Plädoyer für eine Welt ohne Atomwaffen
von Lawrence S. Wittner
23.06.2009 — History News Network / ZNet
Präsident Obama und andere Führer der Welt reden heute über den Aufbau einer Welt ohne Atomwaffen. Es ist Zeit, sich Gedanken zu machen, ob diese Idee gut ist.
Es gibt sechs besonders stichhaltige Gründe, die für die Abschaffung der Atomwaffen sprechen.
Erstens, Atomwaffen sind ein moralischer Horror, denn sie sind ein Instrument, um großflächig und unterschiedslos niederzumetzeln. Nuklearwaffen zerstören ganze Großstädte und Regionen. Sie massakrieren Soldaten und Zivilisten, Freund und Feind, Unschuldige und Schuldige, viele, viele Kinder. Die allermeisten Opfer eines Atomschlages hätten nur ein "Verbrechen" verübt: auf der falschen Seite einer nationalen Grenze zu leben.
Zweitens, ein Atomkrieg wäre Selbstmord. Bei einem nuklearen Angriff bzw. Gegenangriff zwischen Nationen würden Millionen Menschen - auf beiden Seiten des Konflikts - getötet. Die Überlebenden fänden sich in einer nuklearen Wüste wieder, wo die Lebenden vielleicht wirklich die Toten beneiden, wie es einmal gesagt wurde. Selbst wenn in einem Konflikt nur eine Seite Atomwaffen einsetzt, würde sich der nukleare Fallout rund um den Erdball ausbreiten. Es käme zu einem langen "nuklearen Winter" mit sinkenden Temperaturen; die Landwirtschaft und die Lebensmittelversorgung würden vernichtet. Der kleine Rest Zivilisation, der bis dahin überlebt hätte, würde zerstört.
In einem Atomkrieg gibt es keine Sieger. Viele Beobachter haben dies bereits gesagt.
Dritter Grund. Atomwaffen garantieren nicht die Sicherheit einer Nation. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Großmächte in blutige, konventionelle Kriege verwickelt, obwohl sie im Besitz von Atomwaffen waren. Millionen Menschen starben in Korea, in Algerien, Vietnam, Afghanistan, im Irak und vielen anderen Ländern. Unter den Toten waren viele Menschen aus Atommächten. Die Führer der Atomnationen mussten lernen, dass ihnen ihre Nukleararsenale in all den Konflikten nicht von Nutzen waren: Die anderen Völker ließen sich einfach nicht abschrecken durch die atomare Macht des anderen; Atomwaffen waren schlicht nutzlos.
Sein gewaltiges Atomarsenal hat Amerika auch nicht vor den Terrorangriffen am 11. September 2001 bewahrt, als 19 Männer, nur mit Teppichmessern bewaffnet, den größten Angriff auf die Vereinigten Staaten in deren Geschichte starteten. Bei diesem Angriff starben rund 3000 Menschen. Waren die amerikanischen Atomwaffen von irgendeinem Nutzen, um diesen Angriff abzuschrecken? Oder welchen Nutzen haben sie im gegenwärtigen "Krieg gegen den Terror"? Angesichts der Tatsache, dass Terroristen kein größeres Territorium besetzen, ist es schwer, sich vorzustellen, dass Atomwaffen gegen Terroristen eingesetzt werden könnten - weder zur Abschreckung noch im Rahmen eines militärischen Konfliktes.
Vierter Grund: Atomwaffen untergraben die nationale Sicherheit. Diese Aussage widerspricht natürlich dem gängigen Klischee, die Bombe wirke abschreckend. Aber nehmen wir den Fall USA. Amerika war das erste Land, das Atombomben entwickelte. Mehrere Jahre hielt es dieses Monopol. Als Reaktion auf das Atomwaffen-Monopol der USA ließ die Regierung der Sowjetunion Atombomben bauen. Die US-Regierung ließ hieraufhin Wasserstoffbomben bauen, und die Sowjetregierung folgte gleichfalls mit Wasserstoffbomben. Danach kam es zu einem Wettrüsten der beiden Mächte um den Bau lenkbarer Raketen und Raketen mit multiplen Gefechtsköpfen usw.. In der Zwischenzeit bauten andere Nationen eigene Atomwaffen und stellten sie auf. Doch all diese Nationen hatten das Gefühl, ihre Sicherheit schwinde von Jahr zu Jahr. Und ihre Sicherheit schwand tatsächlich, denn, je mehr sie andere bedrohten, desto mehr wurden sie selbst bedroht!
