programm).

Die Autoren des Papiers stellen fest: ”In Zukunft werden wir nicht vermeiden können, uns mit den Problemen, die durch die Eurokrise verschleiert wurden, auseinanderzusetzen - besonders der Explosion privater Geldschöpfung und dem weltweiten Abdriften von Bankensystemen - die als Konsequenz aus der Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes entstanden sind."

Deshalb unterstützen Sie jetzt die Mobilisierung der BüSo in Deutschland: für den Ausstieg aus dem Euro, die Einführung des Trennbankensystems und ein neues Kreditsystem, das uns große Projekte und wichtige Zukunftstechnologien ermöglichen wird, die Europa und die Weltwirtschaft dringend braucht, bevor die realwirtschaftliche Grundlage unserer Existenz gänzlich zerrüttet ist!