Protestwelle der Palästinenser am Tag der Nakba (15. Mai)
Zudem wächst eine neue, gewaltfreie Widerstandsbewegung
von Amy Goodman
17.05.2011 — Democracy Now!
Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hat drei Tage der Trauer ausgerufen. 14 Palästinenser waren getötet worden, als israelische Soldaten das Feuer eröffnet hatten, nachdem es an mehreren Grenzen zu Israel zu großen Protesten gekommen war. Etwas Derartiges hatte es noch nie gegeben: Palästinensische Flüchtlinge aus Syrien, Jordanien und dem Libanon sowie Palästinenser aus dem Gazastreifen versuchten, nach Israel zu gelangen. Neben den 14 Toten gab es Hunderte Verletzte. 300 Demonstranten aus Syrien gelang es, die Grenzwachen zu überwältigen und sich für kurze Zeit auf israelischem Gebiet aufzuhalten Zu der Serie von Protesten kam es am Tag der Nakba - dem Tag, an dem die Palästinenser die Gründung Israels, im Jahre 1948, betrauern. Hunderttausende Palästinenser waren damals aus ihrer Heimat vertrieben worden. Wir sind nun mit Fadi Quran verbunden. Er lebt in Ramallah und leitet dort eine Jugendgruppe. Er half bei der Organisation der Proteste vom Sonntag mit - zuständig für den Checkpoint Kalandia (zwischen Israel und der Westbank).
Amy Goodman:
Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hat drei Tage der Trauer angeordnet, um der 14 von israelischen Soldaten getöteten Palästinenser zu gedenken. Sie starben, als israelischen Soldaten an mehreren Grenzen zu Israel das Feuer auf die Massendemonstrationen eröffneten. So etwas hatte es zuvor noch nie gegeben: Palästinensische Flüchtlinge aus Syrien, Jordanien und dem Libanon sowie Bewohner/innen des Gazastreifens versuchten, die Grenze nach Israel zu überwinden.
Einer der Demonstranten beschrieb im Krankenhaus die Geschehnisse an der syrischen Grenze:
(Einspielung:)
Verletzter Demonstrant (übersetzt):
Wir gingen über die Grenze und kamen nach Majdal Shams. Wir gerieten mit der israelischen Armee aneinander. Wir warfen Steine, und sie feuerten auf uns. Ich wurde ins Bein geschossen. Einige Menschen sind immer noch dort, (und) Einige wurden getötet. (Ende)
Amy Goodman:
Die Massenproteste ereigneten sich am Gedenktag der von den Palästinensern so genannten 'Nakba' (Katastrophe). An diesem Tag betrauern sie die Gründung des Staates Israel im Jahre 1948, weil diese mit einer Massenvertreibung von Palästinensern einherging. 1948 wurden sie aus ihren Heimatorten vertrieben. Die meisten Toten an diesem Sonntag gab es im Libanon. Dort wurden 10 palästinensische Jugendliche getötet - in der Kleinstadt Maroun al-Ras, an der südlibanesischen Grenze.
(Einspielung:)
Moufid Sateh (übersetzt:)
Ich sage es der ganzen Welt. Sie sollen wissen, dass die Palästinenser nach diesem 15. Mai und nach diesem Massaker hoch erhobenen Hauptes gehen werden und nicht klein beigeben werden. Sie werden die Waffen nicht ablegen, bis Palästina befreit sein wird. (Ende)
Amy Goodman:
In Ägypten wurden mindestens 350 palästinensische Demonstranten verletzt, als die ägyptische Polizei eine Demonstration vor der Israelischen Botschaft in Kairo gewaltsam auflöste. Laut Berichten schoss die ägyptische Polizei mit scharfer Munition in die Menge. Sie soll außerdem Tränengasgranaten und Gummigeschosse eingesetzt haben.
Die Gewalt kommt zu einem Zeitpunkt, da eine Welle der Proteste die arabische Welt erfasst, zu einer Zeit, in der im israelisch-palästinensischen Konflikt wichtige Entwicklungen zu verzeichnen sind. Israel versucht, die UNO daran zu hindern, einen unabhängigen Palästinenserstaat - innerhalb der Grenzen von 1967 - anzuerkennen. Anfang diesen Monats hatten sich die beiden Palästinenserfraktionen Fatah und Hamas auf ein gemeinsames Abkommen geeinigt, um eine nationale Regierung zu formen und Neuwahlen abzuhalten.
