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Regenfälle in Venezuela: Volk und Regierung schaffen es gemeinsam!

Dauerregen hat bereits 32 Menschenleben gekostet

von Hugo Chávez

09.12.2010 — Venezuelanalysis / ZCommunications

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In den letzten Tagen hat es in Venezuela ununterbrochen geregnet - wie nie zuvor. Um eine Vorstellung von den Regenmassen zu bekommen, müssen Sie sich vorstellen, dass in den vergangenen Tagen doppelt so viel Regen fiel wie, laut Aufzeichnungen, im Dezember 1999, als sich die Überschwemmungstragödie in Vargas ereignete. Wir haben es mit einem nationalen Katastrophenfall zu tun, der äußerst kompliziert war. Doch die Rettung unserer Menschen hatte Priorität.

 

In den Bundesstaaten Falcón, Vargas und Miranda sowie im Distrikt der Hauptstadt Caracas war die Situation besonders kritisch. Doch auch die Bundesstaaten Anzoátegui, Sucre, Nueva Esparta, Carabobo, Yaracuy, Zulia und Trujillo bekamen die Folgen der schweren Niederschläge zu spüren. Wir beklagen den Verlust von 32 wertvollen Menschen.

 

Die gesamte 'Bolivarische Regierung', unsere Streitkräfte und das organisierte Volk kämpfen mit größter Entschlossenheit gegen diesen Notstand.

 

Die Katastrophe macht uns traurig. Legen wir höchste ethische Maßstäbe an uns an und machen wir weiter. Ruhen wir nicht aus, bis unsere Landsleute wieder ein gutes Leben haben werden, denn die Träume und Hoffnungen dieser Landsleute sind im Schlamm und in den Wasserfluten versunken. Angesichts dieser Tragödie habe ich die Hand (zum Schwur) an mein Herz gelegt. Ich leide mit den Tausenden und werde meine feste Verpflichtung gegenüber den Armen im Land multiplizieren. Wieder einmal höre ich die Klage der Menschen - in den Notunterkünften. Es widerhallt in mir, wie das Trommeln meines Gewissens: in Pedrera, in Fort Tiuna, in Miraflores, im 'Fabricio Ojeda Endogenous Center', in Tucacas oder in Boca de Tocuyo.

 

Mit jeder neuen Flut, mit jedem weiteren Hügel, der abrutscht, mit jeder Hütte, die zerstört wird, stehen erneut viele Venezolaner auf der Straße. Hier werden die Leiden des Volkes sichtbar, die  Leiden eines Volkes, das selbst in Situationen, in denen es von aller Welt verlassen war, unglaubliche Größe bewiesen hat, die Leiden eines Volkes, das gezwungen war, unter unmenschlichen Bedingungen zu leben und das unter immenser Ungerechtigkeit und grausamster Gleichgültigkeit zu leiden hatte. Gerade in dieser Woche habe ich darauf hingewiesen, dass wir hundert Jahre lang vergessen waren.

 

Doch heute steht das Volk nicht mehr allein da. Wir werden weder rasten noch ruhen, bis wir den Großteil des Schadens behoben und die Angst und das Leid gelindert haben werden. Ich sage das, weil die Hoffnung anfängt, Realität zu werden: Der Tag wird kommen, an dem nur noch Gerechtigkeit und Würde bei uns (zwischen uns) herrschen werden - und an dem der soziale Albtraum, der uns vererbt wurde, endlich in Vergessenheit geraten wird. Wir kämpfen dafür, damit er niemals wiederkehren kann.

 

An dieser Stelle möchte ich dem Genossen Evo Morales, seiner Regierung und dem bolivianischen Volk meinen Dank sagen. Ich bin ihnen äußerst dankbar für ihre Solidarität und ihre Hilfe.

 

Ich muss und kann nicht anders. Auch auf das ethisch abstoßende Verhalten einiger Elemente aus dem Mediengulli muss ich hinweisen, die dieses Unglück für politische Zwecke zu nutzen versuchten, indem sie Blödsinn über die Regierung verbreitet haben. Diese Leute besitzen nicht den geringsten patriotischen Anstand!