Hinzu kommt die Möglichkeit eines zufälligen Atomkrieges. Dieses Risiko wird akut bleiben, solange es Atomwaffen gibt. Während des gesamten Kalten Krieges und in den Jahren danach gab es immer wieder zahllose Fehlalarme, bei denen von einem feindlichen Angriff ausgegangen wurde. Diese Fehlalarme führten zu atomaren Beinahe-Reaktionsschlägen - mit möglicherweise verheerenden Folgen. Hinzu kommt, dass Atomwaffen auch im eigenen Land hochgehen können. Im Sommer 2008 wurde die oberste Führung der U.S. Air Force ihrer Posten enthoben, da diese hohen Offiziellen in gedankenloser Weise US-Flüge mit aktiven Nuklearwaffen an Bord über dem Gebiet der USA erlaubt hatten.
Fünftens, solange es Atomwaffen gibt, bleibt die Versuchung, sie in einem Krieg einzusetzen. Seit tausenden Jahren werden Kriege geführt. Kriege sind zu einer hartnäckigen Gewohnheit geworden, und es ist unwahrscheinlich, dass sich daran so schnell etwas ändert. Solange es Kriege gibt, werden Regierungen versucht sein, ihre Atomwaffenarsenale einzusetzen, um zu gewinnen.
Ich gebe zu, dass die Atommächte seit 1945 keine Atomwaffen eingesetzt haben. Doch dieser Umstand zeigt nur den massiven Widerstand der Völker gegen nukleare Konflikte. Das Volk stigmatisiert den Einsatz von Atomwaffen und drängte zögerliche Regierungsoffizielle zu Abrüstungsverträgen und Waffenkontrolle. Aber wir können nicht davon ausgehen, dass es ewig bei dieser nuklearen Zurückhaltung bleiben wird - im Kontext erbitterter Kriege oder wenn das nationale Überleben auf dem Spiel steht. Es ist wahrscheinlich, dass die Wahrscheinlichkeit eines kriegerischen Einsatzes von Atomwaffen steigt, je länger diese Waffen existieren.
Sechstens, solange es Atomwaffen in nationalen Arsenalen gibt, ist die Gefahr von Terrorangriffen massiv erhöht. Terroristen können Nuklearwaffen nicht selbst produzieren. Die Herstellung solcher Waffen setzt ein gewisses Territorium, große Ressourcen und viel wissenschaftliches Wissen voraus. Der einzige Weg für Terroristen, sich nukleare Kapazitäten bzw. das Material für den Bau solcher Waffen zu verschaffen, führt über die Arsenale von Atommächten - durch Diebstahl? Kauf? Geschenke? Solange es Regierungen gibt, die im Besitz von Nuklearwaffen sind, werden Terroristen potentiell die Möglichkeit haben, sich Zugang zu diesen Waffen zu verschaffen.
Was hält uns also davon ab, die Atomwaffen abzuschaffen? Sicherlich nicht die Öffentlichkeit. Alle Umfragen zeigen, dass die Öffentlichkeit für den Aufbau einer atomwaffenfreien Welt ist. Selbst viele Regierungschefs sind der Meinung, es sei wünschenswert, die Atomwaffen loszuwerden. Das wirkliche Hemmnis ist die alte Gewohnheit, in Konflikten zwischen verfeindeten Nationen nach der stärksten Waffe zu greifen, die man hat. Es ist eine zutiefst kontraproduktive und irrationale Angewohnheit - schlimmer als Drogen nehmen, rauchen und alles andere Vorstellbare. Es ist eine Gewohnheit, die die Zivilisation an den Rand der Zerstörung bringt. Es wird Zeit, die Kurve zu kriegen und eine atomwaffenfreie Welt zu schaffen.
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Das ist Wunschdenken das jeglicher realistischen Grundlage entbehrt!
Der Geist ist aus der Flasche und wird niemals mehr wieder in die Flasche zurück gezwungen werden, weil das keine bereits etablierte Atommacht will und weil diejenigen, die sich zu Recht von diesen Atommächten bedroht fühlen, ihr Streben nach Atomwaffen nicht aufgeben werden. Das können die sich gar nicht leisten, wenn sie verantwortungsvoll sind!