Am Freitag (20. Mai) wird Israels Premierminister Benjamin Netanjahu von Präsident Obama (im Weißen Haus) empfangen werden. Am Tag zuvor wird Obama eine "wichtige Rede" zur US-Politik im Nahen und Mittleren Osten halten, so seine Assistenten. Am Sonntag wird Präsident Obama zu einer Versammlung des AIPAC (Israel Public Affairs Committee) erwartet, wo er ebenfalls eine Rede halten wird. In der vergangenen Woche trat Präsident Obamas Nahost-Gesandter, George Mitchell, von seinem Posten zurück.
Um mehr über die Proteste an den Grenzen zu erfahren, schalten wir nun nach Kairo/Ägypten und in die Besetzten Gebiete. In Ramallah sind wir mit Fadi Quran verbunden. Er ist dort Jugendleiter und hat zu der Organisation der Proteste am Checkpoint Kalandia (Sonntag) beigetragen.
Willkommen bei 'Democracy Now!'. Sagen Sie uns bitte, um was es bei den Protesten ging und was geschehen ist, Fadi. Fadi - können Sie uns hören?
Schalten wir zunächst zu Christopher Whitman. Er hat am Freitag in der Westbank schwere Verletzungen erlitten, als er von einer Highspeed-Tränengaskartusche getroffen wurde -abgeschossen von den israelischen Streitkräften. Whitman studiert an der Hebräischen Universität (in Jerusalem) Islamistik und 'Middle East Studies' für einen Masterabschluss.
Willkommen, Christopher. Sagen Sie uns, was Ihnen widerfahren ist - und worum es bei den Protesten am Freitag ging.
Christopher Whitman:
Natürlich. Jeden Freitag findet in dem Dorf Al-Nabi Saleh, nördlich von Ramallah, also auf besetztem palästinensischem Territorium, eine friedliche Demonstration statt. Protestiert wird gegen die illegale Konfiszierung von Landbesitz. Es geht um Land, das zu dem Dorf gehört. In letzter Zeit geht es dabei sehr brutal zu - die israelische Reaktionen sind sehr brutal. Letzte Woche war ich dort (bei der Freitagsdemo). Ich war schon einige Male zuvor dabei gewesen, aber in der vergangenen Woche reagierten sie noch heftiger als normalerweise.
In den ersten drei Stunden kamen vor allem Kinder zwischen 10 und 12, die nationale Lieder sangen. Sie hüpften hin und her und tanzten. Sie versuchten, das Land, das zum Dorf gehört, zu betreten. Nach circa drei Stunden kam es auf israelischer Seite zu einer Überreaktion. Zunächst wurden ältere Bewohner des Dorfes verprügelt. Dann begannen sie (die israelischen Sicherheitskräfte), Tränengaskartuschen und Schockgranaten auf die Kinder abzufeuern. Dann fingen sie an, Frauen zu verprügeln, die ein islamisches Kopftuch (Hijab) trugen. Sie sprühten ihnen Pfefferspray in die Augen.
Das war der Moment, in dem ich zurückwich. Ich war rund 15 Meter von einem (israelischen) Grenzpolizisten entfernt, als er mir eine Tränengaskartusche direkt an den Kopf schoss. Sie sehen ja meinen Kopfverband. Ich wurde aus kurzer Distanz von einem Tränengas-Highspeed-Geschoss getroffen.
Die Proteste finden jede Woche statt, und jede Woche gibt es zahlreiche Verletzte. In dem Dorf leben nur rund 500 Menschen. Jede Woche gibt es circa 30 Verletzte. Wir sprechen also davon, dass Woche für Woche ungefähr 8 Prozent der Dorfbewohner/innen verletzt werden. Es sind friedliche Proteste, an denen sie teilnehmen. Die meisten Demonstranten sind Kinder unter 12 Jahren oder ältere Personen (über 55). Sie wollen nur ihre Rechte und protestieren dagegen, dass man ihr Land konfisziert, um die jüdischen Siedlungen in den Besetzten Gebieten auszubauen.
Amy Goodman:
Schildern Sie uns genau, was passiert ist, nachdem Sie von einer Tränengaskartusche getroffen wurden. Tristan Anderson, ein amerikanischer Pressefotograf, ein unabhängiger Fotograf und Aktivist aus North Carolina, wurde (2009) getroffen*; seine Verletzungen waren lebensgefährlich. Woher kam die Kartusche? Haben Sie gesehen, wer auf sie geschossen hat, Christopher?
