Israelischer Rabbiner predigt „Mord“ an Babys von Einheimischen
von Jonathan Cook
02.08.2010 — Counterpunch
Ein Rabbiner von einer der gewalttätigsten Siedlungen in der Westbank wurde letzte Woche wegen Verdacht auf Hetze verhört, als die israelische Polizei ihre Untersuchung auf ein Buch erweiterte, in dem er das Töten von Nicht-Juden, einschließlich Kindern und Babys gutheißt.
Rabbiner Yitzhak Shapira ist einer der führenden Ideologen des extremsten Flügels der religiösen Siedlerbewegung. Er ist bekannt, ein Verfechter der „price-tag“-Politik - der Racheakte gegen Palästinenser - zu sein, sie dafür zu bestrafen, wenn isr. Offizielle versuchen, das israelische Gesetz gegen die Siedlungen auszuführen.
Bis jetzt ist die Polizei hauptsächlich mit gewalttätigen Schikanen der Palästinenser beschäftigt gewesen: mit Schlägereien durch die Siedler, Angriffen auf Häuser, mit Steine werfenden Siedlern, dem Anzünden von Feldern, demTöten von Haustieren und dem Vergiften von Brunnen.
Es wird jedoch befürchtet, dass Shapiras Buch „Des Königs Torah“, das letztes Jahr veröffentlicht wurde, dafür gedacht ist, ideologische Rechtfertigungen zu geben, solche Angriffe zu erhöhen, einschließlich der Tötung von Palästinensern, selbst Kindern.
Obgleich Shapira wenige Stunden nach seinen Verhör am letzten Montag wieder entlassen wurde, begleiteten ihn Dutzende von Rabbinern und mehrere Mitglieder des Parlaments und verurteilten die Verhaftung. Shlomo Aviner, einer der Führer der Siedlerbewegung, verteidigte die Argumente des Buches als „legitime Einstellung“ und als eine, die in jüdischen Seminaren gelehrt werden sollte.
Aber als ein Zeichen von zunehmendem offiziellen Unbehagen über Shapiras Einfluss auf die Siedlungsbewegung, drohten israelische Militärbehörden letzte Woche, eine Jahrzehnte alte Abrissorder über Yitzhars Seminar durchzuführen, das ohne Genehmigung gebaut worden ist.
Dror Etkes, ein Siedlungsexperte von Peace Now aus Tel Aviv, sagte, die Order werde wahrscheinlich nicht ausgeführt, sie sei aber eine Möglichkeit Yitzhars 500 Bewohner bei ihren gewalttätigen Angriffen ( gegen Palästinenser) besser im Zaun zu halten.
Er sagte, die Behörden hätten erst jetzt begonnen, härter gegen Yitzhar vorzugehen, seitdem Shapira und mehrere seiner Studenten verdächtigt worden sind, im Dezember 2009 eine Moschee im benachbarten Dorf Yasuf angezündet zu haben.
„Shapira versucht, den Konflikt mit den Palästinensern neu zu definieren; er macht aus einem nationalen Konflikt einen religiösen. Das erschreckt Israel. Es wünscht nicht, dass es so aussieht, als kämpfe es gegen die ganze muslimische Welt,“ sagte Etkes.
Außerdem sagte er, dass der Rabbiner und seine Unterstützer eng mit der Kach-Bewegung verbunden sei, die von dem verstorbenen Rabbi Meir Kahane gegründet worden war. Sie fordert die Vertreibung aller Palästinenser aus „Groß-Israel“ . Obwohl die Kach-Bewegung verboten wurde, haben Offizielle gegenüber der Ideologie, die in den Siedlungen blüht, ein Auge zugedrückt.
Es mag illegal sein, sich selbst Kach zu nennen, aber die Behörden sind gegenüber den Siedlern, die diese Ansichten vertreten und gewalttätige Übergriffe ausführen, mehr als tolerant . Tatsächlich ist das, was Kahane-Leute in den 80er-Jahren taten, ein Kinderspiel im Vergleich zu dem, was die Siedler heute tun.