Die furchtbaren letzten Jahre wären dem Volk von Irak erspart worden, ebenso wie ihre trostlose Zukunft unter der Knute der brutalsten Weltmacht aller Zeiten, wenn der Irak die Atomwaffe gehabt hätte. Das irakische oder afghanische Schicksal würde dem Volk von Iran erspart bleiben, wenn es die „Bombe“ bereits hätte. Das sind die traurigen Realitäten.
Auch wenn sich einem die Nackenhaare sträuben bei dem Gedanken, dass die Europäer den letzten Kalten Krieg vielleicht nur deswegen überstanden haben weil sie unter dem Horror der nuklearen Abschreckung lebten, kann man dieses Argument doch nicht so einfach vom Tisch wischen.
Würde sich Israel „friedfertiger“ benehmen, wenn es aus dem arabischen Lager (das es leider nicht gibt) mit Atomwaffen bedroht wäre? Vermutlich ja!
Fast alle Bemühungen der Russen zur Reduzierung der Atomwaffen, aus den 1990er Jahren, sind von den U.S.A. durch Vertragsbruch beendet worden. Und das scheint ganz normal zu sein, denn niemand regt sich darüber auf.
Eine atomwaffenfreie Welt ist eine Illusion und wird nur von denjenigen gefordert, die die „Bombe“ bereits haben und die auch nie bereit waren sie tatsächlich abzuschaffen.
Wäre es nicht besser, wenn alle die, die sich bedroht fühlen und die sich die „Bombe“ leisten können, dass die die Bombe auch bekommen? Ist das Argument, dass dann die Bombe in den Händen von verantwortungslosen Halunken landen würde, die die Welt in Schutt und Asche legen würden, nicht glänzend widerlegt durch George W. Bush, den größten Halunken der Gegenwart? Die skrupelloseste Nation der Erde, die U.S.A., haben sich bisher nur einmal getraut die Bombe gegen eine Zivilbevölkerung einzusetzen (als einzigste Nation der Erde) und haben sich danach nie wieder getraut diesen Frevel noch einmal zu begehen, auch wenn General Westmoorland damals im Vietnamkrieg ein zweites Hiroshima forderte.
Selbst wenn das Unmögliche gelänge alle Atomwaffen abzuschaffen, blieben die konventionellen Waffen die heutzutage genauso furchtbar sind. (Dresden: 275000 Tote in 24 Stunden)
Zitataus dem Artikel:
„…Das wirkliche Hemmnis ist die alte Gewohnheit, in Konflikten zwischen verfeindeten Nationen nach der stärksten Waffe zu greifen, die man hat. Es ist eine zutiefst kontraproduktive und irrationale Angewohnheit - schlimmer als Drogen nehmen, rauchen und alles andere Vorstellbare. Es ist eine Gewohnheit, die die Zivilisation an den Rand der Zerstörung bringt. Es wird Zeit, die Kurve zu kriegen und eine atomwaffenfreie Welt zu schaffen…“
Was daran irrational sein soll, ist mir unverständlich. Es sei denn man ist Masochist und man plant seine Niederlage, und besonders große Schäden auf eigener Seite, schon vor dem Konflikt!
Und am Rande der Zerstörung lebt die Menschheit seit es sie gibt, wie viele Völker sind nicht schon untergegangen? Nur diejenigen die ihre Gegner erfolgreich abschrecken konnten, haben überlebt. Wenn es ums Überleben geht, und sei es auch nur als souveräner Staat, dann ist militärische Stärke irgendwann gefragt und der Stärkste ist der, der die A-Waffe hat. Freiheit und Souveränität nur durch Stärke, der Schwache ohne adäquate Waffen wird geknechtet. So tickt die Welt seit ihrem Bestehen.
Solange wir es nicht wenigstens schaffen die Gewalt in unseren Gesellschaften abzuschaffen (aber wie?), solange brauchen wir uns keine Gedanken darüber zu machen, wie wir die Atomwaffen wieder los werden.
Nur die Androhung der eigenen Vernichtung kann uns wahrscheinlich davon abhalten übereinander herzufallen. Die Drohung mit der Plattschaufel (Atomwaffe) wird von uns (bisher) einwandfrei verstanden.
Wir Menschen haben anscheinend einen genetischen Defekt, der uns unweigerlich in den Untergang treibt. Die so genannte „Verhausschweinung“, der degenerative Verlust aller überlebenswichtiger Instinkte und Triebe, bis auf den Trieb zur Begattung und zum Fressen, unterscheidet uns von fast allen anderen Säugetieren und wird vielleicht zum Untergang der Art führen.
C. Pichlo