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Prosit, Faschismus-Woche

von Barbara Ehrenreich

23.10.2007 — Huffington Post / ZNet

— abgelegt unter: ,

Ich war noch nie fähig, den Kindern zu erklären, was Halloween eigentlich soll - diese seltsame Mischung aus Kürbis, Süßigkeiten und Tod. Aber Halloween ist ein leckeres Stück Kürbiskuchen im Vergleich zu der islamo-faschistischen Awareness-Woche, die heute startet. Diese spezielle Woche wird von dem konservativen Guru David Horowitz organisiert. Es ist eine wahre Hexenjagd gegen Dschihadisten - im Stile Dick Cheneys - gemischt mit altmodischem Antifeminismus und einem ranzigen Schuss Antisemitismus.

Eines der Hauptziele der Awareness-Woche ist es, junge Akademikerinnen vor den Gefahren des militanten Dschihadismus zu warnen. Auf der Website der Awareness-Woche wird behauptet, Feministinnen, vor allem die Uniprofessorinnen unter ihnen, entwickelten einen masochistischen Hang zum islamischen Fundamentalismus. Diese Woche werden die Sprecher der 'antiislamischen-antifaschistischen' Sache auf die Universitäten unseres Landes ausschwärmen und  Studierende drängen, "Sit-ins in 'Women's Studies Departments' und Frauenzentren auf dem Campus" zu veranstalten, um "still gegen die Unterdrückung der Frauen im Islam zu protestieren".

Es ist offensichtlicher Schwachsinn, dass Feministinnen für den Dschihad sind und gleichfalls, von "Islamo-Faschismus" zu reden (hinter diesem Ausdruck steckt wohl in erster Linie die Absicht, eine nette, bekannte Assoziation zwischen 'Dschihadismus' und Zweitem Weltkrieg herzustellen). Davon abgesehen fiel der Groschen bei mir erst, als ich die Liste der Sprecher/innen der islamo-faschistischen Awareness-Woche durchging und darauf Ann Coulter entdeckte. Zuletzt hatte ich Coulter im Fernsehen gesehen, als sie die Abschaffung des Frauenwahlrechts herbeisehnte. "Wenn wir den Frauen das Wahlrecht nähmen", sagte sie nachdenklich, "bräuchten wir uns keine Sorgen mehr um eine Präsidentschaft der Demokraten zu machen. Es ist eine Art Wunschdenken, meine persönliche Phantasie".

Coulter ist nicht die Einzige auf der Sprecher-Liste, die ein Glaubwürdigkeitsproblem hat, wenn es um die Unterdrückung der Frauen im Islam - oder wo auch immer - geht. Ein weiterer Teilnehmer an der Veranstaltungsreihe der Awareness-Woche ist Rick Santorum. In seinem Buch 'It Takes a Familiy' beschuldigt er den "radikalen Feminismus", die Frauen in die Berufstätigkeit gedrängt zu haben und dadurch die 'amerikanische Familie' zu zerstören. 2005 erschien eine Rezension im Seattle Post Intelligencer, in deren erster Zeile es heißt: "Frauen Amerikas, ich hoffe, ihr seht gut aus in der Burka, denn geht es nach Senator Rick Santorum... werden wir alle jene Burkas anlegen müssen, die unsere soeben befreiten Schwestern in Afghanistan abgelegt haben..." Die Kolumne wurde geschrieben, bevor die Taliban zurückkehrten.

Noch nicht ganz in der Burka-Liga - aber nicht weit davon entfernt - ist die offizielle Sprecherin der Awareness-Woche, Christina Hoff Sommers. Sie hat sich mit Angriffen gegen den Feminismus einen Namen gemacht. Der Feminismus habe das Problem der häuslichen Gewalt übertrieben und verbaue den Jungs ihre Chancen. Sind es etwa diese Leute, die uns retten sollen?

Ein negativer Aspekt, der sich bei Antisemiten wie Dschihadisten findet, findet sich auch auf der Sprecherliste der islamo-faschistischen Awareness-Woche. Wieder hat es mit der vielseitigen Frau Coulter zu tun. Letzte Woche sagte sie auf CNBC, Amerika sei eine "christliche Nation". Auf die Frage, was denn mit den Juden sei (ganz zu schweigen von den Muslimen, Hindus, Buddhisten, Atheisten usw.), sagte sie, die Juden könnten "perfektioniert" werden, indem sie zum Christentum konvertierten.