In dem 230 Seiten starken Buch behaupten Shapira und sein Ko-Autor Rabbiner Yosef Elitzur – auch von Yitzhar – dass das jüdische Gesetz das Töten von Nichtjuden unter sehr verschiedenen Umständen erlaube. Der Terminus „gentiles“ (Einheimische) und Nicht-Juden in dem Buch bezieht sich auf Palästinenser.
Sie schreiben, dass Juden das Recht haben, in jeder Situation Einheimische zu töten, wenn die Gegenwart eines Nichtjuden jüdisches Leben gefährdet, auch dann, wenn der Einheimische keinerlei Schuld an der Situation hat, die gerade besteht.
Das Buch sanktioniert das Töten von nicht-jüdischen Kindern und Babys: „Es gibt eine Rechtfertigung für das Töten von Babys, wenn es klar ist, dass sie heranwachsen, um uns Leid anzutun. In solch einer Situation können sie absichtlich geschädigt werden, nicht nur während eine Kampfes mit Erwachsenen.“
Die Rabbiner bringen vor, dass das Verletzten von Kindern von nicht-jüdischen Führern dann gerechtfertigt ist, wenn so Druck auf sie ausgeübt wird, um die Politik zu ändern.
Die Autoren befürworten auch die Ausübung „grausamer Taten, um eine tüchtige Terrorbalance herzustellen“ und alle Mitglieder einer feindlichen Nation als Ziel von Rache zu behandeln, auch wenn sie nicht direkt an feindseligen Aktionen beteiligt sind.
Die Rabbiner scheinen für das jüdische Recht Rechtfertigungen für kollektive Strafen und andere Kriegsverbrechen anzubieten, die die israelische Armee während ihres Angriffs auf den Gazastreifen im Winter 2008/09 begangen hat.
Pamphlete mit entsprechenden Aufrufen – „keine Gnade zeigen“ – wurden von Armee-Rabbinern an Soldaten verteilt, die sich für die Gazaoperation vorbereiteten, in der 1400 Palästinenser getötet wurden, die Mehrheit von ihnen waren Zivilisten. Religiöse Siedler dominieren jetzt viele Kampfeinheiten.
Eine Untersuchung von Yesh Din, einer israelischen Menschenrechtsorganisation, fand im letzten Jahr heraus, dass Shapiras Seminar von der israelischen Regierung mit mindestens 300 000 Dollar in den letzten Jahren finanziert wurde. Amerikanische und britische Gruppen haben auch zehn Tausende Dollar an steuerbegünstigten Spenden gestiftet.
Nach der Jerusalem Post reagierten die Yitzhar-Siedler auf die Abrissorder ihres Seminars damit, dass sie drohten, Dokumente zu veröffentlichen, die deutlich machen, dass der Wohnungs- und Transportminister auch eng mit dem Projekt verbunden ist.
Die Siedler sind wiederholt randalierend durch die benachbarten palästinensischen Dörfer gezogen, am bekanntesten im September 2008, als sie beim Schießen in die Häuser von Assira al-Kabaliya gefilmt wurden und dort Eigentum zerstörten und Davidsterne an die Häuser malten. Ehud Olmert, der damalige Ministerpräsident nannte die Siedleraktionen ein „Pogrom“.
Im selben Jahr wurde ein religiöser Student aus Yitzhar verhaftet, weil er mit selbstgemachten Raketen in das nächste palästinensische Dorf schoss.
Im April marschierten Yitzhars Siedler durch das Dorf Huwara und bewarfen das Haus einer palästinensischen Familie mit Steinen als „Vergeltungsmaßnahme“ für die Verhaftung von 11 ihrer Leute.
Ein Siedler von Yitzhar wurde im letzten Monat wegen eines tödlichen Schusses auf einen 16jährigen Palästinenser Aysar Zaban im Mai verhört. Angeblich hatte er Steine auf den Wagen des Siedlers geworfen. Der Teenager war in den Rücken geschossen worden.
