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Israels Botschaft

von Ilan Pappe

14.01.2009 — London Review of Books

— abgelegt unter:

In 2004 began die israelische Armee eine Imitation einer arabischen Stat in der Negev-Wüste zu bauen. Es ist von der Größe einer richtigen Stadt mit Straßen (jede bekam ihren Namen), Moscheen, öffentlichen Gebäuden und Autos. Für 45 Millionen $ gebaut, wurde diese Phantomstadt zu einem Imitat Gazas im Winter 2006, nachdem Hizbullah und Israel einen Gleichstand im Kampf im Norden erzielten, damit die israelische Armee sich darauf vorbereiten konnte, einen “besseren Krieg” gegen Hamas im Süden zu kämpfen.

Als der Generalstabschef Dan Halutz den Standort nach dem Libanonkrieg besuchte, berichtete er der Presse, dass die Soldaten ’sich auf die Situation vorbereiten, die sich in Gaza-Citys dichte Nachbarschaft enthüllen wird’. Eine Woche nach Beginn des Bombardements des Gaza-Streifens, besuchte Ehud Barak eine Generalprobe des Bodenkriegs. Ausländische Fernsehmannschaften filmten ihn, während er den Bodentruppen zusah, wie sie das Stadtimitat einnahmen, die leeren Häuser stürmend und ohne Zweifel die sich darin versteckenden “Terroristen” tötend.

‘Gaza ist das Problem,’ sagte der damalige Premierminister Israels Levy Eshkol im Juni 1967. ‘Ich war dort in 1956 und sah giftige Schlangen die Straße entlang gehend. Wir sollten einigen von ihnen in die Sinai-Halbinsel umsiedeln und hoffentlich werden die anderen emigrieren.’ Eshkol hatte das Schicksal des kürzlich besetzten Territoriums: Er und sein Kabinett wollten den Gaza-Streifen haben, aber nicht die Menschen, die darin lebten.

Israelis verweisen auf den Gaza-Streifen als ‘Me’arat Nachashim’, eine Schlangengrube. Vor der ersten Intifada, als der Streifen Tel Aviv mit Menschen belieferte, die ihr Geschirr wuschen und ihre Straßen säuberten, wurden Gaza-Bewohner menschlicher dargestellt. Der ‘Flittermonat’ endete während ihrer ersten Intifada nachdem einige ihrer Angestellten ihre Arbeitgeber erstachen. Der religiöse Eifer, der als Grund für diese isolierten Attacken gesehen wurde erzeugte eine Welle an islamophoben Gefühlen in Israel, die zur ersten Abriegelung des Gaza-Streifens und zum Aufbau eines elektrischen Zauns darum führte. Selbst nach den Osloer Verträgen von 1993 blieb Gaza abgeriegelt von Israel und wurde lediglich als Reservoir für billige Arbeitskräfte benutzt; In den ganzen 1990er Jahre bedeutete ‘Frieden’ für Gaza deren allmähliche Transformation in ein Ghetto.

In 2000 began Doron Almog - damals Leiter der südlichen Truppen - die Kontrolle der Grenzen des Gaza-Streifens: ‘Wir errichteten Beobachtungspunkte, die mit besten Technologien ausgestatten sind und unseren Truppen wurde es erlaubt, auf jeden zu schießen, der sich auf eine Distanz von sechs Kilometer dem Zaun näherte,’ prahlte er, während er vorschlug, eine ähnliche Methode auf die Westbank anzuwenden. Allin in den letzten zwei Jahren wurden 100 Palästinenser von Soldaten getötet lediglich, weil sie dem Zaun zu nahe kamen. Von 2000 bis der derzeite Krieg ausbrach, haben israelische Kräfte 3000 Palästinenser (darunter 634 Kinder) in Gaza getötet.

