Tut uns wirklich leid
von Andrew Bacevich
07.04.2010 — World Affair's Journal / Antikrieg.com
Aus einer Kurzmeldung in der New York Times vom 5. April 2010:
„Nach anfänglicher Bestreitung einer Beteiligung oder jeglicher Vertuschung im Fall der Tötung von drei afghanischen Frauen im Zuge eines schlecht durchgeführten Angriffs amerikanischer Spezialkräfte im Februar gab das amerikanisch geführte Militärkommando in Kabul am Sonntag Abend zu, dass seine Kräfte in der Tat die Frauen im Zuge des nächtlichen Überfalls getötet haben.“
Laut New York Times war eine der getöteten drei Frauen die schwangere Mutter von zehn Kindern. Eine zweite war die schwangere Mutter von sechs Kindern. Vertreter der NATO hatten ursprünglich die Geschichte verbreitet, dass die Opfer vor dem Angriff der Vereinigten Staaten von Amerika von Familienmitgliedern auf ihrem Hof erstochen worden waren, wo sie für einen festlichen Anlass zusammengekommen waren. Es stellte sich heraus, dass das in keiner Weise stimmte – kurz gesagt, eine Lüge war.
Brigadegeneral Eric Tremblay, ein NATO-Sprecher, entschuldigte sich mannhaft im Namen der Allianz. „Wir bedauern sehr den Ausgang dieser Operation, übernehmen die Verantwortung für unsere Aktionen in dieser Nacht und wissen, dass die Familien für immer diesen Verlust fühlen werden.“ Nachdem er das von einem Vordruck abgelesen hatte, begab sich Tremblay vermutlich in die Turnhalle zum Training oder vielleicht auch in die Messe, um sich an einer guten Militärjause zu erfreuen.
Würde so ein heruntergebeteter Ausdruck des Bedauerns genügen, wären durch den Vorfall die Leben von schwangeren Frauen in Tremblays Heimat Kanada ausgelöscht worden? Eher nicht.
Wer hat die Frauen getötet? Wie ist es genau passiert? Wer hatte das Kommando? Wer wurde verantwortlich gemacht und wie? Welche Maßnahmen wurden getroffen, um jegliches neuerliche Vorkommen eines solchen Ereignisses auszuschließen? Nachdem die Special Operations Forces (SOF – Spezialeinsatzkräfte) hinter einem Schleier der Geheimhaltung tätig sind, werden diese Fragen nicht einfach nicht beantwortet. Sie werden gar nicht gestellt.
Wenn Liebe heißt, dass man nie zu sagen braucht, dass es einem leid tut, dann heißt der Dienst in den SOF, dass man den Ausdruck des Bedauerns anderen überlässt, während man selbst weiterhin nach den Regeln vorgeht, die man gerade für nützlich hält.
Das darf nicht toleriert werden. Ein Verhalten, das die ungerechtfertigten Tötungen von am Kampf Unbeteiligten mit dem Verschweigen der Wahrheit verbindet, ist sowohl falsch als auch dumm. Es macht die Behauptung zur Farce, die die Befehlskette hinauf und hinunter wiederholt wird, dass die Anwesenheit von Streitkräften der Vereinigten Staaten von Amerika und der NATO in Afghanistan gutartig ist und jede Aktion sorgfältig darauf ausgerichtet wird, die Herzen und Hirne der Menschen zu gewinnen.
Mit der Übernahme der Verantwortung für derartige Vorfälle muss die NATO Verantwortlichkeit zeigen. Das hat notwendigerweise zur Folge, dass disziplinäre Maßnahmen unverzüglich in die Wege geleitet und öffentlich bekannt gemacht werden.
Die Afghanen betrachten zweifelsohne Erklärungen des Bedauerns wie die von Brigadegeneral Tremblay abgegebene als offenkundig unehrlich. Damit haben sie völlig recht. Wären Sie Afghane, würden Sie das Gleiche empfinden.
Anmerkungen
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Antikrieg.com.
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