Wie Sie sich denken können, wird ihre Ansicht über die "nicht perfekten" Juden David Horowitz einige Sorgen bereiten. Er ist berühmt für seine Sensibilität gegenüber jedem Anflug von Antisemitismus aufseiten der Linken. Aber nein, Horowitz verteidigt Coulter und schreibt: "Wenn diese Ansicht nicht damit einhergeht, Juden am Pfahl zu verbrennen, falls sie nicht perfekt werden wollen, warum sollte irgendein Jude Probleme damit haben?" Oh, David, wenn das der Maßstab für Toleranz ist, könnte man auch Osama bin Laden einen Menschenrechtspreis verleihen.

Vielleicht sollte uns das nicht verwundern. Horowitz verteidigte auch Mel Gibson - bekannt als  Hollywood-Linker -, als dieser in betrunkenem Zustand eine antisemitische Tirade gegen die Polizisten losließ, die ihn verhafteten. Horowitz verteidigte ihn mit dem Argument, die Empörung (die auf Mel Gibsons Ausraster folgte) zeige den "Hass" auf Christen, nicht auf Antisemiten.

Was den Antifeminismus der islamo-faschistischen Awareness-Woche angeht, so bestätigt er die These, die Susan Faludi in ihrem brillanten neuen Buch aufstellt ('The Terror Dream: Fear and Fantasy in Post-9/11 America'). Darin legt sie dar, wie die USA in den Nachwehen der Al-Kaida-Angriffe (die Al Kaida ist übrigens ultra-misogyn) perverserweise ihre eigene antifeministische Kampagne starteten und die sofortige Wiederherstellung der traditionellen Geschlechterrollen forderten. Coulter war Teil dieses Backlash, der 2002 einsetzte: "Feministinnen hassen Gewehre, weil Gewehre sie an Männer erinnern".

Bevor Sie sich für die islamo-faschistische Awareness-Woche kostümieren, lassen Sie mich eines klarstellen: Wir amerikanischen Feministinnen verteidigen, entschuldigen oder ignorieren die Frauenfeindlichkeit der Dschihadisten in keinster Weise. Wir haben schon davor gewarnt, bevor sich Washington gegen die Taliban wandte, und wir waren schon immer entsetzt über die Diktatur des (männlichen) Geschlechts in Saudi-Arabien und im Iran.

Mit der islamo-faschistischen Awareness verhält es sich allerdings so: Wenn die Fakten nicht passen, werden sie passend gemacht. Ein Beispiel ist eine Kolumne von Christina Hoff Sommers vom Mai 2007 im Weekly Standard, in der sie mich als "labile" Feministin bezeichnete, die sich weigere, "nicht-westliche Kulturen zu bewerten". Was? Wenn Sommers sich nur zehn Minuten Zeit für Recherche genommen hätte, wäre ihr, unter anderem, aufgefallen, dass ich 2004 in einer Kolumne in der New York Times schrieb, der islamische Fundamentalismus ziele darauf an, der Hälfte der muslimischen Welt - nämlich den Frauen - "einen Status zu verleihen, der knapp über dem eines Haustieres liegt".

Stimmt, Feministinnen tendieren dazu, Kriege zu hassen - manchmal sogar Gewehre. Vielleicht ist das der Grund, warum Horowitz und seinesgleichen uns hassen. Sie sollten auch wissen, dass wir insbesondere einen Krieg hassen, der darauf abzuzielen scheint, einen globalen islamischen Fundamentalismus zu entzünden. Wenn heute viele muslimische Frauen auf der Welt bereitwillig den Kopfschal anlegen, hat dies zum Teil mit unserem Krieg im Irak zu tun. Es ist tragisch, dass sie sich gezwungen sehen, ihre religiöse Solidarität über ihre feministischen Instinkte zu stellen.

Vielleicht habe ich die islamo-faschistische Awareness-Woche auch gründlich missverstanden. Vielleicht will sie uns auch nur klarmachen, dass die amerikanischen Antifeministen (und Antisemiten) nicht weniger gehässig sind als die der anderen Seite. Falls es so sein sollte, hat es gut geklappt, Jungs! Ihr habt keine Halloween-Sprüche nötig, ihr habt euren Standpunkt klargemacht.

Übersetzt von: Andrea Noll
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