Christopher Whitman:
Als ich getroffen wurde, konnte ich nicht erkennen, welche Person auf mich gefeuert hatte. Einige Sekunden zuvor war eine Tränengaskartusche direkt über meinen Kopf geflogen. Daraufhin hatte ich beschlossen, etwas in Deckung zu gehen. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, sah ich mir zu Hause das Filmmaterial an. Wenn du bei einer bestimmten Stelle auf 'Pause' drückst, siehst du in der Standbildeinstellung, welcher Soldat auf mich schießt. Das möchte ich schlicht und einfach klarstellen. Es war ein Grenzpolizist, der mich angeschossen hat. Man kann auch klar erkennen, aus welcher Distanz (er geschossen hat) und wie er sein Gewehr anlegte. Er zielte direkt - direkt auf mich. Das ist zu erkennen. Er traf mich genau hier... Ein Teil meiner Kopfhaut - in dieser Größe - wurde weggerissen. Zwei Palästinenser hoben mich auf und brachten mich zum Krankenwagen.
Amy Goodman:
Wissen Sie, woher die Tränengaskartusche stammt?
Christopher Whitman:
Keine Ahnung, nein. Ich meine, ich habe solche Kartuschen schon zigmal gesehen. Die Aufschrift war hebräisch. Ich habe habe noch nie auf einer Kartusche das Wort 'Amerika' - auf Hebräisch - gelesen. Ich kenne die Sprache gut genug, um das hebräische Wort für 'Amerika' übersetzen zu können.
Amy Goodman:
Welche Auswirkungen hat dieses Tränengas?
Christopher Whitman:
Die Folgen des Tränengases sind unterschiedlich - je nach Ort. In bestimmten Orten - wie Bil'in oder Nil'in oder Nabi Saleh - verwenden sie ganz bestimmte Kartuschen, Metallkartuschen oder Gummibälle - etwa so groß - die aussehen wie Granaten. Es ist eine ganz besondere Konzentration - viel konzentrierter als das Tränengas, das sie zum Beispiel in Ost-Jerusalem und an vielen anderen Orten verwenden. Es ist viel stärker. Ich meine, auch wenn du nur ein klein wenig davon abbekommst, fängt jede Pore in deinem Gesicht an, Flüssigkeit abzusondern. Du musst in ein Gebäude rennen. Du musst wegkommen von dem Zeug. Du kannst es nicht verreiben, nicht berühren. Du musst dafür sorgen, dass frische Luft an die Stellen kommt. Es kommt darauf an, wo du gerade bist.
Amy Goodman:
Können Sie uns schildern, welche Reaktionen der Rücktritt (des amerikanischen Nahost-Gesandten) George Mitchell in der Region ausgelöst hat?
Christopher Whitman:
Sicher. Bestimmt ist allgemein bekannt, dass es innerhalb der Palästinensergemeinde - innerhalb der palästinensischen Gesellschaft - zwei Gruppen gibt, die unterschiedlich darüber denken, wie der israelisch-palästinensische Konflikt zu lösen sei. Auf der einen Seite stehen die, welche eher der Fatah nahestehen. In der Regel sind sie für eine Zwei-Staaten-Lösung. Durch den Rücktritt von George Mitchell verlieren sie im Grunde den letzten Strohhalm, die letzte Chance auf eine Zwei-Staaten-Lösung. George Mitchell ist für sie im Prinzip das kleinere Übel. Sie glauben generell nicht, dass die Amerikaner ehrliche Vermittler sind, aber sie glauben, dass George Mitchell der Einzige ist, der von Israel irgendwelche Konzessionen erhalten kann - angesichts seiner Erfahrungen bei den Friedensverhandlungen und seiner Fähigkeit, die Dinge klarer zu sehen, als die meisten in der US-Administration. Für diese Menschen ist sein Rückzug in gewisser Weise ein Symbol für das Scheitern des Friedensprozesses - noch deutlicher als dies in den vergangenen 15 Jahren der Fall war.