Letzte Woche griffen die Siedler Burin an, schossen auf Dorfbewohner und zündeten Felder an.
In den meisten Fällen wurden verhaftete Siedler nach kurzer Zeit entweder von der Polizei oder dem Gericht wieder entlassen. Im Januar wurde Rabbi Shapira aus Mangel an Beweisen für den Brandanschlag auf die Moschee von einem Jerusalemer Richter aus der Haft entlassen.
Yitzhak Ginsburg, eine Kapazität in Jüdischem Gesetz und ein Mentor von Shapira, wurde letzten Donnerstag wegen seiner Unterstützung des Buches von der Polizei verhört. In der Vergangenheit hat Ginsburg Baruch Goldstein gepriesen, der 1994 in der Ibrahim-Moschee 29 betende Palästinenser erschoss.
2003 wurde Ginsburg wegen Hetze und Aufstachelung durch die Veröffentlichung eines Buches angeklagt, in dem er zur Vertreibung der Palästinenser aus Israel und den besetzten Gebieten aufgerufen hat. Aber die Vorwürfe wurden fallen gelassen, nachdem er ein „Klarstellungsstatement“ abgegeben hatte.
Eine Gruppe, die sich selbst „Studenten von Yitzhak Ginsburg“ nannte, verteilte kürzlich ein Flugblatt, in dem israelische Soldaten gedrängt werden, „ihr Leben und das ihrer Freunde zu schonen und keine Rücksicht gegenüber einer Bevölkerung zu zeigen, die uns umgibt und uns schädigt.“
Wer oder was ist Kach?
Kach wurde 1971 vom verstorbenen Meir Kahane, einem amerikanischen Rabbiner, gegründet, der nach Israel einwanderte. Er gewann 1984 im israelischen Parlament einen Sitz und zwar auf einer Plattform, die alle Palästinenser aus Israel und den besetzten Gebieten vertreiben wollte. Als Knessetmitglied legte er einen Gesetzentwurf vor, der Nicht-Juden die israelische Staatsbürgerschaft entziehen sollte und der sexuelle Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden verbot.
Der politischen Partei wurde die Wahl zum israelischen Parlament 1988 verboten und die Bewegung sechs Jahre später geächtet. Obwohl die Gruppe als terroristische Organisation in den USA und den meisten europäischen Ländern angesehen wird, ist es erlaubt, die Ideologie in den Siedlungen zu verbreiten.
Heute befürworten Dutzende von Rabbinern eine Interpretation des jüdisch religiösen Gesetzes, das identisch oder gar noch schlimmer ist als das von Kahane.
Michael Ben Ari, ein früherer Kachführer wurde letztes Jahr für die extrem-rechte Nationale Union-Partei gewählt, die vier Sitze ( von 120) im Parlament inne hat.
Avigdor Liebermann, der die drittgrößte Partei im Parlament anführt und Außenminister ist, schloss sich vor kurzem der Partei an, bevor sie verboten wurde. Das anti-arabische Programm seiner eigenen Partei „Keine Loyalität, keine Staatsbürgerschaft“ schließt den Widerhall der Kahane-Ideologie mit ein.
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Täter und Opfer – in einer Person?
Was Herr Cook hier beschreibt, gibt genau die Pogromstimmung gegen alles Deutsche in den von Polen annektierten deutschen Gebieten zwischen 1919 und 1939 wieder (1 Million Vertriebene, Zehntausende Ermordete). Wozu das dann zwischen 1945 und etwa 1950 in diesen Gebieten führte, ist jedem bekannt.
Aber nicht nur Deutsche fielen dem Völkermord nach dem Kriege zum Opfer sondern auch Juden in von Polen beherrschten Gebieten.
Ortsnamen wie Jedwabne, während des Krieges (!), oder Kielce (nach dem Kriege, am 4.7.1946) stehen für viele andere an denen Juden massakriert wurden, in ihrer eigenen Heimat, in Polen, von Polen.
