Keine Gnade für Söldner
Blackwater (neuerdings Xe) wird aus dem Irak gewiesen, doch auch die anderen privaten Sicherheitskontraktoren gehören verbannt
von Eric Stoner
19.02.2009 — The Guardian / ZNet
Nachdem Blackwater mehr als eine Milliarde Dollar mit Verträgen im Irak verdient hat, muss die Firma das Land, das sie so lange terrorisiert hat, nun verlassen. Doch der Abzug der berüchtigten Söldner-Firma dürfte für den Alltag der Iraker eher symbolische als reelle Bedeutung haben.
Erster Grund: Blackwater ist der einzige Konzern, der rausgeworfen wird. Um seinen angekratzten Ruf zu retten, hatte sich das Unternehmen übrigens in Xe umbenannt.
Wie irakische Offizielle verlautbaren, dürfen die Blackwater-Mitarbeiter im Irak bleiben, wenn sie zu einer anderen Firma überwechseln und solange sie sich nichts zuschulden kommen lassen. Klingt vernünftig, ist aber praktisch unmöglich. US-Offizielle und auch die Kontraktoren selbst geben zu, dass die tatsächliche Zahl der Schießereien durch private Militärfirmen im Irak weit höher liegt als offiziell zugegeben. Beteiligte berichten selten darüber.
Zweiter Grund: Blackwater war nie der einzige faule Apfel. Die gesamte Söldnerindustrie ist eine verrottete Sache, die abgeschafft gehört. Denken wir nur an Dyncorp oder Triple Canopy, die beiden Firmen, die die von Blackwater hinterlassene Lücke schließen werden. Beispielsweise waren Mitarbeiter von Dyncorp 1999 in Bosnien in einen Sexring verwickelt und schleusten unter anderem Frauen und Kinder (schon 12jährige). Als Whistleblower an die Öffentlichkeit gingen und diese ungeheuerlichen Verbrechen bloßstellten, wurden sie prompt gefeuert.
Nichts deutet darauf hin, dass Dyncorp sich im Irak und in Afghanistan besser verhalten hätte. Immer wieder erteilte das US-Außenministerium dem Unternehmen Rügen für Unprofessionalität und "zuviel Aggressivität". So kam es zu einem peinlichen Zwischenfall, als ein Dyncorp-Wachmann den Afghanischen Transportminister ohrfeigte und dabei von einem BBC-Korrespondenten beobachtet wurde.
Triple Canopy ist relativ neu im Söldnergeschäft. Das Unternehmen wurde unmittelbar nach der Irak-Invasion von drei Veteranen der Special Forces der US-Streitkräfte gegründet. Die Firma hoffte, an diesem privatisiertesten aller Krieg in der Geschichte zu verdienen. Laut eines Reports des überparteilichen 'Research Service' (des US-Kongresses) verlässt sich Triple Canopy an der Basis in weit größerem Maße als Blackwater oder Dyncorp auf Staatsangehörige von "Drittländern". Die gemieteten Bewaffneten von Triple Canopy bekommen nur $33 am Tag gezahlt und stammen überwiegend aus Dritte-Welt-Staaten - vor allem lateinamerikanischen - in denen es in der Vergangenheit zu Menschenrechtsverbrechen kam.
Ähnlich wie Blackwater war auch Triple Canopy in eine der berüchtigtsten Schießereien des Irakkrieges verwickelt. Am 8. Juli 2006 sagte ein schwer bewaffneter Wächter von Triple Canopy im Irak: "Ich möchte heute jemanden killen". Daraufhin schoss er, so wurde berichtet, nur so zum Spaß, mehrere Garben in die Windschutzscheibe eines nicht bedrohlichen Pickups und später auf ein Taxi.
Viele - auch Präsident Obama - argumentieren, diese Söldner seien beherrschbar, wenn man ein rechtliches Rahmenwerk schaffe, mit dem sie für jedes Vergehen zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Allerdings ist es reine Fantasie, zu glauben, die gemieteten Bewaffneten könnten - mitten in einer Kriegszone - in irgendeiner Weise effektiv überwacht und zur Rechenschaft gezogen werden, zumal es Zehntausende von ihnen gibt und sie oft besser bewaffnet sind als US-Soldaten.
Die einzig wirkliche Lösung in dem Chaos wäre, dass der Irak oder Amerika bewaffnete Kontraktoren ganz verbietet. Mit dem Stop Outsourcing Security Act (Gesetz zum Stopp des Auslagerns von Sicherheit) könnte dieses Ziel erreicht werden. Die Gesetzesvorlage sieht vor, "dass innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten" des Gesetzes "die gesamte diplomatische Security im Irak von Personal der US-Regierung ausgeführt wird." Das Gesetz sagt zudem, dass "der Einsatz privater Militärkontraktoren für wesentliche Funktionen einer Mission" in allen Konfliktzonen, in denen die USA aktiv sind, über eine längere Phase ausgeschlichen werden müsse.
Hillary Clinton gab uns einen Schimmer Hoffnung, als sie sich während ihres Präsidentschaftswahlkampfes für diesen Gesetzesvorschlag
einsetzte. Doch als neue Außenministerin Obamas hat sie ihr Engagement, "den Kontraktoren die Tür zu weisen", schnell wieder eingestellt. Traurig für die Iraker, dass die Söldnerindustrie von der neuen US-Regierung wenig zu befürchten haben wird.
Anmerkung d. Übersetzerin
Im Originalartikel in The Guardian oder auf www.zmag.org/znet/viewArticle/20613 finden Sie viele interessante (englischsprachige) Links.
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