Amy Goodman:
Versuchen wir noch einmal, zu Fadi Quran in Ramallah zu schalten. Er ist dort Jugendleiter und beteiligte sich an der Organisation der Proteste am Sonntag - am Checkpoint Kalandia. Er studiert an der Universität von Birzeit in der Westbank. Er macht seinen Master in Jura und 'Menschenrechte'. Fadi, sagen Sie uns etwas über Ihre Rolle bei den Protesten. Warum gab es die Proteste?
Fadi Quran:
Wir - als Jugendbewegung - haben zu den Protesten aufgerufen, denn, wie viele von Ihnen sicher wissen, gibt es rund 7 Millionen palästinensische Flüchtlinge, die einfach nur in ihre Heimat zurück wollen. In den letzten 63 Jahren war es ihnen nicht möglich. An den Protesten nahmen zunächst viele Leute meiner Generation teil. Ich bin 23 Jahre alt. Doch wir brachten unsere Großeltern - im Rollstuhl - zur Grenze. Sie sollten zurückkehren dürfen. Sie sollten wieder ein normales Leben führen können, an einem Ort, wo sie frei sind, wo sie rechtmäßig leben und nach Glück streben können.
Bei unserer Organisationsarbeit haben wir auf viele unterschiedliche Methoden zurückgegriffen, unter anderem auf Social-Networking-Webseiten. Am wichtigsten war allerdings, dass wir vor Ort waren. Wir gingen von Haus zu Haus. Wir redeten mit den Leuten. Wir sprachen mit den führenden Leuten in den Gemeinden. Als der 15. Mai kam, hatten wir etwas mehr als tausend Leute beisammen, die losmarschierten - vom Flüchtlingslager (das umgeben ist von der israelischen Apartheidsmauer) bis zum Eingang nach Jerusalem. 90 Prozent aller Palästinenser, die in der Westbank leben, sind derzeit von Jerusalem abgeschnitten - aus ethnischen Gründen.
Amy Goodman:
Können Sie uns etwas zum gewaltfreien Aspekt Ihrer Proteste sagen, Fadi?
Fadi Quran:
Von nun an werden wir uns in Gewaltlosigkeit üben. Wir haben vor, sehr strategisch an die Sache heranzugehen, denn die Ereignisse in Tunesien und Ägypten, aber auch die Bürgerrechtsbewegung im Süden (der Vereinigten Staaten) und Gandhi, der gegen den Kolonialismus kämpfte, haben uns inspiriert.
Daher starteten die Proteste gestern mit Menschen aller Altersgruppen und Menschen mit unterschiedlichem sozialem Hintergrund. Friedlich marschierten sie auf den Checkpoint zu. Wir waren vorbereitet. Wir haben trainiert, wie wir uns zu verhalten haben, wenn auf uns geschossen wird. Wir übten Szenarien ein wie beispielsweise, die Polizei greift uns an, das israelische Militär greift uns an. Im Grunde... das beste Training und die meisten Erfahrungen sammeln wir an Orten wie Al-Nabi Saleh, wo Mr. Whitman vor ein paar Tagen angeschossen wurde. Wir glauben, wenn wir eine Strategie der Gewaltlosigkeit verfolgen - wenn wir uns Martin Luther Kings Strategien und Gandhis Strategien zu eigen machen -, dass wir Freiheit erreichen können. Und wir werden nicht zurückweichen, bis wir dieses Ziel tatsächlich erreicht haben.
Amy Goodman:
Sehen Sie darin den Beginn einer dritten Intifada, Fadi?
Fadi Quran:
Ehrlich gesagt - im Moment glaube ich nicht, dass es sich zu einer dritten Intifada entwickeln wird oder zu einem Aufstand, im Sinne der ersten Intifada, die von 1988 bis 2000 dauerte. Was sich gerade entwickelt, erinnert mich mehr an die Bürgerrechtsbewegung im Süden der USA während der 60ger Jahre. Das war auch kein permanenter Aufstand. Vielmehr gab es verschiedene Aktionen, die die Leute in ihren eigenen Gemeinden durchführten. Sie organisierten die 'Freedom Rides' und die Boykott-Kampagnen. Das Gleiche sehen wir allmählich auch in der Westbank, in Gaza, auf dem (palästinensischen) Territorium von 1948 und selbst in den Flüchtlingslagern. Es wird eine organische Graswurzelbewegung jenes Typs sein - und kein großer Aufstand. Allerdings glaube ich Folgendes: Wenn wir unsere Ziele bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht erreichen konnten und die Freiheit in weiter Ferne bleibt, wird der Druck, den alle Palästinenser spüren und der von der israelischen Okkupation herrührt, wahrscheinlich zu einem großen Aufstand führen. Doch in den kommenden ein bis zwei Monaten wird es sich um eine sich ausbreitende Bürgerrechtsbewegung handeln, in der die Menschen Gleichheit und Gerechtigkeit einfordern werden.