Zwischen 1967 und 2005 wurde Gazas Land und Wasser von jüdischen Siedlern in Gush Katif auf Kosten der Lokalbevölkerung geplündert. Der Preis für Frieden und Sicherheit für die Palästinenser dort bestand darin, sich selbst der Gefangenschaft und Kolonisierung hinzugeben. Seit 2000 haben sich Gaza-Bewohner in größeren Zahlen und größerer Macht entschieden zu widerstehen. Es war nicht die Art des Widerstands, dem der Westen zustimmen würde: er war islamisch und militärisch. Deren Kennzeichen war der Gebrauch von primitiven Kassam-Raketen, die zuerst vor allem auf die Siedler in Katif gerichtet waren. Die Präsenz der Siedler allerdings machte es für die israelische Armee schwer, mit derselben zurückzuschlagen, die es gegen rein palästinensische Ziele benutzte. Also wurden die Siedler umgesiedelt, nicht als teil einer unilateralen Friedensprozesses wie viele zu der Zeit argumentierten (sogar so weit, dass sie vorschlugen, Ariel Sharon den Friedensnobelpreis zu verleihen), sondern um die darauffolgenden militärischen Aktionen gegen den Gaza-Streifen zu erleichtern und um die Kontrolle über das Westjordanland zu festigen.

Nach der Loslösung von Gaza, übernahm die Hamas - erst durch demokratische Wahlen, dann in einem präemptiven Putsch, um eine amerikanisch gestützte Machtergreifung durch die Fatah zu verhindern. Währenddessen haben israelische Grenzwachen weiter jeden getötet, der zu nahe an die Grenze kam und dem Gaza-Streifen wurde eine wirtschaftliche Blockade auferlegt. Hamas antwortete darauf mit dem Abschuss von Geschossen auf Sderot, womit sie Israel einen Vorwand gaben, um seine Luftwaffe, Artillerie und Kanonenboote einzusetzen. Israel behauptet, auf ‘Abschussorte der Raketen’ zu schiessen, aber praktisch bedeutete das irgendwo und überall in Gaza. Die Verluste waren hoch: Allein in 2007 wurden 300 Menschen in Gaza getötet, Dutzende von ihnen Kinder.

Israel rechtfertigt ihr Verhalten in Gaza als Teil des Kampfs gegen den Terrorismus, obwohl es selbst jedes internationale Kriegsrecht übertreten hat. Palästinenser, so scheint es, können keinen Platz im historischen Palästina haben, es sei denn sie sind bereit ohne grundlegende Bürger- und Menschenrechte zu leben. Sie können entweder Bürger zweiter Klasse innerhalb Israels oder Insassen im Mega-Gefängnis der Westbank und des Gaza-Streifens sein. Wenn sie widerstreben, werden sie sehr wahrscheinlich ohne Anklage gefangen oder umgebracht. Dies ist Israels Botschaft.

Widerstand in Palästina war schon immer in Dörfern und Städten basiert; Wo sonst soll es herkommen? Deshalb wurden palästinensische Städte, Gemeinden und Dörfer - imitiert oder real - in militärischen Plänen und Befehlen seit der arabischen Revolte 1936 als ‘Feindbasen’ bezeichnet. Jeder Gegenschlag oder Strafmassnahme wird zwangsläufig Zivilisten zur Zielgruppe nehmen, unter denen sich durchaus eine handvoll Menschen finden lassen, die in aktivem Widerstand gegen Israel sind. Haifa wurde 1948 als Feindbasis behandelt, wie auch Jenin in 2002; Nun werden Beit Hanoun, Rafah und Gaza auf diese Art betrachtet. Wenn man die Feuerkraft hat und keine moralischen Hemmung gegen das Massakrieren von Zivilisten, dann wird man den Zustand erhalten, den wir heute in Gaza beobachten.

Palästinenser werden aber nicht nur im militärischen Diskurs entmenschlicht. Ein ähnlicher Prozess findet auch in der jüdischen Zivilgesellschaft in Israel statt und es erklärt die massive Unterstützung für das Massaker in Gaza. Palästinenser wurden von israelischen Juden derart entmenschlicht - ob Politiker, Soldaten oder normale Bürger - dass ihr Töten natürlich erscheint, genauso wie ihre Ausweisung 1948 oder ihre Inhaftierung im besetzten Territorium. Die derzeitige Antwort des Westens zeigt, dass dessen politische Führer den direkten Zusammenhang zwischen der zionistischen Entmenschlichung der Palästinenser und Israels barbarische Vorgehensweise in Gaza nicht einsehen. Es gibt eine große Gefahr, dass Gaza selbst im Anschluss an die ‘Operation gegeossenes Blei’ die Geisterstadt im Negev widerspiegeln wird.

Anmerkungen

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Too Much Cookies Network.

Übersetzt von: Omar Abo-Namous
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