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Grubenunglück in Utah: kein "Unglück"

von Robert Borosage

20.08.2007 — Portside / ZNet

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In der Crandall-Canyon-Mine von Utah verloren drei Menschen ihr Leben - Leben, das zählt. Der kamerageile, aufgeblasene Besitzer der Grube, Bob Murray, spricht von einem Unfall, wie er "nur einmal im Leben" passiere. Es gibt solche Horrorszenarien: Ein Auto wird unter einem plötzlich herabstürzenden Abhang zerquetscht.

Doch wenn wir im vorliegenden Fall Eins und Zwei zusammenzählen, kommt Drei heraus. Es ist die Endsumme, das Produkt, das Resultat. Hier sprechen wir nicht von Zufall oder Unfall. Die Katastrophe von Utah war kein Zufall. Sie war Resultat mehrerer Faktoren, die nur darauf warteten, zusammenzutreffen.

Murray ist ein "Selfmade"-Millionär. Seine Unternehmen fördern über 20 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr. Bekannt als ehrgeiziger Manager verlangt er in seinen Minen das Maximale und presst jeden Cent aus seiner Kohle heraus.

In der Crandall-Canyon-Mine arbeiteten die Kumpel in einer Tiefe, die die Sicherheitsgrenzen auslotete. Murray bestreitet dies. Mitarbeiter der staatlichen Regulierungsbehörde (MSHA) berichten, dass sogenannter Rückzugsabbau praktiziert wurde. Darunter versteht man eine hochriskante Technik, bei der Kohlestreben eingesetzt werden, um Teile der Decke abzustützen. Sobald die Kohle ringsum gefördert ist, werden die Streben zum Einsturz gebracht. Man fördert daraus die restlich nutzbare Kohle und lässt die Decke einstürzen.

Auch ehrgeizige Minenbesitzer haben nicht das Recht, Amok zu laufen. Es gibt Gesetze und Bestimmungen - staatliche und bundesstaatliche - die zum Schutz der Sicherheit der Minenarbeiter in den Gruben beitragen. Doch die staatliche 'Grubensicherungs- und Gesundheitsbehörde' (MSHA) ist nicht gerade eine Bulldogge. Oberboss der Behörde ist Richard Stickler, der früher selbst Kohleunternehmen managte. Seine Sicherheitsbilanz war so lausig, dass sowohl demokratische als auch republikanische Senatoren ihn für ungeeignet für dem Posten hielten und ihre Zustimmung verweigerten. Also setzte ihn Präsident Bush im Oktober 2006 ins Amt ein, als der Kongress in Klausur war.

Murray - der Besitzer der Mine in Utah - ist berüchtigt für seinen routinemäßigen Widerstand gegen Sicherheitsbestimmungen. "Er hat an allem etwas auszusetzen, was zusätzliches Geld kostet", so Phil Smith, Pressesprecher (Communications Director) der Minenarbeitergewerkschaft United Mine Workers. Die UMWA repräsentiert die Minenarbeiter von Utah allerdings nicht.

Auch Bob Murray weiß, wie man sich Einfluss erkauft. Er ist ein großzügiger Spender, wenn es um die Republikanische Partei geht. In den letzten drei Wahlzyklen hat er insgesamt mehr als $115 000 aus eigener Tasche an republikanische Kandidaten gespendet. Über politische Aktionskomitees, die mit seinen Firmen zusammenhängen, hat er in den vergangenen zehn Jahren zudem $724,500 an die Republikanische Partei selbst gespendet. Im Jahr 2003 rundete Murray das Bild ab, als er dem Distriktmanager der MSHA, Tim Thompson, mit Jobverlust drohte. Thompson hatte von Murray die Beendigung einer seiner Operationen in Ohio verlangt. "Ich werde eure Jobs schon bekommen", sagte Murray. Tatsächlich wurde Thompson in ein anderes Büro versetzt und ging 2006 in Ruhestand.

Vielleicht ist es daher nicht überraschend, dass staatliche Regulatoren den "Rückzugsabbau" in der Crandall-Mine genehmigt haben. Ein Experte bezeichnet dies als "verdammt riskant", da die Region als instabil bekannt ist.

Murrays Hohn, was Sicherheitsfragen angeht, hat dazu geführt, dass die MSHA seine Minen wegen tausender Sicherheitsverstöße beanstandet. Sie fordert von Murray Bußgeldzahlungen in Millionenhöhe. Laut New York Times haben Mitarbeiter auf staatlicher Ebene in der Crandall-Canyon-Mine 324 Verstöße beanstandet - darunter 107 "signifikante und substantielle" Verstöße, das heißt solche, die mit einiger Sicherheit zu Schaden führen.

Unter solch unsicheren Bedingungen sollte man eigentlich meinen, dass die Arbeiter sich zusammenschließen, um nicht ihr Leben zu riskieren. Wie CNN.com berichtete, machen sich die Minenarbeiter Sorgen, fürchten jedoch Repressalien, sollten sie ihre Meinung äußern. Sie sind nicht gewerkschaftlich organisiert. Bizarrerweise ging Murray einige Tage nach dem Minenunglück, bei dem die (drei) Minenarbeiter eingeschlossen wurden, wie wild auf die Minenarbeitergewerkschaft (UMWA) los. Sie würden die Tragödie nutzen, um die Mine gewerkschaftlich zu organisieren. Leider ist dem nicht so. Die UMWA war nicht vor Ort, um sich für die Kumpel einzusetzen.

Wir sollten die Katastrophe von Utah als logische Konsequenz einer konservativen Politik betrachten, als Resultat einer kastrierten Regulationsbehörde, als Ergebnis einer unorganisierten, verletzlichen Arbeiterschaft und als das eines unkontrollierten Managers, der das Maximale herausholt. Diese Bedingungen zusammen haben zu der Katastrophe geführt. Sprechen wir nicht von einem Unfall. Die verlorenen Menschenleben sind vielmehr die Summe, das Resultat und das Produkt einer in die Praxis umgesetzten konservativen Ideologie.

Übersetzt von: Andrea Noll
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