Amy Goodman:
Fadi Quran. Was halten Sie von dem Versuch des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, den Zwischenfall im Norden für seine PR-Kampagne in Washington zu nutzen - den Zwischenfall auf den Golanhöhen, als Palästinenser versuchten aus Syrien über die (israelische) Grenze zu kommen? Er sagte: "Dieser Kampf dreht sich nicht um die Grenzen von 1967; dies ist vielmehr eine Herausforderung, die der Existenz des Staates Israel gilt, den sie als Katastrophe bezeichnen, etwas, das rückgängig gemacht werden müsse". Dabei spielte er auf den arabischen Begriff 'Nakba' (Katastrophe) an, den ihr für die Etablierung des Staates Israel gebraucht wird. Warum sprechen Sie so darüber, Fadi?
Fadi Quran:
'Nakba' - Katastrophe - bezieht sich nicht auf die Gründung des Staates Israel, sondern auf die 'ethnische Säuberung', begangen an mehr als 700 000 Palästinensern. Sie wurden entweder ermordet oder aus ihren Häusern vertrieben - als der Staat Israel gegründet wurde. Die Verbindung, die zwischen der Gründung des Staates Israel und der 'ethnischen Säuberung' besteht, veranlasst einige Leute dazu, die Gründung Israels rhetorisch so zu nutzen, dass es den Anschein hat, als wären die Palästinenser gegen das jüdische Volk, als wären sie Antisemiten oder wollten die Juden ins Meer treiben.
Wirklich - gestern hat die Bewegung meiner Meinung nach gezeigt, dass es um einen viel größeren, humanistischen Ansatz geht. Es geht darum, dass Menschen sagen: "Hört zu, wir wollen unsere Rechte. Wir wollen Freiheit. Wir wollen Gerechtigkeit und Würde. Wir werden nicht aufgeben, ehe wir diese Ziele erreicht haben". Was die meisten Amerikaner - und vor allem die Entscheidungsträger im Kongress, im Senat - noch begreifen müssen, ist, dass die Forderungen des palästinensischen Volkes nicht barbarisch sind. Sie fordern jene Werte ein, die Amerika groß gemacht haben. Sie fordern Demokratie. Sie fordern Freiheit. Sie fordern die Chance, nach Glück zu streben. Die Flüchtlinge, die gestern an die Grenzen marschiert sind, trugen keine Waffen. Sie kamen mit ihren fleischlichen Leibern, mit ihren Körpern. Alles, was sie wollten, war heimkehren und in Frieden leben. Sie wollten wieder ein normales Leben führen. Dieses Leben wurde ihnen durch die Gründung Israels genommen - weil es gemäß einer rassistischen Ideologie gegründet wurde, gemäß dem Motto: Wir müssen die Palästinenser loswerden. Sie sorgten dafür, dass sie gingen, denn sie (die Palästinenser) fordern die Ideologie heraus, die Ideologie des Rassismus. Etwas anderen fordern sie nicht heraus. Alles, was wir fordern, ist einfach nur Freiheit und Gerechtigkeit.
Amy Goodman:
Fadi Quran, vielen Dank, dass Sie bei uns waren. Er arbeitet mit Jugendlichen in Ramallah und war an der Organisation der Proteste am Kalandia-Checkpoint am Sonntag beteiligt. Er studiert an der Birzeit-Universität in der Westbank Jura und 'Menschenrechte' und bereitet sich auf seinen Master-Abschluss vor. Wenn wir zurückkommen, schalten wir zu Sharif Abdel Kouddous nach Kairo, wo es zu Massenprotesten vor der Israelischen Botschaft gekommen ist.
Anmerkung d. Übersetzerin:
*Tristan Anderson wurde am 13. März 2009 im palästinensischen Dorf Ni'lin bei einer Demonstration gegen die israelische Mauer von einer israelischen Tränengasgranate schwer am Gehirn verletzt. Er hatte sich zu diesem Zeitpunkt am Rande der Demonstration befunden. Anderson war als Aktivist des ISM in der Westbank.
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