'Gustav' - und die Folgen für Louisiana und Haiti
von Bill Quigley
06.09.2008 — ZNet
Hurrikan 'Gustav' hat in Louisiana 18 Menschen getötet und 1,9 Millionen vertrieben. Mehr als 800 000 Häuser - fast der halbe Bundesstaat - haben keinen Strom mehr. Einige Haushalte werden wohl bis zu einem Monat ohne Elektrizität sein.
Auf Haiti tötete 'Gustav' 77 Menschen, 8 weitere werden noch vermisst. Fast 15 000 Häuser wurden beschädigt. Der Tropensturm 'Hanna', der direkt auf 'Gustav' folgte, tötete mindestens 60 Menschen. Zehntausende suchen Zuflucht auf Hausdächern und in Notunterkünften. Kuhkadaver treiben in den Fluten.
Louisiana ist der ärmste Bundesstaat der USA. Hier leben fast 4 Millionen Menschen. Das (durchschnittliche) Jahreseinkommen pro Kopf beträgt $16 000. Haiti ist der ärmste Staat in der westlichen Hemisphäre. Auf Haiti leben annähernd 9 Millionen Menschen. Das jährliche Einkommen pro Kopf beträgt weniger als $400.
In Louisiana werden Gas und Wasser knapp. Am Donnerstag, dem 4. September 2008, berichteten offizielle Stellen, dass sich vor New Orleans eine drei Meilen lange Schlange gebildet habe. Diese Menschen standen für Wasser und Nahrung an. Die Evakuierung von 1,9 Millionen Menschen verlief in Louisiana relativ glatt. Ihre Rückführung hingegen bereit weit größere Schwierigkeiten.
Haiti: Wie einige Gemeindeorganisationen vermelden, haben die Menschen seit Montag nichts mehr zu essen. Melinda Miles von 'Konpay': "24 Stunden Regen. (Der Regen) durchtränkt die Hütten der Armen, peitscht gegen die Klippen und lässt die Slums, die dichtgedrängt am Meeresrand stehen, versinken. Die über die Ufer tretenden Flüsse schwemmen Häuser hinweg; andere Häuser werden von Flutwellen getroffen, die durch die Hausmauern brechen. Bananenplantagen haben sich in stehende Pfützen verwandelt - Brutstätten für Moskitos - und überall in der Region wurden Äckerflächen zerstört. Mandelbäume werden ins Meer geschwemmt, Kokosnussbäume entwurzelt.
In Louisiana sind noch immer Zehntausende evakuiert. In einer Notunterkunft mit tausend Menschen berichten Betroffene, es gäbe keine einzige Waschgelegenheit. Die Menschen würden sich in Eimern waschen. Eine andere Notunterkunft berichtet, dass 30 Menschen vor einem nahen Ladengeschäft verhaftet wurden. Am Freitag werden Busse damit beginnen, die Menschen heimzubringen.
Haiti hatte schon gewaltige Probleme, bevor die Sturmserie die Insel traf. Hunger ist auf der Insel weitverbreitet. Die Lebensmittelpreise sind sehr hoch und haben zu Unruhen und Revolten geführt, da die Menschen sich nicht mehr genug zu essen leisten konnten.
Louisiana hatte sich noch nicht von Hurrikan 'Katrina' (2005) erholt. In New Orleans standen immer noch 65 000 Häuser leer und waren verlassen. Die Stadt hat heute 100 000 Bewohner weniger als vor 'Katrina'. Viele ältere, behinderte Einwohner oder Menschen aus der afro-amerikanischen Arbeiterklasse sind bis heute Vertriebene.
"Es gibt keine Nahrung, kein Wasser, keine Kleidung", sagt Pastor Arnaud Dumas von der Kirche in Gonaives (Haiti) gegenüber AP. "Bitte sagen Sie mir, was ich tun soll... Wir haben zwei, drei Tage lang nichts zu Essen aufgetrieben, gar nichts".
Kritiker fragen sich, warum Gefängnisinsassen mit öffentlichen Transportmitteln nach New Orleans zurückgebracht wurden - bevor Zehntausende Bürger diese Möglichkeit bekamen/bekommen.
Haitis Präsident Rene Preval sagte gegenüber Reuters: "Wir haben eine wirklich katastrophale Situation. Viele Menschen befinden sich auf den Hausdächern, und es gibt Gefangene, die wir nicht bewachen können". In Gonaives - einer Stadt mit 160 000 Einwohnern -, sei die Hälfte aller Häuser noch immer überflutet, so die UN-Truppen. Die Menschen betteln vor der UN-Militärbasis um Essen.
"Alles in allem wurde exzellent reagiert", sagte US-Präsident Bush zur Nation. Die US-Botschaft in Haiti kündigt die Bereitstellung von 100 000 Dollar Notfallhilfe für Haiti an.
Die Situation auf Haiti ist kritisch. "Wenn sie keine Nahrung haben, wird es gefährlich", so der haitianische Senator Youri Latortue gegenüber AP. "Sie können nicht mehr abwarten".
New Orleans: "Wir machen uns auf eine Welle von Räumungen und Stromsperrungen gefasst", sagt Bruder Don Everard vom Hope House, einer Agentur für soziale Dienste in New Orleans (siehe oben). "Schon vor der Evakuierung wegen 'Gustav' hatten die Menschen Mühe, ihre Mieten und Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Jetzt wird es noch schlimmer kommen, weil sie all ihr Geld für die Evakuierung ausgegeben haben".
Haiti ist 1300 Meilen von New Orleans entfernt. Weitere Hurrikane sind auf dem Weg in die Karibik.
Anmerkungen
Bill Quigley ist Menschenrechtsanwalt und Professor für Recht an der Loyola University von New Orleans. Er war fast zwanzig Mal - als Menschenrechtsaktivist - in Haiti.
Wer einen finanziellen Spendenbeitrag leisten will - für dringend benötigte Hilfe an Bedürftige in Louisiana und Haiti -, kann sich an das Hope House wenden: Hope House, 916 St. Andrew, c/o Brother Don Everard, New Orleans, LA 70118, USA. Stichwort: 'Haiti-Louisiana Emergency Fund'. Der Spendenfonds wird je zur Hälfte (und direkt) an Bedürftige in Louisiana und Haiti verteilt.
Sie erreichen Bill Quigley direkt unter quigley77@gmail.com
Anmerkung d. Übersetzerin
Ein weiterer, sehr empfehlenswerter Artikel (Autor: Fidel Castro) über die aktuelle Hurrikan-Katastrophe in der Karibik ist auf ZNet international erschienen: http://www.zmag.org/znet/viewArticle/18728
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