 

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Inzwischen haben wir viel, viel mehr Raum in Notunterkünften geschaffen - für die betroffenen Familien. Mittlerweile erhalten dort mehr als 70 000 Venezolaner Hilfe. Wir werden alles daran setzen, damit sie sich wie zu Hause fühlen. Vor allem die Kinder sollen ein wirklich schönes Weihnachtsfest erleben.

 

Die Genossinnen und Genossen sollen aus ihren Notunterkünften nicht wieder an jene Orte zurückkehren, an denen sie erneut höchster Lebensgefahr ausgesetzt wären. Sie werden ein besseres Leben haben und nicht mehr leiden müssen, sobald der große Regen fällt. Ich wage es, Sie zu bitten: Haben Sie etwas Geduld! Es tut weh, Ihnen das sagen zu müssen - denn ich weiß: Geduld ist das Einzige, was arme Menschen in ihrem Leben kennen.

 

Vergessen wir nicht: Simon Bolivar hat sich selbst einst als den (richtigen) "Mann für schwierige Aufgaben" bezeichnet. Wir sind seine Nachkommen - seine Söhne und Töchter. Wir sind das "Volk für schwierige Aufgaben".

 

Ich appelliere an das Parlament, das Notstandsgesetz über 'Städtische Gebiete und Wohnraum' möglichst schnell zu verabschieden. Das Gesetz ist bereits in erster Lesung angenommen. In dieser Situation ist es notwendig, dass wir Gesetze schnell verabschieden, dass wir schnell handeln.

 

Und es ist natürlich auch notwendig, dass wir möglichst schnell neue Häuser bauen: Das Tempo muss Schritt halten mit dem Bedarf, um diesen Bedarf befriedigen zu können. Ich fordere daher alle Leute im privaten Sektor, die ein Gewissen haben, auf, sich mit der 'Bolivarischen Regierung' zu verbünden und maximale soziale Verantwortung zu zeigen - angesichts des strukturellen Problems der Versorgung der Menschen mit Wohnraum: Es wird endlich Zeit, dass sie ihren sozialen Verpflichtungen in vollem Maße nachkommen.

 

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Meine Landsleute, wenn ihr das hier lest, sollt ihr wissen, dass ich versuche, die Dinge aus eurer Perspektive zu sehen. Wir müssen uns - wirklich - im klaren darüber sein, mit welch schweren und schwierigen Zeiten wir es zu tun haben. Das Modell der kapitalistischen Entwicklung hat zu einer Störung des ökologischen Gleichgewichts geführt. Zweifellos ist dieses Modell die Hauptursache für die alarmierenden Phänomene in unserer Atmosphäre, unter denen wir auf diesem Planeten so zu leiden haben.

 

Die mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt beharren darauf, mit diesem Modell, das Leben vernichtet, weiter zu machen - doch anschließend sind sie nicht in der Lage, sich ihrer Verantwortung zu stellen.

 

Aber nachdem mit der Natur so viel Schindluder getrieben wurde, werden alle die Folgen zu spüren bekommen. Es gibt kein Entrinnen. Die arroganten "Besitzer der Welt" überschreiten systematisch die ökologischen Grenzen. Sie scheren sich weder um die zunehmend verwundbare Menschheit, noch um den zunehmend verwundbaren Planeten Erde.

 

Die Probleme und die Not, die wir durch den langen, starken Regen erleiden, beweisen uns erneut, dass wir in einer grausamen, ungerechten und paradoxen globalen Situation stecken: Die (wirtschaftlich) am stärksten entwickelten Länder belasten die Umwelt maßlos - weil sie darauf bedacht sind, ihr kriminelles Entwicklungs-Modell fortzuführen. Der überwiegende Teil der Menschheit bekommt die Folgen schmerzlich zu spüren. Die Konsequenzen sind schrecklich.

 

Auf der anderen Seite muss ich Folgendes hinzufügen: Die grausame Realität, die Lebensumstände der Menschen - man denke nur an die prekäre Wohnsituation vieler Menschen, vor allem in den Slums der Großstädte, wo Häuser an ungeeigneten Orten, an sehr gefährlichen Orten, gebaut werden -, das alles wird durch das, was ich oben genannt habe, noch weiter verstärkt.