Am 14. Dezember 1931 konnte man im Manchester Guardian lesen:
„Die Minderheiten in Polen sollen verschwinden. Diese Politik wird rücksichtslos vorangetrieben, ohne die geringste Beachtung der öffentlichen Meinung der Welt(…)Die Ukraine ist unter polnischer Herrschaft zur Hölle geworden…”
Kommt einem da nicht sofort die Assoziation zu den arabischstämmigen Israelis in Israel und deren Angehörigen in der Westbank und in Gaza?
Zu diesen Minderheiten in Polen gehörten vor dem 2. WK und danach auch die Juden.
Eine solche Meldung von damals passt exakt in die heutige Situation in Palästina und könnte in dem Artikel von Herrn Cook stehen! Es ist fast gespenstisch – diese Übereinstimmung.
Das bedeutet; die Opfer von einst sind nun die Täter von heute. Wir lernen außerdem: der Völkermord an den Deutschen nach 1945 ist (anscheinend) niemandem heute mehr bekannt, er blieb folgenlos für die Mörder und war ein voller Erfolg, denn frech und auftrumpfend sitzen sie immer noch auf der Beute! Ein gelungener Raubmord. Ungeahndet!
Der Völkermord an den Palästinensern ist aber jetzt schon, während er vor aller Augen passiert, kaum jemandem bekannt (?) und wird für die Mörder ebenfalls folgenlos bleiben und eine Erfolgsstory werden.
In beiden Fällen, damals und heute, stand und steht eine Supermacht im Hintergrund die das alles möglich macht!
Ohne das wohlwollende Wegsehen der U.S.A. damals, als 23% des deutschen Reiches ethnisch gesäubert wurde und dabei 2,2 Millionen Menschen umgebracht wurden, und ohne die tatkräftige Unterstützung der selben Macht heute, beim schleichenden Völkermord an den Palästinensern, wären diese beiden Völkerrechtsverbrechen nicht möglich gewesen.
Gelungene Völkermorde, und machen wir uns doch nichts vor - sie sind fast alle gelungen und erfolgreich gewesen - gelungene Völkermorde sind der überzeugendste Grund immer wieder neue zu begehen.
Und nun führen die Juden die Kollektivschuld auch für die Palästinenser ein, wenn es nach dem Rabbiner Yitzhak Shapira geht. Bisher haben sie mit Erfolg dieses Prinzip nur auf die Deutschen angewandt, ebenfalls nach polnischem Vorbild, die deutsche Kinder, Frauen und alte Leute nur deshalb abschlachteten, weil sie Deutsche waren. Die Anwendung der Kollektivschuld ist nach dem Völkerrecht geächtet und ist selbst ein Völkerrechtsverbrechen!
Dass die Israelis mit den Palästinensern (und anderen) schon immer stillschweigend so verfahren sind ist offensichtlich normal und hat ihnen trotzdem die Freundschaft der halben Welt eingetragen. Die Vorstellungen des Rabbiners nun veröffentlicht, werden ihm in Berlin nun wohl ebenfalls Ablaus eintragen. Denn die deutschen Politiker wenden das Prinzip der Kollektivschuld ja schon immer gegen die deutschen Überlebenden des Völkermordes an.
Wenn es nicht gelingt solche kranken und unglaublichen Vorstellungen wie die des Rebbe Yitzhak Shapira endlich zu ächten und dann auch entsprechend zu handeln, dann geht das Grauen weiter… dazu müssten wir aber zuerst mal, wie gesagt, bei uns anfangen.
Man sollte diesen Artikel von Herrn Cook an alle deutschen Politiker schicken damit sie hinterher nicht sagen können sie hätten nichts davon gewusst. Ich gebe zu – eine idealistische Vorstellung, reine Traumtänzerei. Denn diese verkommenen Politiker leugnen ja selbst den Völkermord am eigenen Volke seit 60 Jahren und kommen damit bestens klar.
C. Pichlo