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Irak: Endlich gibt es medizinische Versorgung, doch sie ist teuer

von Dahr Jamail

07.03.2009 — IPS / ZNet

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Bagdad, den 6. März (IPS). Endlich ist im Irak schnelle medizinische Versorgung erhältlich - für jene, die die nötigen Dollars auftreiben können.

"Warum soll ich in ein staatliches Krankenhaus wollen, wo es keine Fürsorge gibt, keine funktionierenden Instrumente und lange Schlangen? Schließlich kann dich derselbe Arzt, der dich dort behandelt, auch in einem privaten Hospital behandeln", sagt Mohammed Abbas, 35, ein Angestellter des Irakischen Ölministeriums.

Abbas sagt dies im Saint-Raphael-Hospital, das in Bagdads Karrada-Viertel liegt. Für die rechtzeitige Behandlung war er bereit, zu bezahlen. So wie Abbas kratzen viele ihr Geld für eine private Behandlung zusammen, das heißt, falls sie - bei einer Arbeitslosenrate von über 50% - überhaupt Geld haben.

Viele strampeln sich ab, um Geld aufzutreiben. "In den staatlichen Kliniken ist es eine Katastrophe", sagt Hayder Abud, 30, der sich in einem privaten Hospital untersuchen lässt. "Wenn dich endlich ein Doktor untersucht, ist er so gehetzt und schlaftrunken, dass du nicht sicher sein kannst, die richtige Behandlung zu erhalten".

Die Behandlung in staatlichen Krankenhäusern ist überwiegend gratis. In einem privaten Hospital kostet eine Röntgenaufnahme 40 Dollar, aber die Arbeit wird rechtzeitig erledigt.

"Das irakische Gesundheitsministerium kämpft", sagt Khaled, Verwaltungschef am Saint-Raphael-Hospital. Er bittet darum, seinen Nachnamen nicht zu nennen. "Wir hatten Probleme mit dem Gesundheitsministerium, weil sie sauer auf uns sind, da wir heutzutage soviele Menschen behandeln".

Das staatliche irakische Gesundheitswesen liegt darnieder. Einst war es eines der besten in der Region. Das war vor den Wirtschaftssanktionen (mit Rückendeckung der UNO), die mehr als 12 Jahre dauerten und auf die der Einmarsch unter Führung der USA und die Besatzung folgten.

Die staatlichen Kliniken leiden unter Ärztemangel. Eine mäßige Honorarerhöhung in den letzten drei Jahren lockte einige zurück, doch mit dem Einkommen, das im privaten Sektor zu erzielen ist, können diese Honorare nicht mithalten.

Ein Allgemeinarzt verdient in einem staatlichen Krankenhaus im Durchschnitt 300 Dollar im Monat. Eine Privatklinik zahlt das Doppelte oder Dreifache. Immer mehr Ärzte kehren den staatlichen Kliniken den Rücken.

"Ich und meine Familie konnten von dem, was ich in einer staatlichen Klinik verdiente, nicht leben", sagt Dr. Kubayir Abbas, 34. Er ist Anästhesist. "Daher habe ich beschlossen, in den privaten Sektor zu wechseln, und jetzt ist es viel besser".

Dr. Shakir Mahmood Al-Robaei, ein anderer Anästhesist, sagt: "Hier zu arbeiten ist besser als im öffentlichen Sektor. Wir verdienen mehr Geld, es ist sicherer, und wir müssen uns keine Sorgen über die richtige Ausstattung und den Nachschub machen. Als ich noch im öffentlichen Sektor arbeitete, war die meiste Zeit alles knapp".

Und so herrscht an den staatlichen Kliniken weiter Ärztemangel, während einige Privatkliniken Ärzteüberschuss haben. Die Sicherheit hat sich seit 2007 verbessert. Die Gewalt gegen Ärzte und selbst gegen Patienten, die bestimmte Kliniken aufsuchen, ging bemerkenswert zurück.

In staatlichen Kliniken herrscht ein Mangel an Grundausstattung, wie Gaze, Gummihandschuhe, saubere Nadeln, chirurgische Instrumente oder Anästhesie-Mittel. Nichtmedizinische Güter der Grundversorgung, wie sauberes Bettzeug, Desinfektionsmittel und Airconditioning, fehlen häufig, selbst im größten Klinikkomplex des Landes, der Baghdad Medical City. Seit Jahren müssen die Iraker ihre Medikamente und selbst Sauerstoff auf dem teuren Schwarzmarkt einkaufen.

Schuld an diesem absoluten Mangel an Ressourcen im irakischen Gesundheitswesen ist die Korruption im Gesundheitsministerium und die Tatsache, dass es den Wiederaufbau, den die CPA (Provisorische Behörde der Koalition) in den ersten Jahren der Okkupation versprochen hatte, praktisch nicht gab.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Gesundheitsorganisation Medcat den Report 'Rehabilitation Under Fire'. Dort steht, dass es im Irak nur circa 9000 Ärzte gibt, da die meisten außer Landes geflohen seien. Das heißt: Auf 10 000 Menschen kommen 6 Ärzte. Das Verhältnis in Großbritannien ist 10 0000 zu 23.

Angesichts der Krise im staatlichen Gesundheitswesen boomt das Geschäft mit den Privatkliniken. Das Raphael-Hospital verfügt über 35 Betten. Im Durchschnitt werden 1000 Patienten pro Tag behandelt. In Kürze will es auf 90 Betten aufstocken und mehr Personal einstellen.

Dr. Rhamis Mukhtar ist der einzige Chirurg im Irak, der tödliche Formen der Fettsucht behandelt. Er ist seit dem Jahr 2000 am Saint Raphael beschäftigt. "Ich überlege, in Vollzeit überzuwechseln" sagt er. "Der Nachschub, die Dienstleistungen und die Patientenversorgung allgemein sind hier weit besser. Das Zentrum ist das beste für laproskopische chirurgische Eingriffe im Land".

Wenn es allerdings um komplizierte Notfälle geht, seien die staatlichen Krankenhäuser immer noch die beste Wahl, so Dr. Mukhtar - da sie über Spezialgeräte verfügten, die in den meisten der kleineren Privatkliniken fehlten. Folglich muss es einem schon sehr schlecht gehen, bevor man hoffen kann, in einem staatlichen Hospital am besten aufgehoben zu sein. (END/2009)

Übersetzt von: Andrea Noll
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