 

Unsere Großstädte, unsere Viertel, sind so konstruiert, dass sie den Wirtschaftsinteressen  dienen und ausschließlich den Wirtschaftsinteressen. Nicht der geringste stadtplanerische Sinn ist erkennbar; sämtliche Sicherheitsnormen wurden vernachlässigt und die (Bedürfnisse) der Menschen bewusst ignoriert.

Lassen wir uns bewusst auf den Schmerz ein und lernen wir daraus. Erinnern wir uns an die Tragödie von Vargas - an jenen leidvollen Dezember 1999, der uns soviel Tod und Zerstörung gebracht hat.

 

Enorme soziale Ungerechtigkeit - das war unser Erbe. Die Gleichgültigkeit der Puntofijismo-Regierungen* hat diese Bürde noch erheblich verstärkt. Hinzu kommt, dass unser Land (Venezuela) einseitig  strukturiert wurde, so dass sich das Kapital hauptsächlich in den Großstädten konzentrieren sollte. (Unser Land ist so angelegt, dass es Menschen ausschließt.) Das hat dazu geführt, dass die Menschen sich irgendwo in den Großstädten angesiedelt haben. Unser Landesgebiet wurde einseitig und ungerecht genutzt: in den Tälern wohnen die Reichsten, und an den (gefährlichen) Hängen die Armen. Außerdem wurde ein perverses kulturelles Modell entwickelt. Laut dieses Modelles ist Armut natürlich und normal und gehört unweigerlich zur Realität. Wir sollen sie akzeptieren, heißt es und sie einfach ignorieren.

 

Heute stehen wir an einem historischen Wendepunkt: Wir müssen noch schneller handeln - für die Geburt der sozialistischen Großstadt, in der es sich gut und positiv leben lässt, weil bei ihrer Raumplanung ein neues Denken zum Tragen kommen wird: Gemeingut soll möglichst geschont, das Wohl der Allgemeinheit geschützt werden. Das alte Modell, das die Mehrheit ausgeschlossen hat, muss sterben - und mit ihm die 'kapitalistische Großstadt', die immer nur Räume der Segregation geschaffen hat.

 

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Zur gleichen Zeit, wenn der neue Band von 'The Lines of Chávez' erscheint, werden in mehreren venezolanischen Bundesstaaten Regionalwahlen abgehalten werden. Es geht um die Gouverneursposten in den Bundesstaaten Guárico, Amazonas und um die Bürgermeisterposten in Maracaibo u. Miranda (im Bundesstaat Zulia), in Achaguas (Bundesstaat Apure), in Miranda (Bundesstaat Carabobo), in Carrizal (Bundesstaat Miranda), in Panamericano (Bundesstaat Táchira), in Miranda und Boconó (Bundesstaat Trujillo), in Manuel Monge u. Nirgua (Bundesstaat Yaracuy) sowie in Arismendi (Bundesstaat Esparta).

 

Ich rufe alle Menschen in diesen Regionen auf, zur Wahl zu gehen. Verleihen Sie Ihrem souveränen Willen an der Wahlurne Ausdruck! Arbeiten Sie weiter daran, das Modell der Partizipation und das Modell der handelnden (protagonistischen) Demokratie zu stärken!

 

Der Dezember geht weiter!

 

Bitten wir Gott, dass der Regen stoppt...

 

Bereiten wir uns in unseren Familien auf das Weihnachtsfest vor.

 

Das Jahr 2010  geht zu Ende - ebenso das erste Jahrzehnt dieses Jahrhunderts.

 

2011 steht vor der Tür - und der 5. Juli!

 

Unabhängigkeit auf ewig!

 

Wir werden siegen!

 

Hugo Rafael Chávez Frías am Sonntag, dem 5. Dezember 2010

 

 

* Mit "Puntofijsmo" ist der so genannte 'Punto-Fijo-Pakt' gemeint. Dabei handelte es sich um ein Abkommen, das am 31. Oktober 1958 von der URD (Demokratisch Republikanische Union), der Copei (Soziale Christliche Partei) und der AD (Demokratische Aktion) unterzeichnet wurde. Mit diesem Abkommen verpflichteten sich diese Parteien, die Zahl der in Venezuela miteinander konkurrierenden Parteien auf zwei (AD und Copei) zu reduzieren.

 

Übersetzt von: Andrea Noll
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