Hafenarbeiter auf der ganzen Welt blockieren israelische Schiffe
Ein Zeichen den Protests gegen den Angriff auf die Gaza-Flotte
von Mike Elk
09.08.2010 — ITT / ZNet
"Solidarität ist die mächtigste Waffe der Gewerkschaften. Sie ist nicht nur wichtig für Streikposten sondern auch für die globale Streikfront, wo sich Gewerkschaften mit multinationalen Konzernen und repressiven Regimen anlegen".
Am 20. Juni weigerten sich in Oakland/Kalifornien Hafenarbeiter der 'International Longshore Union' (Abteilung 10) 24 Stunden lang, ein Schiff der israelischen Reederei 'Zim Lines' zu entladen. Rund 800 lokale Aktivisten sowie das 'San Francisco Labor Council' und das 'Alameda County Labor Council' unterstützten die Proteste durch Demonstrationen. Überall auf der Welt unterstützen Arbeiter/innen den Aufruf, israelische Schiffe an der Entladung zu hindern und veranstalten so im Grunde ihre eigene Blockade - aus Protest gegen die israelische Blockade von Lebensmitteln und humanitären Gütern für die Palästinenser im Gazastreifen. Am 7. Juni verfassten die 'Palestinian General Federation of Trade Unions' (PGFTU), die 'General Union of Palestinian Workers' (GUPW), die 'Federation of Independent Trade Unions' (IFU) und weitere Organisationen einen gemeinsamen Aufruf, der sich an alle Hafenarbeiter wendet und in dem sie sie dazu aufrufen, sich zu weigern, israelische Schiffe zu entladen.
Ihre Erklärung wurde (kurz) nach dem Massaker auf der Gaza-Flotte verfasst, bei dem 9 Menschen getötet wurden. Darin heißt es:
"Heute ist Gaza der Testfall für unsere universelle Moral und unsere gemeinsame Menschlichkeit. Während des Kampfes gegen die Apartheid in Südafrika haben die mutigen und prinzipientreuen Aktionen der Hafenarbeitergewerkschaften, die sich weigerten, südafrikanische Fracht in die Hand zu nehmen, die Welt inspiriert. Es war ein bedeutsamer Beitrag zum Fall der Apartheid, der schließlich auch eintrat. Heute rufen wir euch, die Hafenarbeiter-Gewerkschafter dieser Welt, dazu auf, das Gleiche gegen die israelische Okkupation und Apartheid zu tun".
Auch der 'Congress of South African Trade Unions' anerkennt, dass ein ähnlicher Boykott der Hafenarbeiter damals dazu beigetragen hat, die Apartheid zu beenden und rief daher ebenfalls zu einem Entlade-Boykott für israelische Schiffe auf. In Australien schlossen sich die westaustralischen Mitglieder der 'Australian Maritime Union' dem Boykott an und weigerten sich, israelische Fracht zu entladen. Auch die türkische Hafenarbeitergewerkschaft 'Liman-Is' hat sich dem Boykott angeschlossen.
Zudem gibt es Berichte über Einzelgewerkschaften, die sich solidarisch verhalten. Zum Beispiel die 'Swedish Dockworkers Union' sowie die gewerkschaftlich organisierten Dockarbeiter im indischen Hafen von Cochin. Beide Gruppen weigerten sich, israelische Schiffe zu entladen (siehe hierzu den ausführlichen Artikel von Greg Dropkin über den Aufstand der Dockarbeiter (1)).
Die globale Gewerkschaftsbewegung und die 'International Longshoreman Union' (ILWU) sowie deren Konkurrenten auf globaler Ebene, wie die Hafenarbeiterorganisationen unf das 'International Dockworkers Council' (IDC) und die 'International Transport Workers Federation' (ITF) haben den Angriff auf die Gaza-Flotte verurteilt. Allerdings befolgten weder die ILWU (mit Hauptsitz in den USA) noch ihre beiden globalen Konkurrenten den palästinensischen Boykottaufruf. Vielmehr ging die Initiative, den Boykott umzusetzen, von den Arbeitern selbst aus - und nicht von den großen Gewerkschaften oder Konföderationen.
Der Slogan der ILWU lautet: 'Wenn einer verletzt wird, sind alle verletzt". Durch die Drohung, die Schiffe dieser Staaten nicht mehr zu entladen, schaffen es Hafenarbeiter, die Handelsaktivitäten von Nationen, die gegen die Menschenrechte verstoßen, zu halbieren. Das hat eine lange Tradition.
1933, nach dem Einmarsch der Japaner in China und nach den Geschehnissen in Nanking, wo die Japaner systematisch 80 000 Frauen vergewaltigten, weigerten sich die Hafenarbeiter der Westküste, japanische Schiffe zu entladen. Als in den 30ger Jahren Berichte über den 'Holocaust' an die Öffentlichkeit durchsickerten, weigerten sich Hafenarbeiter aus Protest, deutsche Schiffe zu entladen. In den 80ger Jahren weigerten sich Dockarbeiter auf der ganzen Welt, Schiffe aus Südafrika zu entladen - als Zeichen der Solidarität. Am 1. Mai 2008 weigerten sich Gewerkschaftsmitglieder der 'Longshoreman Union' (USA), überhaupt irgendein Schiff zu entladen. Damit protestierten sie gegen den Irakkrieg und gegen die Gräuel, die irakischen Arbeitern angetan wurden.
Diese Tradition ist ein Grund für die aktuelle Blockade durch die Hafenarbeiter. Ein zweiter Grund ist der Beitrag, den die Dockarbeiter für die Gaza-Flotte geleistet hatten. So hatte die schwedische Hafenarbeitergewerkschaft (Swedisch Dockworkers Union) gemeinsam mit einer griechischen Gewerkschaft beim Kauf des Schiffes 'Sofia' geholfen, das mit zu der Flotte gehörte. Mitglieder von Hafenarbeitergewerkschaften leisteten zudem enorm wichtige logistische Beiträge für die Aktionen der Flotte ('In These Times' berichtete darüber im Juni).
Die Lektion lautet: Selbst wenn es um eine Sache wie die Gaza-Flotte geht, die nichts mit dem Alltag der meisten Hafenarbeiter zu tun hat und deshalb etwas obskur auf sie wirkt, braucht es keine großen Gewerkschaftsbosse und internationalen Gewerkschaften, um die Arbeiter zu motivieren. Die meisten Solidaritätsaktionen wurden nicht von großen internationalen Gewerkschaftskonföderationen koordiniert sondern von Einzelgewerkschaften und den Arbeitern selbst. Für die meisten Arbeitenden ist Solidarität etwas ganz Normales.
Während sich die Unternehmenswelt immer mehr globalisiert, arbeiten auch immer mehr Arbeiter global zusammen - um es mit den multinationalen Konzernen und internationalen Regimen aufzunehmen (...). Solidarität ist die mächtigste Waffe der Gewerkschaften. Sie ist nicht nur wichtig für Streikposten sondern auch für die globale Streikfront, wo sich Gewerkschaften mit multinationalen Konzernen und repressiven Regimen anlegen.
(1) 'Blockade! Dockworkers, Worldwide, Respond to Israel's Flottilla Massacre and Gaza Siege' von Greg Dropkin, erschienen auf CounterPunch http://www.counterpunch.org/dropkin07132010.html
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